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11/14/2017

Eines schönen Tages

Eines schönen Tages sitzt Patricia am Ammersee, bestellt sich einen Cappuccino und freut sich auf eine Fahrt mit dem Dampfer. Sie hat nur etwas vergessen, und geht noch einmal zum Auto zurück. Danach wird sie nie mehr gesehen.

Ein blutiger Krimi

Strandhaus Eching am Ammersee
So beginnt das Buch "Eines schönen Tages böses Ende" der Schondorfer Autorin Susanne Lücke-David. Wie man sich bei dem Anfang und dem Titel gut vorstellen kann, handelt es sich um einen Krimi. Ich lese normalerweise keine Krimis, aber bei diesem hier bin ich aus zwei Gründen gespannt.
Erstens weil Susanne Lücke-David eine Schriftstellerin ist, die sehr sorgfältig recherchiert. Das liegt ihr als erfolgreiche Sachbuchautorin (Die Baustile, Antike Mythologie) wahrscheinlich in der Natur. Diesmal hat sie sich die Praktiken der Fleischindustrie genauer angesehen. Im Buch führt die Spur der verschwundenen Patricia in bayerische Schlachthäuser. Es geht also recht blutig zu, aber nicht so, wie man das normalerweise von einem Thriller gewohnt ist.

Enthüllungen in Romanform

Zweitens sehe ich an der Bloggerin Susanne Lücke-David (ich habe sie hier einmal portraitiert), dass sie sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Ihr Blog heißt nicht umsonst Nestbeschmutzer. Was immer sie bei ihren Recherchen zur industriellen Fleischverarbeitung herausgefunden hat, in diesem Buch wird es sicher unverblümt erzählt werden. Gut möglich, dass man für die Lektüre starke Nerven braucht, und zwar nicht nur wegen der Spannung.
Am 16. November wird Susanne Lücke-David ihr Buch zusammen mit der Buchhandlung Timbooktu in Schondorf präsentieren. Dabei gibt es sicher auch einige Hintergründe zu den Recherchen über die Fleischmafia und vielleicht ein paar Details, die im Buch nicht erwähnt werden konnten.
Wegen des großen Interesses wurde die Vorstellung von der Buchhandlung in das Landheim Schondorf verlegt, und zwar in den Vortragssaal im Hauptgebäude (Das Hauptgebäude ist das große Haus links am Platz, wenn man von der Bahnhofstrasse ins Landheim geht).

Buchpräsentation "Eines schönen Tages böses Ende"

16. November 2017, 19:30 Uhr
Landheim Schondorf
Vortragssaal Hauptgebäude
Schondorf am Ammersee

10/01/2017

Raiders of the lost Tigerente

Alles begann mit dem überraschenden Anruf eines Bekannten. Ich würde mich doch am Ammersee so gut auskennen, da könnte ich ihm sicher etwas über das Leben von Janosch bei uns sagen. Ich viel aus allen Wolken. Noch nie hatte ich davon gehört, dass der Schöpfer der berühmten Tigerente einmal am Ammersee gewohnt hat.

Janosch Tigerente enstand am Ammersee
© Janosch film & medien AG

Janosch am Ammersee

Also fing ich an im Internet zu recherchieren. Dabei fand ich tatsächlich einige Hinweise, dass Janosch in den 70er Jahren am Ammersee gelebt haben soll. Hier sei auch sein erster Roman "Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm"entstanden.
Ansonsten stieß ich bei Google nur auf ein Photo aus Greifenberg, das ein halb zugewachsenes Häuschens zeigt. Hier soll der Autor und Zeichner angeblich gewohnt haben. Sonst war nichts Genaueres zu finden, auch nicht auf der Website der Gemeinde Greifenberg.
Zum Glück sind die Menschen am Ammersee nicht kontaktscheu, und so kamen meine Nachforschungen kurz darauf ein ganzes Stück weiter. Bei einem abendlichen Bierchen im Steghaus Schondorf kam meine Frau mit unserem Tischnachbarn ins Gespräch. Der Herr kam aus Greifenberg und wir erzählten von unserer vergeblichen Janosch-Suche. "Ach der Janosch," meinte er, "klar kenne ich den, wir waren ja Nachbarn."

