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11/01/2017

Heute schon Hagalaz gesehen?

Wer heute am Schondorfer Rathaus vorbei gekommen ist, antwortet auf die Frage nach der Hagalaz-Rune vermutlich mit: "Ja, selbstverständlich." Der Brunnenstein vor dem Rathaus hat nämlich die Wasserrinnen in der Form dieser Rune. Aber auch wer noch gar nicht aus dem Haus gegangen ist, hat Hagalaz ziemlich sicher trotzdem gesehen.

Brunnen in Schondorf am Ammersee
Brunnen am Schondorfer Rathaus

Die Hagal Rune

Die Hagal oder Hagalaz Rune ᚼ ist ein Schriftzeichen des altnordischen Alphabets und entspricht dort unserem "H". Ich habe dieses Zeichen zum ersten Mal am Schondorfer Rathausbrunnen bewusst wahrgenommen (siehe Läuft's?). Die Wasserrinnen im Marmorblock sind nicht zufällig in diesem Kreuzmuster angelegt. Der Bildhauer Fabrizio Lorenzani hat bewusst dieses alte Zeichen verwendet.
Auf Esoterikseiten im Internet erfahre ich, Hagal diene zur Förderung der Fruchtbarkeit auf allen Ebenen, als Talisman für das Gedeihen von Vorhaben, und zur Harmonisierung und Bannung von Fremdeinflüsse. 

Fenster in Hagal-Form am ammersee
Güterhalle am Schondorfer Bahnhof

Der Blitzableiter

Gerade diese Bannung von Fremdeinflüssen ist angeblich auch der Grund, warum die Rune früher auf manchen Häusern zu finden war. In der Nähe des Daches angebracht, sollte ihre magische Kraft vor Blitzeinschlägen schützen. Das Gitter vor dem Fenster im Giebel der Güterhalle am Bahnhof soll deshalb diese Form habe.
Das sind zwei Hagal Runen in Schondorf, die ich kenne. Vermutlich kann man im Ort aber noch mehrere entdecken, wenn man mit offenen Augen durch die Straßen geht.

Das allgegenwärtige Symbol

Selbst wenn man aber die Augen nur starr auf einen Computer geheftet hat, ist die Hagal Rune trotzdem im Blick. Sie versteckt sich nämlich im Symbol für Bluetooth Netzwerke.
Dieser Standard für drahtlose Datenübertragung wurde 1999 in Norwegen festgelegt. Benannt ist er nach dem Wikingerkönig Harald. Der hatte anscheinend einen schlechten Zahn, und daher den Spitzname Blåtand = Blauzahn = Bluetooth.
Bluetooth ist heute in praktisch jedem Computer oder Smartphone integriert, um drahtlose Lautsprecher, Tastaturen oder andere Geräte anzubinden. Meistens findet sich das Symbol für diesen Funkstandard am oberen Bildschirmrand.  Es bildet sich aus zwei Runen, nämlich Berkano ᛒ und eben Hagalaz ᚼ.
Ich wundere mich direkt, dass das noch zu keinen Verschwörungstheorien geführt hat. Ist wirklich noch niemand auf die Idee gekommen, dass dahinter eine Konspiration der Illuminaten, der Reptiloiden oder der Freimaurer stecken könnte?

10/11/2017

Ausgezeichneter Denkmalschutz

Zum zweiten Mal vergibt heuer der Schondorfer Kreis seinen Gestaltungspreis für gelungene Gebäuderenovierung. Ausgezeichnet wird das prächtige Haus der Familie Wagner in der Landsberger Straße 42.

Gestaltungspreis für Bauernhaus

Gestaltungspreis für Bauernhaus in Schondorf am Ammersee
Dem Schondorfer Kreis ist die Erhaltung und Gestaltung des Ortsbildes ein besonderes Anliegen. Um hier private Initiativen zu würdigen, wurde der Gestaltungspreis ins Leben gerufen.
Erstmals vergeben wurde er vor zwei Jahren für die mustergültige Renovierung der Villa Schwarz in der Schondorfer Seestraße.
Heuer geht die Auszeichnung an die Familie Wagner in Oberschondorf. Mit großem Aufwand haben die Wagners ihr stattliches Anwesen in der Landsberger Straße 42 zu einer echten Zierde des Ortes gemacht. "Zur großen Freude aller Einwohner und Besucher," wie es in der Begründung so treffend heißt. Beide ausgezeichneten Häuser sind übrigens auch Stationen in dem von mir beschriebenen Historischen Spaziergang durch Schondorf.
Die Plakette des Gestaltungspreises wird am Samstag, 14. Oktober überreicht und am Haus angebracht. Die damit Ausgezeichneten und der Schondorfer Kreis freuen sich sicher über eine rege Teilnahme.

Gestaltungspreis Schondorf

14. Oktober 2017, 11:00 Uhr
Landsberger Straße 42
Schondorf am Ammersee

8/23/2017

Gleiches Baurecht für alle?

Ich hatte neulich in einem Beitrag darüber geschrieben (Zu Prix sage ich nix), dass die Vorgaben für den Investorenwettbewerb Prixgelände gelockert wurden. Bewerben können sich nun auch Interessenten, deren Vorschläge vom Bebauungsplan abweichen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto seltsamer finde ich diese Entscheidung.

Photo einer Baustelle

Wettbewerb oder Planvorgabe

Auf dem ehemaligen Werksgelände der Firma Prix in Schondorf soll ein Wohngebiet entstehen. Dazu hat die Gemeinde das Areal gekauft, die Hallen abgerissen und mittlerweile alle Altlasten entsorgt.
Nun gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten, an so ein Projekt heranzugehen. Zum einen kann die Gemeinde einen Wettbewerb ausschreiben. Dann schaut man sich die eingehenden Entwürfe an und entscheidet sich für den, der den eigenen Vorstellungen am besten entspricht. Natürlich können dabei bestimmte Rahmenbedingungen vorgeben werden, z. B. eine festgelegte Anzahl von Wohnungen zu sozialverträglichen Preisen.
Die andere Möglichkeit ist, und dafür hat sich Schondorf entschieden, mit einem Bebauungsplan klar festzulegen, was auf dem Gelände wo gebaut werden darf. Es ist sicher müßig darüber zu streiten, welches Vorgehen besser ist. Beide Verfahren haben ihre Vor- und Nachteile, und die Entscheidung ist in Schondorf nun mal gefallen.
Ich persönlich finde es übrigens gut, dass die Gemeinde hier auf klare Vorgaben setzt. Wir sollten selbst entscheiden, wie unser Ort in Zukunft aussehen soll.

