9/20/2017

Eine Lobby für Radfahrer

Nach 200 Jahren bekommt das Fahrrad am Ammersee-Westufer endlich eine eigene Interessensvertretung. Am 28. September findet in Dießen die Gründungsversammlung der ADFC-Regionalgruppe Ammersee-West statt.

BR-Radltour am Ammersee

ADFC am Ammersee

1817 unternahm Karl von Drais die erste Ausfahrt mit dem von ihm erfundenen Laufrad, der "Draisine". Das Fahrrad war geboren.
200 Jahre später formiert sich für diese umweltfreundliche Fortbewegungsart auch am Ammersee-Westufer ein eigenes Sprachrohr. Die ADFC-Regionalgruppe Ammersee-West soll den Radfahrern in unserer Region eine starke Stimme geben.

Das Fahrrad als Verkehrsmittel

Es ärgert mich jedesmal, wenn das Fahrrad nur als Sport- und Freizeitgerät betrachtet wird, anstatt es als Verkehrsmittel ernst zu nehmen. Dabei machen uns Holländer oder Dänen seit Jahren vor, wie man durch konsequente Förderung den Anteil des Radverkehrs deutlich steigern kann.
Dieses mehr an Fahrrädern hat rundherum positive Nebenwirkungen: Weniger Flächenverbrauch, weniger Staus, weniger CO2, und weniger Feinstaub. Außerdem ist Radfahren bekanntlich ein gesundes Fitnesstraining. Laut WirtschaftsWoche spart jeder Pendler, der vom Auto auf's Rad umsteigt, dem Gesundheitswesen im Durchschnitt jährlich €2000.

Interessensvertretung für Radler

Trotzdem hat in unserer Verkehrsplanung das Auto absoluten Vorrang. Es gibt zwar einzelne Initiativen für das Radfahren, aber leider unkoordiniert und mit nur mäßigem Erfolg.
Auch in Schondorf gab es schon einmal einen schwungvollen Ansatz um das zu ändern. Im März 2016 fand im Rathaus ein Kreativabend unter dem Motto "Schondorf will radeln!" statt. Von der Kennzeichnung radfreundlicher Straßen über eine Do-it-yourself Werkstätte bis zu einem Fahrrad-Bonus wurden eine Menge Ideen diskutiert. Konkrete Ergebnisse aus den damals gemachten Vorschlägen habe ich noch keine gesehen.
Dem Fahrrad fehlt einfach eine gewichtige Stimme, die die Interessen der Radler vertritt. Das soll sich nun änderrn. Am 28. September wird eine Regionalgruppe Ammersee West des ADFC gegründet. Sie wird sich für den Radverkehr in Eching, Greifenberg, Schondorf, Utting, Riederau und Dießen einsetzen. Ich denke, es ist im Interesse aller Radfahrer in der Region, diese Initiative zu unterstützen. In der Ankündigung werden auch ausdrücklich Nicht-ADFC-Mitglieder zu der Veranstaltung eingeladen.

Gründungsversammlung ADFC-Regionalgruppe Ammersee-West

28. September 2017, 19:30 Uhr
Wirtshaus zum Kirchsteig
Am Kirchsteig 30
Dießen am Ammersee

9/16/2017

Drei-Seen-Rundfahrt

Realistisch betrachtet ist das ein kleiner Radausflug, bei dem man nur 20km im Sattel sitzt. Aber es klingt natürlich viel besser zu sagen: "Ich habe eine Radtour zu drei oberbayerischen Seen gemacht." Das sind der Ammersee, der Wörthsee und der Pilsensee. Bei sommerlichen Temperaturen sollte die Badehose ins Gepäck, denn es gibt viele Gelegenheiten, sich in einem der Seen zu erfrischen.
Länge: 20km
Höhenmeter: 120
Dauer: ca. 1:30 h plus Schifffahrt
Strecke: Etwa 2/3 Asphalt, 1/3 Feldwege

Am Skulpturenweg nach Eching

Radtour zu Ammersee, Wörthsee und Pilsensee
Vom Bahnhof in Schondorf aus geht es die Bahnhofstrasse hinunter zum See, und dann links dem Radweg R9 folgend in den Weingartenweg Richtung Eching.
Wer die Augen offen hält, entdeckt hier schnell einige seltsame Objekte am Wegesrand. Etwa eine Ankerkette, die senkrecht aus dem Boden zu wachsen scheint, oder Äste, die von riesigen Wäscheklammern gehalten werden. Ein Stück weiter schwebt dann das Skelett eines Bootes zwischen den Bäumen über dem See. Hier verläuft nämlich der Ammersee Skulpturenweg mit 21 Kunstobjekten am Wegesrand.
Einige sind nicht leicht zu entdecken, aber man kann auf ammersee-skulpturenweg.de nachschauen, was einen erwartet.

Liegewiese am Strandhaus

In Eching angekommen gibt es am Freizeitgelände die erste Möglichkeit für einen Badestopp. Das Strandhaus Eching bietet kleine Stärkungen an, und die große Liegewiese neben dem Naturschutzgebiet lädt zum Entspannen ein.
Leider ist gerade diese Ecke berüchtigt für die vielen Stechmücken, wenn es in den Tagen davor geregnet hat. Wenn die kleinen Quälgeister an diesem Tag zu lästig sind, fahren wir besser am Nordufer ein Stück weiter. Dazu folgen wir dem ausgeschilderten Radweg R9, überqueren die Amper, die hier aus dem Ammersee fließt, und kommen nach Stegen.

Von Stegen zum Wörthsee

Die Eismacherei in Stegen am Ammersee
In Stegen ist es schwierig an der Eismacherei vorbeizukommen. Erstens, weil auf der Straße immer ein furchtbares Gedränge herrscht, und zweitens, weil das Eis einfach zu verlockend aussieht. Auch Stegen hat einen Badeplatz. Während wir das Eis schlecken, können wir hier den – teils spektakulären, teils bemitleidenswerten – Manövern der Wind- und Kitesurfern zusehen.
Anschließend fahren wir weiter ostwärts bis zur Gaststätte Alte Brauerei. Hier zweigt der Ammerseeradweg rechts ab. Allerdings geht es dann die recht steile Bergstraße hoch, das ist etwas für gut trainierte Radler. Ich fahre lieber auf der Straße an der Brauerei vorbei nach Inning, da ist die Steigung etwas erträglicher.

Zwischen den Seen

In Inning biegen wir an der Herrschinger Straße rechts ab und kommen nach etwa 100m zur Walchstadter Straße, die links abzweigt. Am besten orientiert man sich an dem großen Hinweisschild zum "Hotel Mutz". Die Walchstadter Straße wird zum Bachener Weg, der sich sanft an- und absteigend durch den Wald schlängelt.
Badeplatz am Wörthsee
Im Ort angekommen biegen wir am Hotel Mutz rechts in die Fischerstraße ein. Nach einem kurzen Stück zweigt links die Aitelstraße ab. An deren Ende beginnt ein Fußweg entlang dem Wörthsee, der mit dem Fahrrad nur schwierig zu fahren ist. Zum Glück ist das nur ein kurzes Stück, dann kommen wir zum Schotterweg durch das Erholungsgebiet Oberndorf. Das ist eine wirklich großzügige, baumbestandene Liegewiese direkt am See. Ich wüßte im Fünf-Seen-Land keine andere öffentliche Badestelle dieser Größe. Wenn die Temperatur passt, ist hier der ideale Ort für einen Sprung ins Wasser.

Weiter zum Pilsensee

Am Ende des Erholungsgebiets kommen wir auf die Wörthseestraße Richtung Seefeld. Ein kurzes Stück muss auf der Staatsstraße gefahren werden, danach gibt es bis Hechendorf wieder einen Radweg neben der Straße.
Strandbad am PilsenseeIn Hechendorf bleiben wir auf der Hauptstraße bis nach der Bahnunterführung rechts die Seestraße abzweigt. Leider ist der Pilsensee hier nicht so schön zugänglich wie der Wörthsee. Die meiste Zeit geht es an Privatgrundstücken vorbei und vom See ist wenig zu sehen.
Allerdings gibt es nach etwa 1km das kleine, aber sehr charmante Strandbad Pilsensee. Hier fühlen sich auch Veganer wohl, denn das Strandbad bietet feine Kleinigkeiten wie Falafelteller oder Süßkartoffelpommes mit Avocadodip.
So gestärkt fahren wir auf einem Feldweg weiter am See entlang und durch das Herrschinger Moos. 