"Mangelnde Begabung" für die Kunstakademie

Ziemlich abgerissen sei der später berühmte Autor damals gewesen. Auch die Legende, dass Janosch seinen ersten Roman unter Zuhilfenahme von einundvierzig(!) Flaschen Gin geschrieben habe, scheint nicht völlig ohne Grundlage zu sein. Unter seinem bürgerlichen Namen Horst Eckert versuchte er als Stoffmusterzeichner seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Nebenher fing er an, unter dem Künstlernamen Janosch Kinderbücher zu zeichnen. Sein Kunststudium in München hatte er nach wenigen Semestern abbrechen müssen. Professor Geitlinger hatte ihm "mangelnde Begabung" attestiert. Traurig für Horst Eckert, aber im nachhinein betrachtet ein Glück für die Menschheit. Mit abgeschlossenemm Kunststudium hätte es den kleinen Bären und kleinen Tiger vielleicht nie gegeben.

Suche nach dem Haus von Janosch am Ammersee
Mit Spürhund und Tigerente auf der Suche

Ein Haus in Greifenberg

Jedenfalls verschlug es Janosch dann an den Ammersee, wo er sich in Greifenberg ein bescheidenes Häuschen baute. Wir hatten also eine heiße Spur. Im Internet fanden wir die Adresse unseres Gesprächspartners, und suchten mittels Google Earth die Nachbarschaft ab. Prompt ist da versteckt im Wald ein kleines, einsames Häuschen zu sehen. Mit diesem Wissen starteten wir unsere Suchexpedition und fühlten uns dabei wie Indiana Jones: Die Jäger der verlorenen Tigerente.

Die Forschungsexpedition

Begleitet wurden wir von unseren Freunden Christina und Jürgen Oliver Blank (5Blanks), unserem Spürhund Fräulein Rosa und (natürlich) einer Tigerente. Den Weg hatten wir uns gut eingeprägt. Hier dem Feld entlang, an der zweiten Abzweigung links, dann quer durch das Wäldchen und an der nächsten Biegung … die große Enttäuschung.
Was auf dem Satelitenbild wie ein Haus ausgesehen hatte, entpuppte sich als alter Stadel. Hier hatte mit Sicherheit niemand gewohnt, auch Janosch nicht. Also mussten wir uns nochmals an unseren Greifenberger Freund wenden. Der gab uns jetzt eine genauere Beschreibung der Lage, und uns wurde klar, dass wir am falschen Ende des Ortes gesucht hatten.

Wo kleiner Bär und kleiner Tiger gewohnt haben

Wohnhaus von Janosch am Ammersee
Das Haus sieht aus, wie aus einem Buch von Janosch
Eine Woche später traten wir erneut unsere Suche an, und dieses mal war sie von Erfolg gekrönt. Im Greifenberger Valloch stießen wir auf ein Haus, auf das die Beschreibung genau passte. Es ist inzwischen etwas baufällig, und wird den Spuren nach gelegentlich für Partys genutzt. Obwohl (oder weil?) es teilweise verwuchert ist, sieht es genauso aus, wie man sich ein Janosch-Haus vorstellt.
Laut seiner Biographie war der Autor in den 70er Jahren am Ammersee, bis er 1980 nach Teneriffa zog, wo er auch heute noch lebt.
Da "Oh wie schön ist Panama" 1979 erschienen ist, hat Janosch es höchstwahrscheinlich am Ammersee geschrieben.
Es war schon ein eigenes Gefühl, vor diesem Haus zu stehen. Hier hat die Tigerente zum ersten Mal mit den Holzrädern gequietscht. Hier ist der Geburtsort des kleinen Bären und kleinen Tigers, die mich und Millionen andere verzaubert haben. Hier ist Janosch auf der Terrasse gesessen, hat Abends in die Bäume geschaut und dabei von Panama geträumt.

Vom Ammersee bis Panama

Der Freund, der mit seinem Anruf unsere Suche ausgelöst hat, sammelt gerade noch mehr Material über Janosch. Das wird dann ab dem 8. Dezember in einer Ausstellung im Bauernhofmuseum Jexhof gezeigt. Ich freue mich jetzt schon darauf, mehr über Janosch und Tigerente, Panama und Ammersee zu erfahren.

Janosch: Vom Ammersee bis Panama

8. Dezember 2017 bis Mai 2018
Bauernhofmuseum Jexhof


12/11/2016

Das virtuelle Skriptorium

Der Advent kommt immer so plötzlich. Gerade haben wir uns noch beim Sammersee-Festival in der Sonne geräkelt, plötzlich sind es nur noch wenige Wochen bis Weihnachten. Normalerweise verwandelt in dieser Zeit Andreas Kloker das kleine Atelier in der Schondorfer Bahnhofstraße 38 in ein Skriptorium. Das Schaufenster wird dann zum literarische Adventskalender mit täglich neuen Texten (siehe Poesie in der Bahnhofstraße).