Bebauungsplan ja, aber ...

Mit der Entscheidung vom 9. August hat der Gemeinderat nun aber eine seltsame Mischform aus vorgegebenem Plan und Wettbewerb geschaffen. Es gibt zwar einen Bebauungsplan, aber den interessierten Investoren wird zugesichert, dass auch davon abweichende Entwürfe im Wettbewerb berücksichtigt werden: "Solange sich die Bebauungsvorschläge an die grundsätzliche Festlegung des Bebauungsplanentwurfs halten ... werden sie gleichberechtigt in die Auswertung aufgenommen."
Wie schon eingangs gesagt: Je mehr ich über diese Entscheidung nachdenke, desto seltsamer finde ich sie.
Normalerweise ist ja ein Bebauungsplan eine ziemlich strikte Vorgabe, und um Befreiungen von den Festsetzungen wird im Einzelfall heftig gerungen. Beim Prixgelände wird nun schon im Vorfeld signalisiert, dass man hier großzügig sein will. Das klingt für mich so ähnlich wie: Liebe Immobilieninvestoren, wir haben zwar einen Bebauungsplan, aber das müsst ihr nicht so eng sehen.

Zwei-Klassen-Baurecht

Ich frage mich, ob das nun in anderen Ortsbereichen von Schondorf auch so gehandhabt wird. Auch für das Gebiet Am Griesfeld wird ja gerade ein Bebauungsplan erstellt. Wird man den Bauherren dort ebenso großzügig entgegenkommen, oder entsteht hier ein Zwei-Klassen-Baurecht? Wird Großinvestoren in vorauseilendem Gehorsam eine flexible Auslegung zugesichert, während der normale Häuslebauer um eine etwas größere Terrasse oder Dachgaube zäh kämpfen muß?
Ich selber bin in Fragen des Baurechts ein Laie. Ich würde mich ehrlich freuen, wenn Leser, die etwas von der Sache verstehen, mir das erklären könnten.
Sind meine Bedenken berechtigt oder unbegründet?

8/13/2017

Zu Prix sage ich nix

Was Architektur angeht, bin ich ein Laie. Das wird mir jedesmal klar, wenn ich vor einer Planzeichnung oder einem Modell stehe. Zur geplanten Bebauung des Prix-Geländes in Schondorf sage ich deshalb besser nichts. Ich mache mir nur ein paar Gedanken zum Ablauf der Planung.

Modell für Wohnbebauung am Ammersee
Eines der vom Wessobrunner Kreis präsentierten Modelle

Bebauungsplan und Alternativen

Für die Bebauung des ehemaligen Fabrikgeländes zwischen Bahn und Schulstraße hat die Gemeinde Schondorf den Entwurf eines Bebauungsplans erstellt (Link zum Entwurf). Dieser wurde im Gemeinderat nach vielfachen Erörterungen angenommen, und dient nun als Grundlage für den anstehenden Investorenwettbewerb. Ende Juli wurde aber die Diskussion um diesen Plan neu angestoßen.

Architekt & Investor

Unter dem Titel "Ziemlich beste Siedlung" präsentierte der Wessobrunner Kreis eigene Vorschläge für die Bebauung. Diese waren von Studenten der Hochschule Augsburg erstellt worden (siehe Visionen für den Wohnungsbau). "Solche Klötzchen-Modelle geben dem Laien leider einen völlig falschen Eindruck," erklärte mir ein Freund.  Recht hat er. Mich erinnerten die Modelle eher an Neuperlach als an den Ammersee, aber Architekten sehen das vielleicht anders.
Der Wessobrunner Kreis ist ein Verein von gut 130 Architekten und Architekturinteressierten, der sich für die Baukultur einsetzt. Anscheinend hatte der Verein in der Vergangenheit mehrfach versucht, die Gemeinde Schondorf von einem Kombiwettbewerb „Architekt&Investor“ zu überzeugen, dessen Ergebnisse von einer Fachjury bewertet werden sollten. Darauf habe die Gemeinde nicht reagiert, weshalb man nun mit der "Ziemlich besten Siedlung" an die Öffentlichkeit gegangen sei.

Wieviel Freiheit für die Investoren?

Jedenfalls war diese Präsentation Anlass, dass sich der Schondorfer Gemeinderat am 9. August erneut mit der Bebauungsplanung beschäftigte. Die Frage war, wieviel Spielraum den interessierten Investoren bei der Gestaltung gegeben werden sollte. Dabei gab es, quer durch die Parteilinien, zwei gegensätzliche Ansichten.
Manche Gemeinderäte möchten den vorliegenden Entwurf nur als lose Richtschnur sehen. Wenn man von vorneherein starr auf dem eigenen Plan beharrt, dann würden alternative, vielleicht bessere Vorschläge gar nicht erst in den Wettbewerb kommen. Investoren, die das Gelände nach eigenen Ideen bebauen wollen, würden abgeschreckt. So würden sich auch weniger Interessenten an dem Wettbewerb beteiligen, und die mangelnde Konkurrenz könnte am Ende zu einem schlechteren Ergebnis für die Gemeinde führen.