Zur Herrschinger Strandpromenade

Seepromenade Herrsching am Ammersee
Herrsching sieht von dieser Seite kommend nicht sehr einladend aus. Es geht durch ein Gewerbegebiet, in dem sich die üblichen Discounter aneinander reihen. Das ändert sich erst, wenn wir an der Rieder Straße rechts abbiegen und beim Fischbach das Seeufer erreichen. Voilà, wir sind auf der angeblich längsten Seepromenade Deutschlands.
Hier gibt es zwar nur spärlich Bademöglichkeiten, dafür eine umso reichere kulinarische Auswahl. Vom Biergarten (Seehof Herrsching) über die urige Fischbude (Mato's Fischladen) bis zur Küche auf Hauben-Niveau (Steg 32) ist alles dabei.
Ein Abstecher zum kultigen Kiosk Bayrische Brandung ist praktisch Pflicht. Hier trifft sich anscheinend ganz Herrsching, die Stimmung ist locker und man kommt mit den Gästen fast zwangsweise ins Plaudern. Die Verführung, noch ein allerletztes Bier zu trinken, ist immer sehr groß.


Mit dem Dampfer nach Schondorf

Die MS Utting am Dampfersteg Schondorf
Trotzdem müssen wir die Uhr im Auge behalten, denn um 20:02 Uhr oder auch schon 16:55 Uhr (je nach Jahreszeit) fährt der letzte Dampfer zurück zur Ostküste. Den Fahrplan der Ammersee Seenschiffahrt gibt es hier als Download. Diese Schiffe legen nicht unbedingt in Schondorf an. Wir kommen aber auf jeden Fall bis Utting. Von dort aus sind es am See entlang nur 4km bis Schondorf.

Rückfahrt mit dem Rad

Sportliche Naturen (oder wer das letzte Schiff verpasst hat) können natürlich auch mit dem Rad zurück fahren. Dazu geht es zuerst durch den Kurpark und die Seeanlagen nach Norden, parallel zur Rieder Straße. Dann heißt es gut aufpassen, denn die Radroute zweigt rechts in die Hechendorfer Straße ab. Die Beschilderung ist hier leider ziemlich unauffällig. An der nächsten Gabelung geht es links bergauf in die Rauscher Straße, vorbei am Gelände der Fachhochschule für den öffentlichen Dienst.
Bei Ellwang gibt es noch einen schönen Blick über den Ammersee, dann geht es hinunter nach Breitbrunn. Hier überqueren wir die Staatsstraße St2067 und fahren auf dem ausgeschilderten Radweg über Buch weiter nach Inning. Ab Inning geht es auf der selben Strecke wie bei der Hinfahrt zurück nach Schondorf.
Der Radausflug verlängert sich in dieser Variante um 16km auf insgesamt 36km. Damit sollten wir knapp die Kalorien wieder verbraucht haben, die wir unterwegs in den Eisdielen, Biergärten und Cafes zu uns genommen haben.

9/12/2017

Drachen im Ammersee

Drachen gibt es seit 1929. Erfunden hat sie der Norweger Johan Anker. Anker hatte im Jahr zuvor bei den olympischen Spielen in Amsterdam eine Goldmedaille im Segeln gewonnen. Für die neue Klasse eines Kielbootes mit drei Mann Besatzung entwarf er für den Göteborgs Kungliga Segelsällskap den "Drachen".

Die elegante Linie

Photo © www.drachenklasse.de
Auch wenn ich selbst kein Segler bin muss ich sagen, dass die "Drachen" einfach sehr schick aussehen. Der flache Rumpf mit den langen Überhängen an Bug und Heck, das ist schon eine sportlich-elegante Linienführung. Ich kann verstehen, warum Anker ehrfurchtsvoll der "Master of Lines" genannt wird.
Anker's Entwurf setzte sich schnell durch, und der "Drachen" ist bis heute ein beliebtes Regattaschiff. Über 1.500 Boote aus allen Kontinenten sind bei der International Dragon Association registriert.

Meisterschaft auf dem Ammersee

Jedes Jahr wird eine "Internationale Deutsche Meisterschaft Drachen" ausgetragen. 2016 waren die Wettfahrten am Timmendorfer Strand, heuer finden sie am Ammersee statt. Veranstalter ist der Augsburger Segler-Club in Utting. Die Wettfahrten beginnen am Mittwoch, den 13. 9. und am folgenden Sonntag gibt es die Siegerehrung.
Wie gesagt, bin ich selber kein Segler, aber ich werde vom Land aus sicher ein paar Blicke auf die Wettfahrten dieser schnittigen Boote werfen. 

Drachen IDM 2017

12. - 16. September 2017
Augsburger Segler-Club e.V.
Utting am Ammersee
www.asc-utting.de/

9/09/2017

Gefährliche Leckereien

Ich schreibe normalerweise nicht über unseren Hund, weil ich die Leser nicht mit Haustiergeschichten langweilen will. Andererseits denke ich manchmal, dass "Fräulein Rosa" in Schondorf bekannter ist als ich. Das war besonders auffällig, als ich diese Woche ohne den schwarzen Labrador unterwegs war.

Schwarzer Labrador am Ammersee

Die verführerische Plastiktüte

Wenn ich jemand auf der Straße getroffen habe, waren die ersten Worte nicht "Hallo Leo", sondern "Wo ist Fräulein Rosa?". Und ich musste leider antworten, dass sie in der Tierklinik ist.
Meine Frau und ich hatten eine Freundin besucht, und der Hund musste natürlich deren Garten erkunden. Während wir beim Kaffee saßen, hat sich Fräulein Rosa wohl in einen der Nachbargärten geschlichen. Dort hat sie eine verführerische Plastiktüte entdeckt, so ähnlich wie die Tüte in der ihre Leckerlis aufbewahrt werden. Ich war einfach nachlässig, und habe nichts davon bemerkt. Später wurde der Hund unruhig, aber das habe ich auch noch nicht richtig interpretiert.

Japsen und Lähmungen

Erst auf dem Nachhauseweg setze ein Zittern am ganzen Körper ein, das Tier begann fürchterlich zu japsen, und auf halber Strecke knickten die Beine weg. Ich musste sie das letzte Stück tragen. Zu Hause ging es dann schnurstracks ins Auto und in die Tierklinik. Auf der Fahrt wurde der Schaum vor dem Maul und das Hecheln erst ständig stärker, dann hörte es schlagartig auf. Das waren sehr bange Minuten.
In der Tierklinik angekommen wurde schnell eine Vegiftung diagnostiziert und der Magen ausgepumpt. Dabei fand sich Blaukorn. Nicht in Spurenelementen, sondern ein ganzer Sack davon, inklusive Teilen der Plastikverpackung.
Die nächsten 24 Stunden verbrachte Fräulein Rosa am Tropf hängend im künstlichen Tiefschlaf. Die Nacht war kritisch, weil sich das Nitrat im Blaukorn im Magen zu Nitrit zersetzt. Dieses blockiert die roten Blutkörperchen, die dadurch keinen Sauerstoff mehr durch den Körper befördern können.
Meine Frau und ich hatten eine Nacht und einen Tag voller Sorgen, und im Ort eben immer wieder die Frage: "Wo ist Fräulein Rosa?"

Glücklich überstanden

Zum Glück nahm die Geschiche ein gutes Ende. Nach zwei Tagen hatte sich der Zustand soweit stabilisiert, dass wir unseren Hund wieder mit nach Hause nehmen konnten. Jetzt können wir allen, die unsere Sorgen geteilt haben froh mitteilen: Ja, es geht ihr wieder gut. Sie ist noch ein bisschen klapprig und erschöpft, etwas unruhig und nicht so entspannt wie sonst. Aber zumindest kann der Hund wieder laufen und spielen, wieder kuscheln und – für einen Labrador ganz wichtog – fressen.
An dieser Stelle vielen Dank an alle, die so rührend besorgt um den Zustand von Fräulein Rosa waren. Vielen Dank auch an die Tierklinik Weilheim, wo wir unseren Hund in bester Pflege wußten.

9/06/2017

91 sind zuviel

Einundneunzig Menschen sind 2016 in Bayern ertrunken. Das ist ein trauriger Rekord in Deutschland und mehr, als in jedem anderen Bundesland, mehr als an Nord- und Ostsee. Gerade bei uns am See ist schwimmen zu können kein sportlicher Luxus, sondern überlebensnotwendig.

Das Buch "Die Freunde vom See" unterstützt Schwimmkurse für Kinder
Photo © Monika Roming

Immer weniger Kinder können schwimmen

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) berichtet, dass 60 Prozent der zehnjährigen Kinder in Deutschland nicht sicher schwimmen können. Ein Grund dafür sei, dass der Schwimmunterricht an vielen Schulen häufig ausfällt. Gut ein Viertel der Grundschulen hätten mittlerweile keinen Zugang zu einem öffentlichen Bad.
Private Schwimmstunden für ihre Kinder können sich aber viele ärmere Familien schlicht nicht leisten. Ein harmloser Schubser am Steg kann dann schon ausreichen, dass Armut hier tödlich endet.