Gedichte im Schaufenster in Schondorf am Ammersee

Der Advent kam zu plötzlich

Eigentlich hätte das auch heuer wieder so sein sollen. Angedacht war, Texte aus den Ländern und Sprachen zu veröffentlichen, die auch auf den Wänden des kleinen Häuschens zu sehen sind. Dann kamen aber andere Projekte dazwichen, die Zeit wurde knapp, und so fiel schließlich der Adventskalender aus.

Deine (Lieblings)gedichte

Schade, dachte ich mir, denn ich bin dort immer gern vorbeispaziert, um die tagesfrischen Gedichte zu lesen. Vielleicht können wir dieses Skriptorium aber hier zumindest virtuell entstehen lassen.
Schreibt doch einfach unten in die Kommentare eure Lyrik. Und wenn Du selber gar kein Händchen zum Dichten hast, teile eines deiner Lieblingsgedichte mit uns. Im Sinne des Skriptoriums gerne aus verschiedenen Teilen der Welt. Vielleicht etwas auf Spanisch oder Wolof, etwas von Rumi oder Tagore?

Ermunterung von Peter Altenberg

Ich mache mal den Anfang. Meine Sprachkenntnisse beschränken sich auf Deutsch, Englisch und Österreichisch, und ich habe mich für Letzteres entschieden. Dieses Gedicht des großen Cafehausliteraten Peter Altenberg ist eine Ermunterung, die eigenen Gedanken in die Welt hinaus zu lassen. Gib auf die feige Vorsicht...

Was der Tag mir zuträgt

Nicht dir und einem gib das Gute, das du gefunden auf deinen schweren Wegen, gib es allen!
Auf daß an deinem armseligen Erden-Wallen
der eine oder der andre Klärung finde!
Gib auf die feige Vorsicht, gleichgesinnten Herzen dich zu eröffnen
sei stark, wirf's in die Welt!
Und wenn in Fernen eine zarte Seele
erbebt beim Wort, das du ins All verkündet,
so wird der Schauer dieser Milden, Sanften,
hindringen durch die Welten bis zu dir!
Peter Altenberg aus "Was der Tag mir zuträgt"

Migranten am AmmerseeDie Sprache meiner Mutter

Die Außenmauer des Ateliers in der Bahnhofstraße. So wie hier sollten die Texte des heurigen Skriptoriums die kulturelle Vielfalt bei uns am Ammersee zeigen. 




3/06/2016

Vom Ammersee zum Schermützelsee

Leuchte am See
Welche Verbindung gibt es zwischen dem Ammersee und dem Naturpark Märkische Schweiz in Brandenburg?
Eine literarische.
Im Kurort Buckow steht nämlich das Brecht-Weigel-Haus, und die beiden verbrachten oft ihre Sommer am Ammersee. In Utting hatte sich Bert Brecht ein Haus gekauft.

12/09/2015

Poesie in der Bahnhofstrasse

Lyrik von Wolfgang Berends
In der Adventszeit wird das Schaufenster im kleinen Atelier in der Bahnhofstrasse 38 traditionell einem Schriftsteller zur Verfügung gestellt.
Wo mich das Jahr über die Montagsfiguren von Katharina Ranftl erfreut haben (siehe 196, 197, 198, 199 ...200!), sind es jetzt wechselnde Gedichte, die mich durch die Wochen begleiten.

11/15/2015

Eis und Schnee in Schondorf

Winterlandschaft Spätestens am 20. November kommen Eis und Kälte nach Schondorf am Ammersee. An diesem Tag liest nämlich Thomas Glavinic im Landheim Schondorf aus seinem Buch "Das größere Wunder". Die Rahmenhandlung dieses Romans ist eine Besteigung des Mount Everest, in der sich der Held durch eisige Höhen kämpft.
Warm anziehen!

11/04/2015

Alte Meister im Studio Rose

© Dr. Mario Milchbrandtweinstätter
Der Schondorfer Kreis lädt zu Literatur im Studio Rose: Am 8. und 15. November liest Helbert Häberlin aus Thomas Bernhard's Roman "Alte Meister".
Es ist noch nicht lange her, dass ich die Alten Meister gelesen habe. Ich fand den Roman, auf die für Thomas Bernhard typische, gallige Art, recht humorvoll.

10/04/2015

Dies zweite Eden, halbe Paradies ...

Pavillon in Marienbad
Am 8. Oktober ist das Multitalent Kevin A. Perryman im Studio Rose zu erleben.
Motto der Ausstellung und Lesung ist ein Zitat aus Richard II: "This other Eden".
Es dürfte also recht anglophil werden, denn das zweite Eden ist bei Shakespeare "This blessed plot, this earth, this realm, this England".