Ins Schondorfer Ortsbild einfügen

Demgegenüber pochen andere Gemeinderäte auf eine Einhaltung des vorliegenden Entwurfs. Gerade deshalb habe man diesen schließlich erstellen lassen, um architektonischem Wildwuchs vorzubeugen. Ein Investor habe nun einmal grundsätzlich das Interesse, den vorhandenen Platz maximal auszunutzen. Die Vorgaben des Plans dagegen sollen für eine nicht zu dichte Bebauung sorgen, die sich in das Ortsbild einfügt.
Am Ende einigte sich der Gemeinderat auf einen Kompromiss. Abweichungen vom Bebauungsplan sollen im Wettbewerb möglich sein, aber nur in engem Rahmen. Die interessierten Investoren müssen sich an die grundsätzlichen Festlegungen halten, also an die vorgegebene Geschoßanzahl, Dachneigung, die maximalen Wohneinheiten, das Maß der baulichen Nutzung, etc.
Ich bin mal gespannt, mit welchen Ideen die potenziellen Bauträger nun aufwarten werden.

8/12/2017

Visionen für den Wohnungsbau

An der Bebauung des ehemaligen Industriegeländes der Firma Prix in Schondorf wird ja nun schon recht lange geplant. Das Konzept wurde im Gemeinderat mehrfach diskutiert, und die grundsätzliche Aufteilung beschlossen. Jetzt meldet sich der Wessobrunner Kreis zu Wort, und präsentiert Ideen für das Areal, die von Studierenden der Hochschule Augsburg entwickelt wurden.
(Aktualisierung 12. 8.: Mathias Rathke vom Wessobrunner Kreis hat einen ausführlichen Kommentar zu diesem Beitrag geschrieben. Dieser ist unten an den Text angehängt.)

Prixgelände in Schondorf
Das Prixgelände: Eine riesige Sandkiste für Architekten

Ziemlich beste Siedlung

Unter dem Titel "Ziemlich beste Siedlung" haben sich Studenten der Hochschule Augsburg Gedanken über die Bebauung des Geländes nahe dem Schondorfer Bahnhof gemacht. Diese Konzepte werden am Donnerstag, 27. Juli in Schondorf präsentiert. (Natürlich genau dann, wenn ich nicht da bin. Das ist sicher ein Komplott.)
Professor Rommel, der das Projekt leitete, stellt die Entwürfe vor. Anschließend diskutiert er mit Bürgermeister Herrmann, dem Architekten Sebastian Dellinger (Beer Bembé Dellinger) und Regierungsbaumeister Christoph Schreyer.

Diskussion ohne die Planer

Ich bin etwas überrascht, dass das Schondorfer Architekturbüro VonMeierMohr nicht mit dabei ist. Die Architekten arbeiten seit 2013 zusammen mit der Gemeinde an den Plänen für das Prixgelände. Sie hätten aus ihrer Erfahrung sicher interessante Aspekte beitragen und erklären können, wie sie ihr Konzept entwickelt haben. Das Projekt ist ja nicht ganz einfach.

Schwierige Rahmenbedingungen

Es geht nicht darum, einfach etwas "Hübsches" hinzustellen, sondern es müssen schwierige Rahmenbedingungen gelöst werden. Der Lärmschutz Richtung Osten zur Bahnlinie und zur Staatsstrasse ist eine Herausforderung. Planerisch schwierig ist auch die Verkehrsanbindung über die schmale Schulstrasse und den Bahnübergang, speziell weil hier auch die Deutsche Bahn ein Wörtchen mitzureden hat. Außerdem muss auf die Kosten geachtet werden. Mindestens ein Drittel soll bezahlbarer Wohnraum für Einheimische werden, damit sich auch Normalverdiener eine Wohnung am Ammersee leisten können. Natürlich soll sich die Bebauung möglichst ins Ortsbild einfügen, und schließlich will die Gemeinde bei dem ganzen Projekt mit einer schwarzen Null aussteigen.
Wie gesagt, da hätten die Planer Helgo von Meier und Stefan Mohr sicher aufschlussreiche Einblicke geben können.

Frische Ideen zu einem späten Zeitpunkt

Prinzipiell bin ich immer neugierig auf innovative Konzepte in der Architektur. Allerdings wundere ich mich hier über den Zeitpunkt der Präsentation. Die jetzige Planung ist nach vielen Sitzungen und etlichen Änderungen vom Gemeinderat abgesegnet. In Kürze soll die Ausschreibung für den Investorenwettbewerb veröffentlicht werden. Um jetzt die angekündigten "Alternativen zum Bebauungsplan" einzubringen, müsste man die Planung um etwa zwei Jahre zurückdrehen. Und das will in Schondorf vermutlich niemand.
Ich freue mich trotzdem auf die frischen Ideen der Augsburger Studenten, auch wenn sie für das Prixgelände wahrscheinlich etwas zu spät kommen.

Ziemlich beste Siedlung

Alternativen zum Bebauungsplan Prixgelände
27. 7. 2017, 19:00 Uhr
VR Bank Schondorf
Bahnhofstrasse 25
Schondorf am Ammersee

Kommentar von Mathias Rathke vom 12. August

(Wegen technischer Probleme konnten diese Anmerkungen nicht als Kommentar veröffentlicht werden. Ich habe sie deshalb wörtlich hier eingefügt.)

Mathias Rathke, 2. Vorsitzender des Wessobrunner Kreis: "Einige Punkte würde ich zu Ihrem Blog gerne ergänzen damit die Sicht vollständig wird.
Punkt 1: Diskussion ohne die Planer
Unsere Ausstellung handelte nicht vom Bebauungsplan. Es ging, wie der Titel des Plakates ausdrückt „Ziemlich beste Siedlung – Alternative zum Bebauungsplan“ um ein grundsätzlich anderes Verfahren.
Über den Bebauungsplan wurde von unserer Seite daher während der Veranstaltung kein Wort verloren. Die Architekten VonMaierMohr waren daher auch nicht in der Diskussionsrunde vorgesehen, sondern nur der Verantwortliche der Gemeinde, Herr Bürgermeister Herrmann.
Die Architekten waren natürlich auf anderem Wege persönlich zur Veranstaltung eingeladen, da sie beide Mitglieder des Wessobrunner Kreises sind und über Einladungen und Protokolle von allen unseren Beiratssitzungen Kenntnis haben.
Da Bürgermeister Herrmann unsere Einladung ausgeschlagen hat, der Fall für ihn erledigt ist, wie er uns sagte, habe ich die anwesenden Vertreter von Gemeinde und Planung Vorort eingeladen auf dem Podium an der Diskussion teil zu nehmen. Herr Mohr konnte sich nicht dazu entscheiden, „aufschlussreiche Einblicke“ zum Verfahren, wie Sie es in Ihrem Blog nennen, beizutragen.