Schwimmunterricht für alle

Die Gruppe "Die Freunde vom See" und die BRK Wasserwacht Herrsching haben deshalb gemeinsam ein Projekt gestartet, damit möglichst alle Kinder am Ammersee schwimmen lernen. Einkommensschwache Familien haben dabei Vorrang.
Die Aktion heißt "Schwimm dich StaRK" und finanziert sich hauptsächlich über ein dafür produziertes Buch. "Die Freunde vom See" ist ein ausgesprochen charmant gezeichnetes Kinderbuch von Monika Roming.

Nilpferdchen am Ammersee

Zwei kleine Nilpferde und eine Schildkröte entdecken beim Picknick am Ammersee eine Flaschenpost, und machen sich auf Schatzsuche. Dabei geht es um suchen und finden, um streiten und teilen, und natürlich auch um das Wasser und ums schwimmen. In einem ganz eigenen Stil kombiniert Monika Roming Photos vom Ammersee mit liebevollen Zeichnungen. So verschmelzen Phantasie und reale Umgebung zu einer neuen Welt.
Ein herrliches Buch zum lesen, vorlesen oder verschenken, das darüber hinaus auch noch einer guten Sache dient. Der Druck wurde über Sponsoren finanziert und die Einnahmen gehen zu hundert Prozent an die Aktion "Schwimm dich StaRK".
Die "Freunde vom See " gibt es bei uns in Schondorf im Timbooktu, in vielen Läden rund um den Ammersee, und natürlich auch zum online bestellen.

9/03/2017

Aus Prinzip

Die Initiative "Unser Dorf" in Utting gibt den Widerstand gegen das geplante Polizeibootshaus in Holzhausen nicht auf. In einer aktuellen Stellungnahme werden gravierende Fehler bei der Planung und beim Umweltgutachten bemängelt. Das Innenministerium hält aber anscheinend unbeirrt an einem Baubeginn im Herbst fest – aus Prinzip. 
Panorama Dampfersteg am Ammersee
Hier soll das Polizeibootshaus gebaut werden

Die Polizei auf dem Ammersee

Den aktuellen Stand der Dinge hat ein Beitrag im Kreisboten sehr gut zusammengefasst. Hier noch ein paar prinzipielle Gedanken dazu von mir.
Ich bin der Meinung, dass die Polizei auf und um den Ammersee sehr gute und wichtige Arbeit leistet. Ich bin auch dafür, dass sie für diese Arbeit alle notwendigen Geräte und Ausrüstung bekommt. Trotzdem verstehe ich überhaupt nicht, wozu es dieses Bootshaus in Holzhausen braucht.
Seit das alte Bootshaus bei St. Alban vor zehn Jahren abgerissen wurde, liegt das Polizeiboot WSP 7 im Sommer am Dampfersteg in Dießen. Im Herbst wird es herausgeholt und im Frühjahr wieder zu Wasser gelassen. Das scheint ja nun ein Jahrzehnt lang gut funktioniert zu haben.
Was spricht deshalb eigentlich für ein neues Bootshaus am Ammersee?

Bootshaus in Holzhausen

Die Lage in Holzhausen kann ja kaum ein Argument für den Bau sein. Der jetzige Standort am Dießener Dampfersteg ist von der Polizeiinspektion aus in fünf Minuten zu erreichen. Holzhausen ist dagegen 10 km entfernt, und die Anfahrt dauert etwa dreimal so lange. Zudem führt nur ein schmaler Weg zum Steg, und die notwendige Infrastruktur muss erst neu errichtet werden.

Rechnet sich der Aufwand?

Die Unterhaltskosten für die beiden Polizeiboote auf dem Ammersee sind derzeit recht moderat. Laut Auskunft der Staatsregierung liegen diese bei durchschnittlich etwa 5.000 Euro im Jahr. Für das neue Bootshaus sind angeblich € 350.000 veranschlagt. Selbst wenn sich dadurch der Wartungsaufwand für das Boot halbieren sollte, hätte sich der Bau erst nach 140 Jahren amortisiert.

Aus Prinzip

Als Hauptargument höre ich, dass das Polizeiboot ganzjährig einsatzfähig sein müsse – aus Prinzip.
Auf eine parlamentarische Anfrage sagte das Innenministerium 2015 dazu:
Rege Aktivitäten auf dem Ammersee?
Facebook Bilder vom Winter 2016
"Die je nach Wetterlage auch in den Wintermonaten durchaus noch regen Aktivitäten auf dem See erfordern die Einsatzbereitschaft der Wasserschutzpolizei auch zu dieser Jahreszeit."
Ich weiß nicht, ob wir hier vom gleichen See reden. Jedenfalls sind mir am Ammersee in den Wintermonaten noch keine regen Aktivitäten auf dem See aufgefallen. Gut, es gibt ein paar unentwegte Windsurfer, die auch bei Minustemperaturen auf dem Wasser sind. Für dieses kleine Häuflein lohnt sich der Aufwand aber wohl kaum.
Wie eingangs schon gesagt: ich bin sehr dafür, dass unsere Polizei die Ausrüstung bekommt, die sie für ihre Arbeit braucht. Ich denke aber, dass man die € 350.000 (wenn es denn dabei bleibt) sinnvoller investieren könnte.
Oder muss das Polizeiboot wirklich auch im Winter auf dem Ammersee Patrouille fahren? Wie seht ihr das?



9/02/2017

Die Sir Shackleton

Der Sommer geht langsam in den Spätsommer und den Herbst über. Heute ist ein grauer Regentag, da erinnere ich mich gerne an die schönen Sommerabende zurück, z. B. Ende August auf der Sir Shackleton.

Segeln auf dem Ammersee
Photo © Maren Martell

Einfach in die Gegend gucken

Es war ein traumhafter, heißer Sommertag und er wurde abgerundet durch einen ganz entspannten Feierabend-Törn mit Ammersee Segelevents auf der Sir Shackleton. Einmal kein g'scheit daher reden, nicht auf den Fitness Tracker starren, und nicht auf dem Handy daddeln (ein bisschen natürlich schon, sonst hätte ich diese Photos ja nicht geschossen).
Einfach nur das Wasser, die Luft und den Sonnenuntergang genießen, und sich der "unterschätzten Kunst des dumm in die Gegend schauen" widmen (ich glaube, Edmund Epple von Discy hat das einmal so formuliert).
Ach, ich liebe den Ammersee!

Sonnenuntergang auf dem Ammersee

Das Segelschiff "Sir Shackleton" auf dem Ammersee

Segelboot auf dem abendlichen Ammersee

Segeln auf dem Ammersee bei Sonnenuntergang

8/30/2017

Steinway-Preisträger am Ammersee

Die perfekte Überschrift für diesen Beitrag war leider schon vergeben: "Ducati und Duke Ellington" betitelte das BR Fernsehen einen Beitrag über den motorradbegeisterten Jazzpianisten Leo Betzl. Am 31. August spielt er im Rahmen der Ammerseerenade zusammen mit dem Saxophonisten Valentin Preißler in Achselschwang.
Leo Betzl und Valentin Preißler beim Festival Ammerseerenade am Ammersee
Photo © Leo Betzl

Filigraner Swing am Piano

Leo Betzl gibt Vollgas. Nicht nur auf seinem Motorrad, sondern auch was seine Karriere angeht.
Nach einer klassischen Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater München entdeckte er, dass seine Liebe eigentlich dem Jazz gehört. Prompt gewann er damit den Kurt Maas-Jazz-Award. Und den bayerischen Kunstförderpreis. Und nun auch noch den Steinway-Förderpreis. Wie gesagt, der junge Rosenheimer ist kräftig am Beschleunigen.
Zur Ammerseerenade kommt er mit seinem Partner Valentin Preißler am Saxophon. Die Firma Steinway schreibt über das Duo: "Die daraus bestehende Musik besticht durch eine Mischung aus modernen sphärischen Klängen als auch durch tighten Groove oder filigranen Swing."
Beim Motorrad setzt Leo Betzl anscheinend weniger auf sphärische Klänge und mehr auf einen markigen Groove. Wenn ich das auf dem Foto richtig sehe, fährt er seine Ducati Monster mit einem Arrow Round Sil Schalldämpfer der bayerischen Firma alpha Technik.

Swinging Colours

Nach Achselschwang zu kommen lohnt sich übrigens doppelt. Neben dem Jazz-Duo kann man dort auch die Reihe "Musik & Kunst" bewundern. Bildende Künstler zeigen ihre jeweils eigene Interpretation, wie man Musik in Bilder und Skulpturen übersetzen kann.
In Achselschwang sind das die Maler Karol Michalski und Jukka Rusanen, und die Glaskünstler Gudrun und Hans Jürgen Westphal. Da alle vier ausgesprochen farbenfroh arbeiten, ist "Swinging Colours" ein sehr passender Titel für die gemeinsamen Ausstellung.

