Schondorf - Leben am Ammersee

Kultur, Politik, Freizeit und Veranstaltungen aus Schondorf und der Ammersee-Region.

1/21/2018

Ist das Alles?

Münzen auf einem Keramikteller von Regine Hohmann
Die Zeitschrift Focus Money hat ein Ranking der deutschen Landkreise in Auftrag gegeben. Landsberg am Lech schneidet hervorragend ab, und liegt auf Platz 13 unter 374 Landkreisen. Landrat Thomas Eichinger und der Kreistag werden zurecht dafür gelobt. Trotzdem habe ich meine Probleme mit solchen Ranglisten.

Wirtschaftskraft und Wertschöpfung

Natürlich sieht Focus Money – wie der Titel schon sagt – die Welt durch die Brille des Geldes. So auch bei dieser Rangliste. Aus Durchschnittseinkommen, Erwerbsquote, Investitionen, Wertschöpfung und Wirtschaftswachstum wurde ein Punktewert ermittelt, der die Rangfolge festlegt.
Das alles sind wichtige Faktoren, und ich bin froh, in einem wirtschaftlich gesunden Landkreis zu leben. Aber reicht das schon, um von den "erfolgreichsten Regionen Deutschlands" zu sprechen? Ist Erfolg wirklich nur eine Frage von Wirtschaftskraft und Wertschöpfung? Das ist die selbe Einstellung, für die Menschen erst erfolgreich sind, wenn sie einen großen Mercedes fahren und eine fette Rolex am Handgelenk haben.

Die Schwächeren nicht vergessen

Erfolg misst sich für mich auch an anderen Faktoren. Für mich ist eine Region erfolgreich, wenn sie für die Menschen "lebens- und liebenswert ist", wie der frühere Landrat Walter Eichner einmal gesagt hat. Dazu gehört eine saubere Umwelt und eine intakte Natur. Das Wirtschaftswachstum darf nicht mit Agrar-Monokultur und zubetonierten Gewerbegebieten erkauft werden. Oder der soziale Zusammenhalt. Vielleicht sollten solche Ranglisten auch ermitteln, wie viele Bürger sich in örtlichen Vereinen engagieren, zum Beispiel bei Feuerwehr oder Wasserwacht.
Über den wirtschaftlichen Erfolg dürfen auch die Schwächeren nicht vergessen werden. Ich sehe es als Erfolg, wenn es ausreichend Sozialwohnungen gibt. Nicht in einem Ghetto am Ortsrand, sondern verteilt über die Gemeinde, damit zum sozialen Stigma nicht auch noch die räumliche Ausgrenzung kommt. Wie geht ein Landkreis mit Geflüchteten um? Versucht man sie in die Gemeinschaft zu integrieren, oder drückt man sich nach Kräften um die Aufnahme?

Die "weichen" Faktoren

Auch das kulturelle Leben gehört für mich mit dazu. Gibt es eine lebendige Kunstszene, mit Bewußtsein für Traditionen und Mut zu Neuem? Werden die Kreativen unterstützt, gibt es Ausstellungs- und Veranstaltungsräume, werden junge Talente gefördert und verdiente Künstler gewürdigt? Ich würde mir wünschen, dass all das und andere "weiche" Faktoren mit berücksichtigt werden, wenn vom "Erfolg" einer Region die Rede ist.
Wie würde Landsberg bei einer solchen Reihung abschneiden?


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Kommentare:

  1. Sehr guter Artikel! Erfolg ist eben nicht nur Geld und materieller Wohlstand.

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  2. Lieber Leopold, ich bin ganz bei Dir. Hier ist ja die Rede vom Landkreis, Sozialbauwohnungen ist Aufgabe der Städte und Orte, finde ich sehr wichtig! Auch eine Förderung davon. Was der Landkreis in der Richtung macht und das kennen nicht alle: sind die Seniorenheim in Vilgertshofen und Greifenberg für Pflegebedürftige und zB das Färbergassl in Diessen, eine Seniorenwohnanlage für ältere Menschen mit Wohnberechtigungsschein. Desweiteren zB das Warmschwimmbad in Thaining und Greifenberg, das für Familien mit kleinen Kindern eine gute Alternative darstellt. Was die Kultur angeht, kenne ich auch keinen weiteren Landkreis, der diese "freiwilligen Leistungen" in diesem Umfang ableistet, wie der Landkreis Landsberg. Wir haben für die jungen Künstler den Kulturförderpreis (inzwischen schon an die 100 Prämierten), für ältere Künstler den Kunstpreis und eben die Kulturtage. Ebenso die Stadt Landsberg ist nicht ohne, sie leistet durch das Stadttheater und die verschiedenen Konzerte einen großen Beitrag. Die Säulenhalle wird ebenso subventioniert...Du weißt ich bin in der Hinsicht auch sehr kritisch:
    Deine Argumente der "weichen" Kriterien finde ich überaus wichtig, aber dazu gehört nun mal auch das Geld, um diverses verwirklichen zu können. Ich möchte das jetzt nicht verteidigen, weil ich Kreisrätin bin, aber es wird halt auch schnell kritisiert, schnell mal gemosert und teilweise werden die Möglichkeiten nicht gesehen und auch nicht gewürdigt, die die Politik Landkreis und Stadt, für den sozialen Zusammenhalt und kulturellen Notwendigkeiten macht. Ich würde mal sagen, mit den "harten" Kriterien und Voraussetzungen, kann man die berechtigten "weichen" Kriterien erfüllen. Ich denke von der Seite muss man das auch sehen. In diesem Sinne, liebe Grüße!
    Ps Leider ist es auch die Kultur, die als erstes immer hinten runterfällt, wenn es ums Sparen geht. Aber ganz allmählich ändert sich auch hier die Meinung....

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  3. Danke für den sehr treffenden Blogeintrag.

    Für den Philosophen Arne Zerbst liegt bei der derzeitigen Zerstörung der Natur durch die stetige Ökonomisierung immer noch die Möglichkeit einer Umkehr. Er führt aus: "Wir haben das große Problem einer ökonomisierten Existenz und zwar nicht nur da wo es so zusagen aus wirtschaftlichen Zusammenhängen heraus erklärlich ist. Da werden wir auch so schnell nichts anderes finden, das ist auch gar nicht notwendig. Das Problem was wir gegenwärtig haben und was auch von verschiedenen Seiten beschrieben wird, ist eben das Problem, dass wir uns in andere Belange auch durch ein wirtschaftliches Denken hineinreden lassen, also das alles ökonomisiert wird und da müssen wir uns fragen, ob wir damit nicht Werte kaputt machen die unabhängig von so einer Ökonomisierung bestehen sollten. Da sehe ich ein sehr großes Problem letztendlich auch der Gerechtigkeit, denn je mehr wir uns abhängig machen von Geld desto eher werden Leute die eben schon sehr viel Geld haben da hinkommen das zu bekommen."

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    1. Sehr schön gesagt, Harry. Genau da sehe ich das Problem, dass wir uns in zu vielen Bereichen in ein rein wirtschaftliches Denken hineinreden lassen.

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