Punkt 2: Frische Ideen zu einem späten Zeitpunkt
Zur Chronologie:
Vor 11 Jahren:
In der Ausstellung befindet sich ein städtebaulicher Entwurf mit Modell des Wessobrunner Kreis – Mitgliedes Sunder-Plassmann das vor 11 Jahren erstellt und der Gemeinde präsentiert wurde.
Die letzten 3 Jahre stand dieses Modell bei der Gemeinde – im Zimmer des Bürgermeisters.
Vor 3 Jahren:
Ich habe an die Gemeinde geschrieben, dass, angesichts der gewaltigen planerischen Aufgabe, der Wessobrunner Kreis mit seinen 132 Mitgliedern aus Architekten, Stadtplanern, Innenarchitekten, Landschaftsplanern und Handwerkern der Gemeinde beratend zur Seite stehen würde. Man hätte dort Erfahren können wie ein derartiges Verfahren sach- und fachgerecht bewältigt wird. Auf dieses Schreiben haben wir nie eine Antwort erhalten.
Die Architekten Lüps und Bürger, als Vertreter des Wessobrunner Kreises, hatten einen Termin beim Bürgermeister. Sie haben vorgeschlagen, zur Wahrung der gestalterischen Qualität, eine Fachjury zu gründen und einen Ideenwettbewerb aus zu loben.
Die Bemühungen blieben ohne Erfolg.

Vor 2,5 Jahren:
In einer Versammlung des Bundes der Selbstständigen, an der auch der Bürgermeister anwesend war, habe ich gefragt, warum man nicht externen Sachverstand zur Lösung der Aufgabe heranzieht. Antwort: wir schaffen das schon

Vor 1,5 Jahren:
Die Hochschule Augsburg hat mit Studenten das Prix-Gelände im Rahmen eines städtebaulichen Entwurfs überplant. Die planerischen Grundlageninformationen stammten von der Gemeinde. Nach Abschluss des Semesters wurde von Herrn Prof. Rommel angezeigt, dass man die Arbeiten in Schondorf ausstellen könnte. Auch hier: keine Antwort der Gemeinde.

Vor 1 Monat:
In der letzten Bürgerversammlung zum Bebauungsplan habe ich erneut gefragt wie man, neben allen juristischen- und sozialverträglichen Fragen sichern will, dass am Ende eine gestalterisch wertvolle, d.h. „schöne“ Siedlung entsteht.
Antwort : Erfahrungen hätten gezeigt, dass eine Jury aus Fachleuten nachweislich nicht zu besseren Ergebnissen führt. Die Gemeinde könne das auch so.

Wie sie sehen, gab es langjährige Bemühungen des Wessobrunner Kreises die Gemeinde von einem alternativen Verfahren zu überzeugen bei dem die Gestaltung im Vordergrund des Planungsprozesses steht. Denn in einigen Jahren werden wir und die Folge-generationen nur noch über das reden, was sichtbar vor uns steht – und das sollte ansehnlich sein. Unsere Bemühungen waren leider allesamt erfolglos.
Der Ausschreibung zum Investorenwettbewerb ist zu entnehmen, dass der gebotene Kaufpreis zu 55 % gewichtet wird und lediglich 25 % die Gestaltung der Siedlung, was unsere Bedenken bestätigt.
Daher haben wir beschlossen, bevor die Bagger rollen, in einer eigenen Veranstaltung an die Öffentlichkeit zu gehen.
Ich möchte hier nochmals darauf hinweisen, dass der Wessobrunner Kreis nicht gegen den Gemeinderat ist sondern für eine qualitätvolle Siedlung. Das wird von einigen offensichtlich nicht richtig verstanden.

Was fordern wir vom Wessobrunner Kreises seit Jahren:
1 – der Schwerpunkt bei der Wohnbebauung Prixgelände muss auf der städtebaulichen und architektonischen Gestaltung liegen. Hierzu ist ein städtebaulicher Ideenwettbewerb notwendig bei dem Entwerfer inkl. Investoren ihre Vorschläge einreichen können.
Im Anschluss daran kann aus dem Gewinnerentwurf ein Bebauungsplan erstellt werden.
2 – Der Verkaufspreis für das Gelände muss fixiert werden und von der Gestaltung entkoppelt werden – sonst wird der Verdacht im Raume stehen bleiben, dass derjenige den Zuschlag erhält der das höchste Preisangebot abgegeben hat.
3 – es muss eine unabhängige Fach-Jury aus Architekten, Städtebauern und Landschaftsplanern eingesetzt werden die über die Qualität der Gestaltung wachen.
"

7/02/2017

Sie ist weg

Das Schicksal der Villa Margret in Schondorf war seit gut einem Jahr besiegelt (siehe Aufregung um geplanten Abriss). Das Landheim Schondorf hatte das alte Gebäude An der Point verkauft, die neuen Eigentümer stellten einen Bauantrag, und die entstehenden Wohnungen werden bereits auf dem Markt angeboten.

Villa Margret in Schondorf am Ammersee

Binnen Tagen verschwunden

Überraschend kam der Abriss also nicht. Trotzdem war es schmerzhaft zu sehen, wie binnen weniger Tage dieses Haus verschwand. Seit ich am Ammersee lebe, bin ich fast täglich daran vorbei gegangen.
Ich wehre mich nicht gegen das Neue. Ein lebendiger Ort braucht natürlich Veränderung. Wäre das nicht so, dann wäre Unterschondorf heute noch eine Ansammlung ärmlicher Fischerhütten am Ammersee.