Ammerseerenade 2017

Leo Betzl und Valentin Preißler

31. August 2017, 18:00 Uhr
Hofgut Achselschwang

8/27/2017

Ammersee Detox

Das ganze Jahr über sammeln sich Schlacken und Gifte an, die auf Dauer ganz schön nerven. Deshalb raten viele Experten zu einer regelmäßigen Detox-Kur. Das empfiehlt sich nicht nur für den eigenen Körper, sondern auch für das Ammerseeufer.

Müll am Ammersee

Reinigendes Ritual

Dieses Seeufer-Detox organisiert nun schon seit fünf Jahren die Schondorfer Firma Good Boards. Die machen Bretter für das Snow-, Skate-, Wake- und Kiteboarding (Waterboarding ist meines Wissens zum Glück nicht im Programm). Mit ihren Boards sind sie praktisch ganzjährig auf Demotouren in halb Europa unterwegs. Dadurch haben die Jungs und Mädels eine besonders enge Beziehung zur Natur. Wenn man viel draußen ist dann merkt man, wieviel Müll überall herumliegt.

Ammersee ohne Müll ist schee!

Vor fünf Jahren hat Good Boards deshalb die Aktion "Ammersee ohne Müll ist schee!" ins Leben gerufen. Heuer findet sie am 3. September statt. An diesem Sonntag treffen sich Freiwillige, um zwischen Schondorf, Utting und Eching das Seeufer zu säubern. Los geht es immer mit einer Stärkung vom Grill und dem jetzt schon traditionellen T-Shirt bedrucken. Danach spaziert eine bunte Truppe los, und durchkämmt das Ufer nach Zivilisationsresten. Es ist immer wieder erstaunlich, was dabei alles zum Vorschein kommt. Es wurden schon ein Staubsauger und Teile einer Kücheneinrichtung aus dem Gebüsch gezogen.

Belohnung für die Müllsammler

Traditioneller Abschluss des Tages ist dann bei einem wohlverdienten Bier im KuBa. Hier ein kleiner Rückblick auf das Müllsammeln im letzten Jahr: Umweltschutz als Team-Event
Die Stimmung ist immer prächtig. Man ist an der frischen Luft, verbringt den Tag mit netten Leuten, und hat auch noch etwas Sinnvolles getan. Bei mir wirkt das besser als ein 5-Phasen Detox Set zu € 179,90 aus dem Versandhandel. Ich bin heuer auf jeden Fall wieder dabei und es wäre schön, wenn der eine oder andere Blogleser auch mitkommt.

Ammersee ohne Müll ist schee!

3. September 2017, ab 12:00 Uhr
Treffpunkt: Schulstraße 18
Schondorf am Ammersee
www.facebook.com/groups/AmmerseeOhneMuell

8/23/2017

Gleiches Baurecht für alle?

Ich hatte neulich in einem Beitrag darüber geschrieben (Zu Prix sage ich nix), dass die Vorgaben für den Investorenwettbewerb Prixgelände gelockert wurden. Bewerben können sich nun auch Interessenten, deren Vorschläge vom Bebauungsplan abweichen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto seltsamer finde ich diese Entscheidung.

Photo einer Baustelle

Wettbewerb oder Planvorgabe

Auf dem ehemaligen Werksgelände der Firma Prix in Schondorf soll ein Wohngebiet entstehen. Dazu hat die Gemeinde das Areal gekauft, die Hallen abgerissen und mittlerweile alle Altlasten entsorgt.
Nun gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten, an so ein Projekt heranzugehen. Zum einen kann die Gemeinde einen Wettbewerb ausschreiben. Dann schaut man sich die eingehenden Entwürfe an und entscheidet sich für den, der den eigenen Vorstellungen am besten entspricht. Natürlich können dabei bestimmte Rahmenbedingungen vorgeben werden, z. B. eine festgelegte Anzahl von Wohnungen zu sozialverträglichen Preisen.
Die andere Möglichkeit ist, und dafür hat sich Schondorf entschieden, mit einem Bebauungsplan klar festzulegen, was auf dem Gelände wo gebaut werden darf. Es ist sicher müßig darüber zu streiten, welches Vorgehen besser ist. Beide Verfahren haben ihre Vor- und Nachteile, und die Entscheidung ist in Schondorf nun mal gefallen.
Ich persönlich finde es übrigens gut, dass die Gemeinde hier auf klare Vorgaben setzt. Wir sollten selbst entscheiden, wie unser Ort in Zukunft aussehen soll.

Bebauungsplan ja, aber ...

Mit der Entscheidung vom 9. August hat der Gemeinderat nun aber eine seltsame Mischform aus vorgegebenem Plan und Wettbewerb geschaffen. Es gibt zwar einen Bebauungsplan, aber den interessierten Investoren wird zugesichert, dass auch davon abweichende Entwürfe im Wettbewerb berücksichtigt werden: "Solange sich die Bebauungsvorschläge an die grundsätzliche Festlegung des Bebauungsplanentwurfs halten ... werden sie gleichberechtigt in die Auswertung aufgenommen."
Wie schon eingangs gesagt: Je mehr ich über diese Entscheidung nachdenke, desto seltsamer finde ich sie.
Normalerweise ist ja ein Bebauungsplan eine ziemlich strikte Vorgabe, und um Befreiungen von den Festsetzungen wird im Einzelfall heftig gerungen. Beim Prixgelände wird nun schon im Vorfeld signalisiert, dass man hier großzügig sein will. Das klingt für mich so ähnlich wie: Liebe Immobilieninvestoren, wir haben zwar einen Bebauungsplan, aber das müsst ihr nicht so eng sehen.

Zwei-Klassen-Baurecht

Ich frage mich, ob das nun in anderen Ortsbereichen von Schondorf auch so gehandhabt wird. Auch für das Gebiet Am Griesfeld wird ja gerade ein Bebauungsplan erstellt. Wird man den Bauherren dort ebenso großzügig entgegenkommen, oder entsteht hier ein Zwei-Klassen-Baurecht? Wird Großinvestoren in vorauseilendem Gehorsam eine flexible Auslegung zugesichert, während der normale Häuslebauer um eine etwas größere Terrasse oder Dachgaube zäh kämpfen muß?
Ich selber bin in Fragen des Baurechts ein Laie. Ich würde mich ehrlich freuen, wenn Leser, die etwas von der Sache verstehen, mir das erklären könnten.
Sind meine Bedenken berechtigt oder unbegründet?

8/20/2017

Ubuntu in Schondorf

Es ist schon erstaunlich, wie man aneinander vorbeireden kann. Barbara Deubzer von "Wir – Kinder der Erde" erzählte mir neulich, dass am 1. September im Yoveda in Schondorf ein Ubuntu-Kurs stattfindet. Ubuntu kenne ich als populäre Variante des Betriebssystems Linux, das vor allem für Anwendungen im Bereich des Internet-der-Dinge (IoT) eingesetzt wird. Ein Computerkurs im Yoga-Zentrum?

Ubuntu, Wir - Kinder der Erde
Photo © Wir - Kinder der Erde

Mit allem verwoben sein

Nein, am 1. September geht es natürlich nicht um Linux und Software. Das denken nur Leute, die so computerfixiert sind wie ich. Andere wissen, dass Ubuntu eine afrikanische Philosophie ist, die sich um Menschlichkeit und Nächstenliebe dreht. Das Wort bedeutet soviel wie „mit allem verwoben zu sein“ und der Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat es einmal so definiert: „Ich bin, weil wir sind und weil wir sind, deshalb bin ich.“

Von Südafrika zum Ammersee

Nun entstehen bei uns ja oft recht eigene Interpretationen von außereuropäischen Lebenslehren. Manchmal haben sie mit dem ursprünglichen Gedankengut nicht mehr viel gemeinsam und verkommen zu esoterischen Gymnastikübungen. Um das zu verhindern holen die Veranstalter deshalb einen Mann an den Ammersee, der mit Ubuntu aufgewachsen ist und diese Philosophie auch tatsächlich lebt.
Der Südafrikaner Sicelo Cabangani Mbatha ist der Gründer von Umkhiwane Ecotours. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen das Wissen und das Naturverständnis seiner alten Kultur zu vermitteln. Übrigens nicht nur sinnsuchenden Westeuropäern, sondern auch der Jugend seiner Heimat.

Individuum und Gemeinschaft

Wer sich einmal über Ubuntu informieren möchte, kann sich am Freitag, 1. September um 18:00 Uhr den Vortrag von Sicelo Mbatha im Yoveda Schondorf anhören. Hier wird er erklären, wie Ubuntu aus dem Bewußtsein entspringt, dass man selbst Teil eines Ganzen und der Natur ist. Daraus entsteht ein selbstverständliches Teilen mit allem Lebendigen, mit Menschen, Tieren und Pflanzen. Daraus ergibt sich auch, dass die eigene Persönlichkeit und die Gemeinschaft in enger Beziehung zueinander stehen. Ubuntu enthält also durchaus auch politische Aspekte.