Dichtere Bebauung

Außerdem gefallen mir die Entwürfe für das geplante Haus gar nicht schlecht. Aber der Neubau wird deutlich größer, der teure Baugrund soll schließlich ausgenutzt werden. "Nachverdichtung" wird das von Stadtplanern etwas verniedlichend genannt. In der Praxis bedeutet das mehr Volumen, weniger Freiraum, mehr Pflasterflächen, weniger Grün. Der Charakter des Ortes wird wieder ein bisschen verändert.
Ich glaube, Adorno hat einmal gesagt: Wenn etwas abgerissen und neu bebaut wird, bleibt trotzdem eine Lücke.

Die letzten Stunden

Hier sind ein paar Bilder aus den letzten Tagen der Villa Margret.




4/01/2017

Architekt trickst Baurecht aus


Hinweis: Dieser Beitrag erschien am 1. April 2017 ;-)

Was tun, wenn ein großes Grundstück mitten im Ort als Außenbereich nicht bebaut werden darf? Am "Augsburger Wald" in Schondorf zeichnet sich eine innovative Lösung ab, um das Baurecht auszuhebeln.
Mitte des Monats hatte das Landsberger Tagblatt noch gerätselt, was wohl mit dem Stück Naturland mitten in Schondorf passieren wird (Erst Brombeeren, dann Bäume). Nun hat das Hamburger Architekturbüro Baumfeller & Achst einen Plan für die Bebauung des Areals vorgelegt. Dabei wird sehr geschickt nur der schmale Streifen genutzt, der nicht zum Außenbereich gehört.

Über Nacht abgeholzt

Zur Erinnerung: Das Waldstück am Schondorfer Kapellenberg gehörte lange der Stadt Augsburg (darum "Augsburger Wald"), die es dann vor einigen Jahren verkaufte. Im März letzten Jahres wurde praktisch über Nacht das gesamte Areal abgeholzt. In einem Blog-Beitrag von Renate Blaes (Wald abgeholzt – mitten in Schondorf) ist das ausführlich beschrieben.
Schon damals wurde spekuliert, dass hier ein Bauvorhaben geplant sei. Allerdings gehört das Grundstück zum Außenbereich, der nicht bebaut werden darf.
Das Hamburger Büro Baumfeller & Achst hat jetzt einen innovativen Plan vorgelegt, um hier trotzdem Häuser zu errichten. Dabei machen es sich die Architekten zu Nutze, dass ein 5 m breiter Streifen am Ostrand noch zum Bebauungsplan gehört, weil hier früher einmal ein Campingplatz war.
Bis 2016 war dieser Bereich noch als Biotop geschützt. Der Grundstückseigentümer erwirkte aber bei der Unteren Naturschutzbehörde, dass die frühere Biotopeigenschaft abgesprochen wurde.

Das gerodete Grundstück am Kapellenberg
Ergänzung zur traditionellen Architektur

Da also nur ein schmaler Steifen bebaut werden kann, planen die Architekten pilzförmige Häuser, um den vorhandenen Luftraum zu nutzen.
Sie sehen darin eine aufregende Ergänzung zu traditioneller Architektur, mit der Wohnraum dort realisiert werden kann, wo eine klassische Bebauung sonst nicht denkbar ist.
Laut Paragraph 34 der BauGB ist ein Vorhaben zulässig, wenn es sich in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt. Die nähere Umgebung sind in diesem Fall die bis zu 20 m hohen Bäume, so daß nichts gegen eine entsprechende Bauhöhe spricht. Durch diese Art der Bebauung sind auch die Ansprüche des Waldgesetzes für Bayern (BayWaldG) erfüllt. Die Grünfläche als solches bleibt erhalten, und die abgeholzten Bäume können wieder nachwachsen.

Auch für ganz normale Investment-Banker

Architekt Hubertus Baumfeller betont, dass die Bebauung sozial verträglich sein soll: "Verglichen mit Starnberger- oder Tegernsee, leben am Ammersee bekanntlich ärmere Millionäre. Wir möchten die gewachsene Siedlungsstruktur nicht beeinträchtigen, und eine sozial ausgewogene Mischung erhalten." Darum wolle man versuchen, den Quadratmeterpreis unter € 10.000 zu halten. Schondorf solle kein Ghetto der Superreichen werden. "Auch der ganz normale Investmentbanker oder Vorstandsvorsitzende soll sich noch eine Wohnung am Ammersee leisten können," so der Architekt.
Ich finde es schön, dass hier der Bauträger Rücksicht auf die sozialen Belange der Gemeinde nimmt. Für diese Architektur gibt es in Schondorf sicher noch viele Einsatzmöglichkeiten, um die vorhandene Wohnbebauung schonend nachzuverdichten. 

3/19/2017

Baudenkmal oder Schwarzbau?

Ein Schwarzbau direkt am Ammersee? Der muß natürlich weg, sagt das Landratsamt. Die Gemeinde Eching würde ihn lieber stehen lassen. Die Geschichte, die sich daraus entwickelte, könnten Franz Kafka und Karl Valentin gemeinsam geschrieben haben.

Das sogenannte Norwegerhaus am Ammersee

Das Norwegerhaus am Ammersee

Heute schaut das Schondorf-Blog einmal über die Grenzen der Gemeinde hinaus, aber nur um etwa 100 Meter. Wenn man von Schondorf am Ammersee entlang nach Norden spaziert, sieht man als eines der ersten Häuser in Eching das sogenannte Norwegerhaus. Das Anwesen am Kaaganger ist ein seit langem gewohnter Anblick, und wahrscheinlich denken die wenigsten dabei an einen Schwarzbau.
Ursprünglich erbaut wurde es von dem Landschaftsmaler Hans Beat Wieland, dem Schwiegersohn des Sektfabrikanten Rudolf Henkell.

Von Spitzbergen inspiriert

Wieland war 1896 nach Norwegen gereist, um für eine Illustrierte Zeichnungen von der Expedition Salomon August Andrée's zu machen. Dieser versuchte mit einem Ballon zum Nordpol zu fahren. Andrée stürzte ab und blieb verschollen, aber Wieland kam wohlbehalten zurück und war seither von Norwegen fasziniert. Darum baute er sich mit seiner Frau am Ammersee ein Anwesen im Stil der Häuser auf Spitzbergen, mit begrüntem Dach und blutrotem Anstrich.
Bild von Hans Beat Wieland
1999 verkauften Wieland's Erben das unter Denkmalschutz stehende Haus. Der neue Besitzer machte sich an eine gründliche Renovierung, und damit gingen die Probleme los.

Zu gründlich renoviert

Das Landratsamt befand nämlich, dass etwas zu gründlich renoviert worden sei. Die Wände wurden neu aufgemauert und die Deckenhöhe vergrößert. Auch wenn es von Außen nur wenig verändert aussah, war von der historischen Substanz kaum etwas übrig geblieben.
Das Haus galt damit als Neubau. Es liegt aber im Außenbereich der Gemeinde, wo generell nichts Neues gebaut werden darf. Damit war das Gebäude nun ein Schwarzbau, der abgerissen werden muss. Gegen diese Entscheidung wurde über mehrere Instanzen prozessiert, aber es blieb bei der Abrißverordnung.
Im Gegensatz zum Landratsamt würde die Gemeinde Eching das Haus gerne erhalten. Der Gemeinderat hat beschlossen, dazu die Außenbereichssatzung zu ändern, um den Schwarzbau nachträglich zu legalisieren.

Baubehörde gegen Gemeinderat

Die Baubehörde im Landratsamt hält das für rechtswidrig und will dagegen vorgehen. Auch weil befürchtet wird, dass damit ein Präzedenzfall für eine weitere Bebauung und Erschließung am Kaaganger geschaffen wird.
Ich kann beide Seiten irgendwie verstehen. Einerseits ist das Norwegerhaus am Ammersee ein gewohnter Anblick, der vermutlich niemand stört. Von daher hätte ich nichts dagegen, wenn es erhalten bleibt.
Andererseits wecken Ausnahmeregelungen natürlich immer Begehrlichkeiten. Wenn es einmal geklappt hat, kommen möglicherweise auch Andere auf die Idee, ihr Haus ein bisschen zu renovieren und zu vergrößern. Und dann möchte man als Zufahrt vielleicht lieber eine asphaltierte Straße, als einen beschaulichen Wanderweg.
Es ist keine einfache Entscheidung. Mittlerweile wurde sogar der Petitionsausschuss im Landtag angerufen, der sich für einen Erhalt des Norwegerhauses ausgesprochen hat. Die verworrene Geschichte kann sich also durchaus noch länger hinziehen.

Aktualisierung vom 23. März

Durch Heiko Folkerts habe ich erfahren, dass Wieland nicht nur als Maler, sondern auch als Architekt tätig war. Hier ist ein schöner Beitrag aus der Zeitschrift "Die Kunst" von 1908. Victor Zobel (offensichtlich ein Bewunderer des großen Architekten Herrmann Muthesius) beschreibt darin das Haus, das Wieland für seinen Schwiegervater in Wiesbaden gebaut hat: http://www.lexikus.de/bibliothek/Die-Kunst-18-Band-Das-Haus-Henkell-in-Wiesbaden
Beat Wieland hat also auch das Norwegerhaus am Ammersee vermutlich nicht nur in Auftrag gegeben, sondern auch selbst geplant.


12/14/2016

Neues entsteht

Was da wohl wieder gebaut wird? Passt das überhaupt hierher? Und für so etwas muß das schöne alte Haus abgerissen werden? So oder ähnlich hat man vermutlich auch im 19. Jahrhundert am Ammersee diskutiert, wenn etwas Neues entstand. Vielleicht waren das genau die Fragen, die schon die Dorfpolitiker in Wilhelm Leibl's Gemälde von 1877 beschäftigten.

Bild von Wilhelm Leibl
Die Dorfpolitiker (Ausschnitt)

Villa Margret wird abgerissen

Jetzt ist es wieder einmal soweit, denn was sich schon länger abzeichnete, wird nun konkret: Die alte Villa Margret an der Point in Schondorf wird abgerissen, und durch einen Neubau ersetzt (siehe Aufregung um geplanten Abriss).
Erst einmal finde ich es sehr schade, dass ein Stück altes Schondorf verschwindet. Speziell weil das vormalige Wohnhaus von Julius Lohmann, dem Gründer der Landheim-Schulen, auch eine geschichtliche Bedeutung für unseren Ort hat.
Ein kleiner Trost ist, dass hier wenigstens nicht ein altes Haus einem Parkplatz geopfert werden soll, wie es bei der Güterhalle am Bahnhof angedacht wird. Hier verschwindet eine (sehr charmante) Ruine um neuen Wohnraum zu schaffen.

Regionaltypische Elemente

Jetzt zur oben angesprochenen, klassischen Frage: Passt das überhaupt hierher? Wahrscheinlich wurde das schon an den Stammtischen am Ammersee hitzig diskutiert, als die Villa Margret gebaut wurde.
Die Architekten Schneider Krümpelmann scheinen durchaus rücksichtsvoll vorzugehen. Auf der Website www.point8.immo sind bereits Pläne für das neue Haus zu sehen, und diese gefallen mir nicht schlecht. Zwar wird die neue Bebauung deutlich größer als die alte Villa, aber zum Glück wird das nicht in einem großen Quader hingeklotzt. Die Architekten haben sich sichtlich bemüht, örtliche Bautraditionen modern zu interpretieren.