Übergangsrituale und Naturwissen

Wer tiefer einsteigen möchte, für den bietet "Wir – Kinder der Erde" am folgenden Samstag und Sonntag einen zweitägigen Workshop auf der Schatzbergalm bei Dießen. Hier geht es vor allem um Naturwissen und Übergangsrituale.
In unserer westlichen Welt sind wir fließende Übergänge zwischen den Lebensabschnitten gewohnt, z.B. von der Jugend zum Erwachsenen. Im Ubuntu dagegen grenzen Rituale diese Lebensphasen ab und helfen, bewusst die Veränderung wahrzunehmen und anzunehmen.
Ein weiterer Aspekt wird die Bedeutung der Ältesten sein. Welche Eigenschaften haben die Ältesten, damit sie der Gemeinschaft als Lehrer und Wegweiser dienen können? Eine spannende Frage für eine Gesellschaft, in welcher sich die Ältesten gemeinhin als rüstige Junggebliebene präsentieren müssen. 

Ubuntu – das Netz des Lebens

1. - 3. 9. 2017
Yoveda Yoga & Seminarzentrum
Bahnhofstrasse 24
Schondorf am Ammersee
Anmeldung über www.kinder-der-erde.de




8/16/2017

Wie geht's dem Aal?

Der Aal, das ist der Spitzname für einen geplanten Gebäuderiegel im ehemaligen Prix-Gelände. Weil es kein gerader Riegel, sondern ein geschwungener Baukörper ist, haben ihn die Architekten VonMeierMohr in ihrer Planung den Aal genannt, und der Name hat sich inzwischen eingebürgert. 
Über die Fortschritte bei der Bebauung des ehemaligen Prix-Gelöändes in Schondorf habe ich schon länger nichts geschrieben. Die alten Fabrikshallen sind abgerissen, die Aufräumarbeiten gehen voran, aber sonst gab es wenig zu berichten. Jetzt informiert die Gemeinde Schondorf bei einer Veranstaltung über die Fortschritte beim Bebauungsplan.

Das ehemalige Werksgelände der Firma Prix am Ammersee

Bezahlbares Wohnen am Amersee

Die Gemeinde hat das ehemalige Werksgelände der Firma Prix gekauft, um hier Wohnungen zu errichten. Dabei sollen drei Ziele erreicht werden. Erstens soll zumindest auf einem Teil des Areals bezahlbarer Wohnraum entstehen, um ein bisschen den Preisdruck aus dem Immobilienmarkt zu nehmen. Zweitens soll die Bebauung zum Ortsbild passen, und schließlich möchte die Gemeinde bei dem Geschäft mit einer "schwarzen Null" aussteigen. 

Informationsveranstaltung "Prix-Gelände"

30. Mai 2017, 19:00 Uhr
Aula der Grundschule, Schulstrasse 13
Schondorf am Ammersee

Kreuz und quer um den Ammersee

Ein ganz besonderer Programmpunkt des Klassik-Festivals Ammerseerenade ist der Kapellentag am 27. August. Da wird in 23 Kirchen und Kapellen rund um den Ammersee musiziert. Dreiundzwanzig! Wie soll man das denn schaffen?

Porsche im Sprung
Photo © filedump via Flickr

Vollgas zu den Konzerten

Man könnte mit Vollgas kreuz und quer um den Ammersees rasen (was wir natürlich nicht tun), und würde trotzdem einige interessante Konzerte verpassen.
Die Auswahl fällt wirklich schwer. Zum Einen sind schon die Spielorte etwas Besonderes. Neben einigen kleinen Kirchen sind das viele Kapellen, die man sonst schwer oder gar nicht sehen kann.
Zum Beispiel die Privatkapelle vom Tonihof in Dießen. Deren Marienglocke kommt übrigens von der berühmten Gießerei Grassmayr aus meiner Heimatstadt Innsbruck. Hier werden die Raistinger Klarinettenmadl musizieren.
Normalerweise auch nicht frei zugänglich ist St. Franziskus im Windacher Ortsteil Steinebach. In der Kapelle stehen Figuren von Peter und Paul, die angeblich vom Landsberger Barockbildhauer Lorenz Luidl stammen. Hier spielen am Kapellentag Christine Story (Sopran) und Jürgen Geiger Lieder von Robert Schumann.

Der verschwundene Ort

Ein weiterer sonst verschlossener Spielort ist die Hofkapelle Maria Schnee in Aidenried. Der Legende nach stammt der Altartisch aus der Nikolauskirche des verschwundenen Ortes Ramsee. Ramsee war ein kleiner Weiler zwischen Wartaweil und Andechs. Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Ort vollständig abgebrannt, und heute ist dort nur noch Wald. Der Altartisch wurde aber angeblich nach Aidenried gebracht und etwas verkleinert, damit er in die Kapelle Maria Schnee passte. Beim Kapellentag gibt es hier um 13:00 Uhr Klaviermusik mit Cedric Arnold.

Reiche musikalische Auswahl

Nicht nur die Spielorte sind ausgesprochen vielfältig, sondern auch die musikalische Auswahl. Das Quintett mit dem schönen Namen Zwiderwurzn spielt in der Kapelle der Wirtschaft Wangerbauer altbayerische Tanzmusi. In der Kapelle Maria Einsiedel in Dettenschwang kann man das Dresdner Männerchorensemble echo hören, das sonst deutlich größere Hallen füllt.
Gespannt sein darf man auch auf das Konzert des jungen russischen Klaviertalents Sergei Davidchenko. Er hat bereits eine Reihe internationaler Wettbewerbe für junge Pianisten gewonnen, und vele sehen in ihm einen der kommenden Stars am Klavier. Er spielt in der Friedenskirche in Dießen.

Vier Routen der Ammerseerenade

Wie gesagt, an diesem Tag ist viel zu viel los, um alles hören und sehen zu können. Anstatt nun hektisch von einem Ort zum nächsten zu rasen, kann man es auch gemütlicher angehen. Die Ammerseerenade hat vier Routen für den Kapellentag organisiert. Auf diesen kann man gemütlich jeweils fünf bis sechs Konzerte im Umkreis weniger Kilometer besuchen.
Vielleicht hört man dann nicht alles was man wollte, macht dafür aber neue Entdeckungen. 

Ammerseerenade Kapellentag

27. August 2017
Verschiedene Spielorte rund um den Ammersee
www.ammerseerenade.de/home/tag-der-haus-und-hofkapellen

8/13/2017

Zu Prix sage ich nix

Was Architektur angeht, bin ich ein Laie. Das wird mir jedesmal klar, wenn ich vor einer Planzeichnung oder einem Modell stehe. Zur geplanten Bebauung des Prix-Geländes in Schondorf sage ich deshalb besser nichts. Ich mache mir nur ein paar Gedanken zum Ablauf der Planung.

Modell für Wohnbebauung am Ammersee
Eines der vom Wessobrunner Kreis präsentierten Modelle

Bebauungsplan und Alternativen

Für die Bebauung des ehemaligen Fabrikgeländes zwischen Bahn und Schulstraße hat die Gemeinde Schondorf den Entwurf eines Bebauungsplans erstellt (Link zum Entwurf). Dieser wurde im Gemeinderat nach vielfachen Erörterungen angenommen, und dient nun als Grundlage für den anstehenden Investorenwettbewerb. Ende Juli wurde aber die Diskussion um diesen Plan neu angestoßen.

Architekt & Investor

Unter dem Titel "Ziemlich beste Siedlung" präsentierte der Wessobrunner Kreis eigene Vorschläge für die Bebauung. Diese waren von Studenten der Hochschule Augsburg erstellt worden (siehe Visionen für den Wohnungsbau). "Solche Klötzchen-Modelle geben dem Laien leider einen völlig falschen Eindruck," erklärte mir ein Freund.  Recht hat er. Mich erinnerten die Modelle eher an Neuperlach als an den Ammersee, aber Architekten sehen das vielleicht anders.
Der Wessobrunner Kreis ist ein Verein von gut 130 Architekten und Architekturinteressierten, der sich für die Baukultur einsetzt. Anscheinend hatte der Verein in der Vergangenheit mehrfach versucht, die Gemeinde Schondorf von einem Kombiwettbewerb „Architekt&Investor“ zu überzeugen, dessen Ergebnisse von einer Fachjury bewertet werden sollten. Darauf habe die Gemeinde nicht reagiert, weshalb man nun mit der "Ziemlich besten Siedlung" an die Öffentlichkeit gegangen sei.

Wieviel Freiheit für die Investoren?

Jedenfalls war diese Präsentation Anlass, dass sich der Schondorfer Gemeinderat am 9. August erneut mit der Bebauungsplanung beschäftigte. Die Frage war, wieviel Spielraum den interessierten Investoren bei der Gestaltung gegeben werden sollte. Dabei gab es, quer durch die Parteilinien, zwei gegensätzliche Ansichten.
Manche Gemeinderäte möchten den vorliegenden Entwurf nur als lose Richtschnur sehen. Wenn man von vorneherein starr auf dem eigenen Plan beharrt, dann würden alternative, vielleicht bessere Vorschläge gar nicht erst in den Wettbewerb kommen. Investoren, die das Gelände nach eigenen Ideen bebauen wollen, würden abgeschreckt. So würden sich auch weniger Interessenten an dem Wettbewerb beteiligen, und die mangelnde Konkurrenz könnte am Ende zu einem schlechteren Ergebnis für die Gemeinde führen.