Tradition modern interpretiert

Im Prinzip besteht das Ensemble aus zwei versetzten Häusern mit klassischen Giebeldächern, die durch eine Art Wintergarten verbunden sind.
Haus Margret am Lohmann-Weg in Schondorf
Die alte Villa Margret in Schondorf
So wie viele alte Häuser am Ammersee einen massiven Steinsockel mit hölzernem Aufbau haben, werden auch hier diese Materialien kombiniert.
Das Erdgeschoß hat eine rauhe Sichtbetonoberfläche. Obergeschoß und Dachstuhl sind mit Lärchenholz verschalt. Diese Verschalung ist nicht glatt, sondern in unterschiedlichen Tiefen und Breiten angelegt. Das sollte bei wechselndem Sonnenlicht interessante Schattenmuster ergeben. Auch die Loggia im Dachgeschoß ist ein Gestaltungselement, das man bei vielen älteren Häusern in unserer Gegend findet.
Wie gesagt, ich finde, das passt nicht schlecht ins Ortsbild - obwohl ich die Villa Margret natürlich trotzdem vermissen werde. 
Es würde mich interessieren, wie Architekturfachleute das beurteilen. 

10/30/2016

Fortschritte bei den Fortgeschrittenen.

"Die Fortgeschrittenen" ist der Name einer Gruppe, die am Ammersee ein gemeinschaftliches Wohnprojekt verwirklichen will. Ich habe über dieses Projekt letztes Jahr schon einmal geschrieben (siehe Wohnen für Fortgeschrittene)
Bebauungsplan für den Campus Schondorf am Ammersee
Bebauungsplan Prix-Gelände

Gemeinschaftliches Wohnen am Ammersee

Die Fortgeschrittenen sind schon länger auf der Suche nach einem Grundstück, um ihr Projekt zu realisieren. Baugrundstücke sind am Ammersee bekanntlich knapp und dadurch sehr teuer.
Darum entstand schon vor einem Jahr die Idee, sich an der Entwicklung des ehemaligen Prix-Geländes in Schondorf zu beteiligen. Auf diesem früheren Industrieareal will die Gemeinde bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Plan für das Prix-Gelände

Nun ist diese Idee ein Stück weiter gereift, und die Fortgeschrittenen haben der Gemeinde einen konkreten Plan vorgelegt.
Die vollständige Präsentation kann man sich auf www.diefortgeschrittenen.de als Pdf herunterladen.
Konkret interessiert sich die Gruppe für den Grundstücksteil entlang der Bahnlinie. Hier ist im Bebauungsplan derzeit ein mehrgeschossiges, geschwungenes Gebäude vorgesehen, von den Planern vonMeierMohr liebevoll "der Aal" genannt.
Die Fortgeschrittenen sehen den Aal allerdings als "klotzigen Riegel" und möchten stattdessen einen gestaffelten 3-Geschossbau mit gemischten Dachformen, Gründachflächen, Balkonen und Übergängen. Gebaut werden soll er als modularer Holz-Hybridbau, wobei das erlaubte Baufenster nicht bis an die Grenzen ausgenutzt werden soll. Als Beispiele solcher Bauweise nennt die Präsentation unter anderem Häuser, die von den Architekten Kaden+Lager in Berlin errichtet wurden.

Bis zu 4600 m2

Idealerweise möchten Die Fortgeschrittenen das gesamte für den "Aal" vorgesehene Grundstück von rund 4600 m2 erwerben. Vorsichtshalber wurden aber auch zwei weitere Anträge gestellt, um zwei bzw. ein Drittel der Fläche zu bekommen.
Genutzt werden soll die Bebauung nicht nur von den Mitgliedern der Gruppe, sondern es soll auch bezahlbarer Wohnraum für Gemeindebürger und passende Gewerbeeinheiten entstehen. Laut Präsentation wäre das möglich, weil Die Fortgeschrittenen ohne die üblichen maximalen Rendite-Interessen investieren würden.

Chance für neue Wohnformen?

Ich kann die Chancen des Projekts schlecht beurteilen. Um das gemeinschaftliche, kostengünstige Wohnen zu ermöglichen, müsste auch die Gemeinde auf die übliche Gewinnmaximierung verzichten. Da stünde dann wahrscheinlich schnell der Vorwurf der Mauschelei im Raum, wenn einem Bauträger ein Grundstück unterhalb des gängigen Verkehrswertes verkauft wird.
Aktuell arbeitet die Gemeinde Schondorf ja an einer Ausschreibung für das Prix-Gelände, um dann auf die Suche nach Interessenten zu gehen. Für einen kommerziellen Bauträger ist es vermutlich attraktiver, wenn er das gesamte Grundstück entwickeln kann.
Andererseits ist der Streifen entlang Bahnlinie und Uttingerstraße nicht der attraktivste Teil des Geländes. Würden die Fortgeschrittenen hier ihr Projekt realisieren, hätten die dahinterliegenden Flächen zumindest einen Lärmschutz zur Straße hin.
Es wird interessant sein zu verfolgen, wie die Gemeinde mit diesem Angebot umgeht. 

8/24/2016

Leseliste zum Dorfspaziergang

Zu dem von mir beschriebenen historischen Spaziergang durch Schondorf am Ammersee möchte ich noch einige Bücher empfehlen.
Die Bücher sind üblicherweise bei der Buchhandlung Timbooktu (Schondorf, Bahnhofstrasse 24) vorrätig oder können kurzfristig besorgt werden.

Buchempfehlungen


Kirche St. Jakob in Schondorf am Ammersee Susanne Lücke-David: Schondorf am Ammersee 

Ein liebevolles Portrait des Ortes, mit Hintergrundinformationen zu Kirchen und Gaststätten, Geschichte und Natur.
Mehr zu diesem Buch...

Werner Weidacher: Das Dorf und seine Menschen in alten Aufnahmen

Eine Fundgrube mit Hunderten alter Photos aus Schondorf. Leider nur noch antiquarisch erhältlich.
Mehr bei Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher...