Ins Schondorfer Ortsbild einfügen

Demgegenüber pochen andere Gemeinderäte auf eine Einhaltung des vorliegenden Entwurfs. Gerade deshalb habe man diesen schließlich erstellen lassen, um architektonischem Wildwuchs vorzubeugen. Ein Investor habe nun einmal grundsätzlich das Interesse, den vorhandenen Platz maximal auszunutzen. Die Vorgaben des Plans dagegen sollen für eine nicht zu dichte Bebauung sorgen, die sich in das Ortsbild einfügt.
Am Ende einigte sich der Gemeinderat auf einen Kompromiss. Abweichungen vom Bebauungsplan sollen im Wettbewerb möglich sein, aber nur in engem Rahmen. Die interessierten Investoren müssen sich an die grundsätzlichen Festlegungen halten, also an die vorgegebene Geschoßanzahl, Dachneigung, die maximalen Wohneinheiten, das Maß der baulichen Nutzung, etc.
Ich bin mal gespannt, mit welchen Ideen die potenziellen Bauträger nun aufwarten werden.

8/12/2017

Visionen für den Wohnungsbau

An der Bebauung des ehemaligen Industriegeländes der Firma Prix in Schondorf wird ja nun schon recht lange geplant. Das Konzept wurde im Gemeinderat mehrfach diskutiert, und die grundsätzliche Aufteilung beschlossen. Jetzt meldet sich der Wessobrunner Kreis zu Wort, und präsentiert Ideen für das Areal, die von Studierenden der Hochschule Augsburg entwickelt wurden.
(Aktualisierung 12. 8.: Mathias Rathke vom Wessobrunner Kreis hat einen ausführlichen Kommentar zu diesem Beitrag geschrieben. Dieser ist unten an den Text angehängt.)

Prixgelände in Schondorf
Das Prixgelände: Eine riesige Sandkiste für Architekten

Ziemlich beste Siedlung

Unter dem Titel "Ziemlich beste Siedlung" haben sich Studenten der Hochschule Augsburg Gedanken über die Bebauung des Geländes nahe dem Schondorfer Bahnhof gemacht. Diese Konzepte werden am Donnerstag, 27. Juli in Schondorf präsentiert. (Natürlich genau dann, wenn ich nicht da bin. Das ist sicher ein Komplott.)
Professor Rommel, der das Projekt leitete, stellt die Entwürfe vor. Anschließend diskutiert er mit Bürgermeister Herrmann, dem Architekten Sebastian Dellinger (Beer Bembé Dellinger) und Regierungsbaumeister Christoph Schreyer.

Diskussion ohne die Planer

Ich bin etwas überrascht, dass das Schondorfer Architekturbüro VonMeierMohr nicht mit dabei ist. Die Architekten arbeiten seit 2013 zusammen mit der Gemeinde an den Plänen für das Prixgelände. Sie hätten aus ihrer Erfahrung sicher interessante Aspekte beitragen und erklären können, wie sie ihr Konzept entwickelt haben. Das Projekt ist ja nicht ganz einfach.

Schwierige Rahmenbedingungen

Es geht nicht darum, einfach etwas "Hübsches" hinzustellen, sondern es müssen schwierige Rahmenbedingungen gelöst werden. Der Lärmschutz Richtung Osten zur Bahnlinie und zur Staatsstrasse ist eine Herausforderung. Planerisch schwierig ist auch die Verkehrsanbindung über die schmale Schulstrasse und den Bahnübergang, speziell weil hier auch die Deutsche Bahn ein Wörtchen mitzureden hat. Außerdem muss auf die Kosten geachtet werden. Mindestens ein Drittel soll bezahlbarer Wohnraum für Einheimische werden, damit sich auch Normalverdiener eine Wohnung am Ammersee leisten können. Natürlich soll sich die Bebauung möglichst ins Ortsbild einfügen, und schließlich will die Gemeinde bei dem ganzen Projekt mit einer schwarzen Null aussteigen.
Wie gesagt, da hätten die Planer Helgo von Meier und Stefan Mohr sicher aufschlussreiche Einblicke geben können.

Frische Ideen zu einem späten Zeitpunkt

Prinzipiell bin ich immer neugierig auf innovative Konzepte in der Architektur. Allerdings wundere ich mich hier über den Zeitpunkt der Präsentation. Die jetzige Planung ist nach vielen Sitzungen und etlichen Änderungen vom Gemeinderat abgesegnet. In Kürze soll die Ausschreibung für den Investorenwettbewerb veröffentlicht werden. Um jetzt die angekündigten "Alternativen zum Bebauungsplan" einzubringen, müsste man die Planung um etwa zwei Jahre zurückdrehen. Und das will in Schondorf vermutlich niemand.
Ich freue mich trotzdem auf die frischen Ideen der Augsburger Studenten, auch wenn sie für das Prixgelände wahrscheinlich etwas zu spät kommen.

Ziemlich beste Siedlung

Alternativen zum Bebauungsplan Prixgelände
27. 7. 2017, 19:00 Uhr
VR Bank Schondorf
Bahnhofstrasse 25
Schondorf am Ammersee

Kommentar von Mathias Rathke vom 12. August

(Wegen technischer Probleme konnten diese Anmerkungen nicht als Kommentar veröffentlicht werden. Ich habe sie deshalb wörtlich hier eingefügt.)

Mathias Rathke, 2. Vorsitzender des Wessobrunner Kreis: "Einige Punkte würde ich zu Ihrem Blog gerne ergänzen damit die Sicht vollständig wird.
Punkt 1: Diskussion ohne die Planer
Unsere Ausstellung handelte nicht vom Bebauungsplan. Es ging, wie der Titel des Plakates ausdrückt „Ziemlich beste Siedlung – Alternative zum Bebauungsplan“ um ein grundsätzlich anderes Verfahren.
Über den Bebauungsplan wurde von unserer Seite daher während der Veranstaltung kein Wort verloren. Die Architekten VonMaierMohr waren daher auch nicht in der Diskussionsrunde vorgesehen, sondern nur der Verantwortliche der Gemeinde, Herr Bürgermeister Herrmann.
Die Architekten waren natürlich auf anderem Wege persönlich zur Veranstaltung eingeladen, da sie beide Mitglieder des Wessobrunner Kreises sind und über Einladungen und Protokolle von allen unseren Beiratssitzungen Kenntnis haben.
Da Bürgermeister Herrmann unsere Einladung ausgeschlagen hat, der Fall für ihn erledigt ist, wie er uns sagte, habe ich die anwesenden Vertreter von Gemeinde und Planung Vorort eingeladen auf dem Podium an der Diskussion teil zu nehmen. Herr Mohr konnte sich nicht dazu entscheiden, „aufschlussreiche Einblicke“ zum Verfahren, wie Sie es in Ihrem Blog nennen, beizutragen.

Punkt 2: Frische Ideen zu einem späten Zeitpunkt
Zur Chronologie:
Vor 11 Jahren:
In der Ausstellung befindet sich ein städtebaulicher Entwurf mit Modell des Wessobrunner Kreis – Mitgliedes Sunder-Plassmann das vor 11 Jahren erstellt und der Gemeinde präsentiert wurde.
Die letzten 3 Jahre stand dieses Modell bei der Gemeinde – im Zimmer des Bürgermeisters.
Vor 3 Jahren:
Ich habe an die Gemeinde geschrieben, dass, angesichts der gewaltigen planerischen Aufgabe, der Wessobrunner Kreis mit seinen 132 Mitgliedern aus Architekten, Stadtplanern, Innenarchitekten, Landschaftsplanern und Handwerkern der Gemeinde beratend zur Seite stehen würde. Man hätte dort Erfahren können wie ein derartiges Verfahren sach- und fachgerecht bewältigt wird. Auf dieses Schreiben haben wir nie eine Antwort erhalten.
Die Architekten Lüps und Bürger, als Vertreter des Wessobrunner Kreises, hatten einen Termin beim Bürgermeister. Sie haben vorgeschlagen, zur Wahrung der gestalterischen Qualität, eine Fachjury zu gründen und einen Ideenwettbewerb aus zu loben.
Die Bemühungen blieben ohne Erfolg.

Vor 2,5 Jahren:
In einer Versammlung des Bundes der Selbstständigen, an der auch der Bürgermeister anwesend war, habe ich gefragt, warum man nicht externen Sachverstand zur Lösung der Aufgabe heranzieht. Antwort: wir schaffen das schon

Vor 1,5 Jahren:
Die Hochschule Augsburg hat mit Studenten das Prix-Gelände im Rahmen eines städtebaulichen Entwurfs überplant. Die planerischen Grundlageninformationen stammten von der Gemeinde. Nach Abschluss des Semesters wurde von Herrn Prof. Rommel angezeigt, dass man die Arbeiten in Schondorf ausstellen könnte. Auch hier: keine Antwort der Gemeinde.

Vor 1 Monat:
In der letzten Bürgerversammlung zum Bebauungsplan habe ich erneut gefragt wie man, neben allen juristischen- und sozialverträglichen Fragen sichern will, dass am Ende eine gestalterisch wertvolle, d.h. „schöne“ Siedlung entsteht.
Antwort : Erfahrungen hätten gezeigt, dass eine Jury aus Fachleuten nachweislich nicht zu besseren Ergebnissen führt. Die Gemeinde könne das auch so.

Wie sie sehen, gab es langjährige Bemühungen des Wessobrunner Kreises die Gemeinde von einem alternativen Verfahren zu überzeugen bei dem die Gestaltung im Vordergrund des Planungsprozesses steht. Denn in einigen Jahren werden wir und die Folge-generationen nur noch über das reden, was sichtbar vor uns steht – und das sollte ansehnlich sein. Unsere Bemühungen waren leider allesamt erfolglos.
Der Ausschreibung zum Investorenwettbewerb ist zu entnehmen, dass der gebotene Kaufpreis zu 55 % gewichtet wird und lediglich 25 % die Gestaltung der Siedlung, was unsere Bedenken bestätigt.
Daher haben wir beschlossen, bevor die Bagger rollen, in einer eigenen Veranstaltung an die Öffentlichkeit zu gehen.
Ich möchte hier nochmals darauf hinweisen, dass der Wessobrunner Kreis nicht gegen den Gemeinderat ist sondern für eine qualitätvolle Siedlung. Das wird von einigen offensichtlich nicht richtig verstanden.

Was fordern wir vom Wessobrunner Kreises seit Jahren:
1 – der Schwerpunkt bei der Wohnbebauung Prixgelände muss auf der städtebaulichen und architektonischen Gestaltung liegen. Hierzu ist ein städtebaulicher Ideenwettbewerb notwendig bei dem Entwerfer inkl. Investoren ihre Vorschläge einreichen können.
Im Anschluss daran kann aus dem Gewinnerentwurf ein Bebauungsplan erstellt werden.
2 – Der Verkaufspreis für das Gelände muss fixiert werden und von der Gestaltung entkoppelt werden – sonst wird der Verdacht im Raume stehen bleiben, dass derjenige den Zuschlag erhält der das höchste Preisangebot abgegeben hat.
3 – es muss eine unabhängige Fach-Jury aus Architekten, Städtebauern und Landschaftsplanern eingesetzt werden die über die Qualität der Gestaltung wachen.
"

8/09/2017

Vollgas im Landheim

Die Ammerseerenade, das Klassikfestival am Ammersee, hatte letzten Sonntag einen fulminanten Start mit einem Konzert im Landheim Schondorf. Der italienische Violinist Alessandro Quarta und Double Drums aus München gaben richtig Vollgas.

Alessandro Quarta im Landheim Schondorf am Ammersee

Tango mit Alessandro Quarta

Es ist schon Tradition, dass der Auftakt zur Ammerseerenade ein Picknick-Konzert im Landheim Schondorf ist. Heuer spielte das Wetter leider nicht mit. Statt mit Picknickkörben auf Decken im Rasen zu sitzen, mussten die Zuhörer in die Schulaula ausweichen. Wirklich schade, denn Alessandro Quarta und seine Band wären praktisch die Idealbesetzung für das Picknickkonzert gewesen.
Das italienische Quintett präsentierte ein Programm rund um die Tango-Kompositionen von Astor Piazzolla. Das ist durchaus passend, denn Piazzollas Eltern stammten aus Italien. Quarta holte aus seiner Guadagnini-Geige die ganze Bandbreite des Tangos heraus. Die Musik ging von zart schmelzend über beschwingt bis zu temporeich rockig. Der Violinist scheute sich dabei nicht, die verschiedenen Stimmungslagen mit vollem Körpereinsatz zu unterstreichen.
Wie das klingt und aussieht kann man sich auf YouTube ansehen: https://youtu.be/8AZlJ2Wxj00

Double Drums im Landheim Schondorf am Ammersee

Schlagzeug an der Stehleiter

Davor hatten schon Double Drums die Schulaula zum Kochen gebracht. Die Münchner Percussionisten Alexander Glöggler und Philipp Jungk sind nicht nur Virtuosen an den konventionellen Schlagwerkzeugen. In ihren Bühnenauftritt packen sie alles, worauf sich trommeln lässt. Das geht von Umzugskartons über Farbeimer bis zu Stehleitern. 
Ein Stück wurde komplett mit "Instrumenten" aus dem Baumarkt gespielt. Selbst ganz ohne Trommeln können die beiden begeistern. Zum Playback vom Tonband lieferten sie eine hinreißend präzise, pantomimische Drum Battle. Einen kleinen Eindruck von dem Können und dem Spielwitz der beiden bekommt man auf YouTube: https://youtu.be/9tnZnhxtlnA

Spitzenmusiker am Ammersee

Es ist wirklich erstaunlich, welche hochkarätigen Künstler die Macher der Ammerseerenade an den Ammersee locken. Alessandro Quarta hatte im Mai noch im Münchner Gasteig gespielt, Double Drums starten im Oktober ihre nächste China Tour, und dazwischen kommen diese Musiker zum Konzertpicknick in unseren beschaulichen Ort.
Dieses Picknickkonzert ist ja traditionell der Appetitanreger für die eigentliche Ammerseerenade, die Ende August beginnt. Auch hier ist das Programm reichlich mit Stars gespickt. Unter anderem kommen das Janoska Ensemble, die taiwanesische Sopranistin Szu-Yun Cheng, und die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg an den Ammersee. Das ganze Konzertprogramm gibt es hier: http://www.ammerseerenade.de/home/konzerte/

Musik in Kapellen und im Kuhstall

Daneben gibt es noch zwei sehr interessante Sonderreihen. Beim Kapellentag am 27. August gibt es Musik in 23 Kirchlein und Privatkapellen. Man kann sich seinen ganz persönlichen Kapellentag zusammenstellen, oder einer von vier Routen um den Ammersee folgen.
http://www.ammerseerenade.de/home/tag-der-haus-und-hofkapellen/

Bei Musik & Kunst treten, wie der Name ankündigt, Musiker und Künstler in einen Dialog. Im ehemaligen Viehstall von Gut Achselschwang werden Hans Jürgen Westphal, Jukka Rusanen und Karol Michalski die Klänge der Musik in Bilder und Objekte übersetzen. Sozusagen Mussorgski's "Bilder einer Ausstellung" anders herum.
Wer das einmal selbst ausprobieren möchte, für den bietet der Maler Karol Michalski während der Ammerseerenade einen täglichen Workshop im Gut Achselschwang.
http://www.ammerseerenade.de/home/musik-kunst/

Ammerseerenade 2017

26. August bis 2. September 2017
Verschiedene Spielorte rund um den Ammersee
www.ammerseerenade.de

8/06/2017

Sammersee ist mehr

Auf einem Open Air Festival erwartet man gute Musik, viel Spaß und nette Leute. Das Sammersee im Juli 2017 hatte alles das, aber eben auch noch mehr. Neben dem Vergnügen gab es auch ernsthafte  Informationen über soziale Projekte.

Der Blogger versucht eine Pumpe zu bauen.
Michael Deininger guckt besorgt.

Spaß und soziale Verantwortung

Das Sammersee Festival am Ammersee hat eine ganz eigene Mischung aus guter Laune und sozialer Verantwortung. Beispielsweise werden die Drucksachen CO2-neutral hergestellt und die T-Shirts stammen aus fairem Handel. Die vorbildliche Barrierefreiheit des Festivals wurde schon mit dem Teilhabepreis der Caritas ausgezeichnet.
Die Gewinne werden jedes Jahr komplett an gemeinnützige Organisationen gespendet. Heuer ist einer der Empfänger die Organisation Lands Aid. Lands Aid will mit dem gesammelten Geld in Kibaale, Uganda neue Schulen bauen. Stilecht wurde auf dem Festival das Projekt in einem Mini-Klassenzimmer vorgestellt. Der Verein Ammersee Gemeinsam, der ebenfalls unterstützt wird, war auch mit einem Infostand vertreten, und die Firma Good Boards bedruckte T-Shirts – natürlich für den guten Zweck.