P. C. Mayer-Tasch: Unterschondorf in alten Ansichten

Eine Sammlung alter Ansichtskarten die zeigen, wie der Ammersee und Schondorf einmal ausgesehen haben (und wie es gesehen werden wollte). 

Alfons Kifmann: Schondorf oder wir Barackenkinder

Leben in Schondorf in den 50er Jahren, fern von ländlicher Idylle und Bäder-Nostalgie. 
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Klaus Schönmetzler: Wilhelm Leibl und seine Malerfreunde  

Über den Maler Wilhelm Leibl, der prägende Jahre seines Lebens am Ammersee verbrachte.
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Sabine Busch-Frank: Hans Pfitzner und der Nationalsozialismus

Über den Komponisten Hans Pfitzner, dem in Schondorf eine Straße und ein Denkmal gewidmet sind.
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Walter Töpner: Wanderparadies Ammersee-Lechrain

Schöne Wanderungen rund um Schondorf und den Ammersee, mit vielen Einzelheiten zu Natur und Geschichte.
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Wenn Du noch andere lesenswerte Bücher über Schondorf und den Ammersee kennst, freue ich mich auf einen Hinweis in den Kommentaren. 

7/06/2016

Drei Gedanken zum Buchenpark

Am 25. Juni boten die "Architektouren Bayern" wieder die Gelegenheit, architektonisch ungewöhnliche Privathäuser zu besichtigen. Ich habe das genutzt um mir die in Schondorf recht umstrittene Wohnanlage Buchenpark (Buchenpark. Brrr!) einmal von Innen anzusehen.
Felix Bembé vom Architekturbüro Beer Bembé Dellinger war vor Ort und erklärte geduldig, und auch für Laien verständlich, die Überlegungen hinter der Gestaltung.

6/19/2016

Buchenpark. Brrrr!

Luxusappartments am Ammersee
"Buchenpark" wird in Schondorf oft auf eine Art ausgesprochen, wie man sie sonst für Wörter wie "Ballermann" oder "Dschungelcamp" verwendet. Ein Symbol für den Verfall der Kultur, ein Schauer von Abscheu – Brrrr.
Aber wie sieht es im Buchenpark eigentlich aus?

3/09/2016

Aufregung um geplanten Abriss

Villa Margret, Schondorf am Ammersee
Wie ich letztes Jahr schon vermutet habe, sind die Tage der "Villa Margret" in Schondorf gezählt. Das Gebäude wurde vom Landheim Schondorf verkauft. Der neue Besitzer will die Villa abreißen und auf dem Grund ein Doppelhaus bauen. Jetzt ist die Aufregung groß.
In den sozialen Netzwerken sorgte der geplante Abriss für heftige Empörung und es wurde auch nicht mit Kritik an den Politikern gespart: Warum tun Gemeinderat und Bürgermeister hier nichts? Warum verhindern sie nicht den Abriss?

12/06/2015

Weihnachtsmarkt für Architekten

Das ist doch endlich einmal ein Weihnachtsmarkt, bei dem modernen Architekten das Herz aufgehen muss.
Völlig kitsch- und schnörkelfrei präsentieren sich zur Zeit die Buden des Schondorfer Christkindlmarktes auf dem Parkplatz am Fischerweg.

10/25/2015

Historischer Spaziergang durch Schondorf

Historische Villa in Schondorf am Ammersee
Obwohl Schondorf die kleinste Gemeinde des Landkreises Landsberg ist, besitzt es eine erstaunliche Fülle historisch wertvoller Gebäude. Auf nur 6,6 km2 finden sich hier 25 denkmalgeschützte Bauten, das ist rekordverdächtig.
Auf der unten eingebetteten, bzw. hier verlinkten Karte sind die vom Landesamt für Denkmalpflege aufgeführten Gebäude und ein Rundweg durch Schondorfs Geschichte eingezeichnet. Der Weg führt an insgesamt zwölf Restaurants und Cafes vorbei, vor Hunger und Durst ist man auf dem Spaziergang also sicher.

6/28/2015

Wohnen für Fortgeschrittene

Alternatives Wohnmodell
Anders Wohnen
Die Bebauung des ehemaligen Prix-Geländes in Schondorf ist für die Gemeinde eine Herauforderung.
Aber so eine Fläche lädt natürlich auch zum Träumen ein: Könnte hier auch etwas Außergewöhnliches entstehen?
Etwas anderes als Doppelhäuser mit Giebeldach, vielleicht so, oder so oder so.

5/30/2015

Geht es mit Margret zu Ende?

Villa Margret in Schondorf
Margret sieht schon seit längerer Zeit nicht gut aus. Sie wirkt recht hinfällig und wäre eigentlich pflegebedürftig.
Und jetzt gibt es sogar Gerüchte, dass sie es nicht mehr lange machen wird.
'Sie' ist die Villa Margret im Julius-Lohmann-Weg in Schondorf.

4/22/2015

Campus Schondorf: Steigt ein Investor ein?

Baustelle in Schondorf am Ammersee
Die Planungen für die Bebauung des ehemaligen Prix-Geländes in Schondorf waren schon ein Stück vorangekommen, aber jetzt gibt es anscheinend eine Kehrtwende: Statt der Gemeinde soll ein Investor das neue Wohngebiet bauen.
Ob sich das mit dem ausgegebenen Ziel des "bezahlbaren Wohnens" vereinbaren lässt?

3/01/2015

Wie familienfreundlich ist Schondorf?

Familienfreundliches SchondorfIn meinem Blog-Beitrag Bezahlbares Wohnen in Schondorf gibt es eine lebendige Diskussion darüber, wie viel bezahlbaren Wohnraum wir am Ort brauchen.
Richtig ist, dass Wohnungen und Häuser in Schondorf teuer sind. Richtig ist sicher auch, dass wir eine ausgewogene Bevölkerungsstruktur möchten, und kein Millionärsghetto. Wir wollen verhindern, dass junge Menschen und Familien aus Schondorf abwandern, weil sie sich hier keine Wohnung leisten können.
Aber wie gravierend ist das Problem eigentlich?