Wasserpumpen für Puerto Leguizamo

Ganz konkret wurde das aktuelle Projekt der Schondorfer Klimapartnerschaft mit dem kolumbianischen Puerto Leguizamo präsentiert. THW-Mitarbeiter und Gemeinderat Michael Deininger zeigte, wie mit einfachen Mitteln Pumpen für die Trinkwasserversorgung gebaut werden.
Ich war ehrlich beeindruckt von dem cleveren Low-Tech dieser Pumpen: Ein aus Baustahl zusammengeschweißter Bohrkopf, handelsübliche Plastikrohre, eine Glasmurmel als Rückschlagventil und alte Plastiktüten als Dichtmaterial. Spezialwerkzeug braucht es nicht, nur Säge, Feile und Gasbrenner. Ich durfte es unter Anleitung selber probieren und es war gar nicht so schwierig, das Pumpenventil zusammenzubauen.

Gute Laune am Ammersee

Erfreulich war, dass sehr viele Festivalbesucher die Gelegenheit nutzten, sich über soziale Projekte zu informieren. An den Infostände herrschte immer viel Betrieb. Das lag sicher auch daran, dass das Open Air am Ammersee heuer so gut besucht war wie noch nie. Kein Wunder, denn zum ersten Mal gingen beide Tage bei hochsommerlichen Temperaturen und ohne Regen über die Bühne. Die Musik passte wieder hervorragend zur sommerlich entspannten Stimmung. Ich kann den Organisatoren zur Auswahl der Bands nur gratulieren.
Auch das neue Gastronomiekonzept hat mir sehr gut gefallen. Statt einer langen Warteschlange an der zentralen Ausgabe, gab es heuer mehrere Anlaufpunkte zur körperlichen Stärkung. Da ließ ich mich gerne hier zu einem Fischsalat, da zu einer Currywurst und dort zu einem Espresso verführen.

Zulu und Malik

Zwei der auftretenden Bands waren davor nicht auf meinem Radar, das waren echte Festival-Entdeckungen. Zum einen ist das Zulu aus Würzburg. Sie trafen einfach den perfekten Sound für die Seebühne, so als hätten sie ihre Songs extra für den Ammersee komponiert: https://soundcloud.com/thisiszulu
Die andere Entdeckung war Malik. Von seinem Gig hörte ich leider nur das Ende, was aber reichte, um mich zu begeistern. Leider finde ich im Internet nicht den kleinsten Soundschnipsel von ihm. Schade, aber vielleicht hat ja jemand einen Tip für mich.

Photos vom Sammersee 2017

Hier noch ein paar Schnappschüsse vom Sammersee. Eine sehr umfangreiche Photogalerie gibt es auf der offiziellen Website: http://sammersee-festival.de/bilder/

The Vibesbuilder
Flying Penguin rocken das Sammersee
Das Klassenzimmer von Lands Aid
Dr. Mario Milchbranntweinstädter war
wohl auch auf dem Sammersee
Alle sind glücklich, auch die Hunde
















8/02/2017

Bayern und Nigeria

Auf der Kunstausstellung Documenta 14 in Kassel habe ich eine interessante Entdeckung gemacht. Der nigerianische Künstler Emeka Ogboh fragte in Deutschland lebende Landsleute, was sie denn aus der Heimat vermissen. Die Antwort könnte gerade so gut von im Ausland lebenden Bayern kommen: “A gscheit’s Bier.”
Bier Sufferhead von Emeka Ogboh
Das Bier Sufferhead

Sufferhead – Leidender Kopf

Der nach den puristischen Gesetzen des Reinheitsgebotes hergestellte Saft schmeckt den Nigerianern etwas zu dünn. Für die Documenta hat Ogboh deshalb extra ein Bier gebraut, das – im Rahmen der Möglichkeiten der deutschen Lebensmittelverordnung – dem Geschmack der Westafrikaner näher kommt.  
Sufferhead ist ein kräftig malziges Stout, angereichert mit ein paar Chiliflocken. Schmeckt gar nicht schlecht, aber nach ein paar Gläsern weiß man vermutlich, woher der Name "Leidender Kopf” kommt. Der Katalog zur Documenta streitet das ab und behauptet, Sufferhead beziehe sich auf eine Platte des Afrobeat-Stars Fela Kuti.
Ich trinke aber trotzdem lieber ein gepflegtes Helles und hebe mein Glas auf die völkerverbindende Kraft des Bieres.

Documenta 14 in fünf Bildern

Was es sonst noch auf der Documenta 14 zu sehen gibt, ist ja schon in unzähligen Zeitungsberichten und Fernsehbeiträgen gezeigt worden. Von mir deshalb nur ein Kurzrundgang in fünf Bildern.

Aufrufe an die Bürger

Dmitri Aleksanych Prigow auf der Documenta

Für seine "Aufrufe an die Bürger" wurde Dmitri Aleksanych Prigow in der Sowjetunion in eine psychiatrische Anstalt eingesperrt. Für die heurige Documenta hat er sich neue Aufrufe einfallen lassen. Manchmal sind diese gefährlich nahe an den kitschigen Lebensweisheiten, die auf Facebook so populär sind. Die meisten aber sind mehr Herausforderung als billiger Trost, und alleine schon das einleitende "Bürger!" gibt ihnen ein wohltuendes Augenzwinkern.

Eirene

Bemalte Eirene Statue in der Kasseler Karlsaue
Kunst oder Vandalismus? Vermutlich ist das kein Original Documenta Kunstwerk, zumindest war kein Schild dran. Nur mit einem Topf Farbe wurde aus der klassizistischen Statue in der Karlsaue ein Kommentar zum Konflikt zwischen Erster und Dritter Welt. Die Friedensgöttin Eirene soll auch einen schwarzen Plutos nähren, der Gaben und Wohlstand bringt.

Kunst im Tunnel

Kulturbahnhof auf der Documenta 14

Die Macher der Documenta freuen sich sichtlich daran, auch ein paar großstädtisch-abgefuckte Ausstellungsorte zu haben. Hier der aufgelassene Bahnsteig unter dem Kasseler Hauptbahnhof. Wer Lust hat, kann sich dort eine 14-Kanal Videoinstallation von Michel Auder ansehen. Spannender fand ich den Ausgang entlang der rostigen Geleise, hinaus ins Licht. 

Verhüllung einmal anders

Ibrahim Mahama auf der Documenta 14

Erstaunlich, dass sich nach Christo noch ein Künstler traut, Gebäude zu verhüllen. Die Installation von Ibrahim Mahama aus Ghana ist aber eher eine Ent- als Verhüllung. Die zusammengenähten Jutesäcke auf der Kasseler Torwache erzählen eine Geschichte des globalen Handels, wie der Besitz der einen aus der Enteignung der anderen entsteht. 

Shakespeare remixed

Roee Rosen auf der Documenta 14
In der Kasseler Grimmwelt hat der israelische Künstler Roee Rosen Shakespeare's "Kaufmann von Venedig" bearbeitet. Dem Original ist ein Prolog und ein paraller Text aus der Perspektive des Juden Shylock hinzugefügt. Die Blätter sind mit manchmal ergänzenden, manchmal widersprüchlichen Zeichnungen illustriert. Ich fand diese Auseinandersetzung mit der identitätsstiftenden und -vergiftenden Macht der Erzählung beklemmend und faszinierend. 



7/30/2017

Stadtradeln ein voller Erfolg

Für mich persönlich war das Stadtradeln 2017 ein wirklicher Erfolg. Kurz zur Erinnerung: Bei dieser bundesweiten Aktion geht es darum, innerhalb von drei Wochen möglichst oft auf das Auto zu verzichten, und stattdessen mit dem Rad zu fahren. Am Ammersee fand das Stadtradeln heuer vom 25. Juni bis 15. Juli statt.
Stadtradeln vom Ammersee nach Grafrath
Mit das Schönste am Radfahren: Die Kaffeepause.

Es kommt nicht auf die Kilometer an

Der Erfolg war für mich aber nicht wieviel Strecke ich gemacht habe, sondern wie. Im Gegensatz zu den letzten Jahren, war es heuer nämlich ein fröhliches Gemeinschaftserlebnis.
Das begann schon beim Auftakt am 25. Juni mit der Sternfahrt nach Thaining. Das Wetter war zwar nicht gerade optimal (es goss aus Kübeln), aber unsere Schondorfer Organisatorin Barbara Freier verbreitete einen ansteckend Optimismus ("Das lässt gleich nach, ich sehe dass die Wolken aufreißen"). So kamen wir platschnaß aber fröhlich in Thaining an, wo wir ausgesprochen herzlich empfangen wurden.

Stadtradeln 2017 in Thaining
Die Stadtradler in Thaining

Buntes Programm in Thaining

Es gab Blasmusik zur Begrüßung, eine trockene Halle zum aufwärmen, und für Verpflegung war gesorgt. Die Thaininger zeigten uns stolz die in schönem Bauernbarock ausgestattete Wallfahrtskirche St. Wolfgang und das liebevoll restaurierte Rochlhaus. Außerdem wurde an diesem Tag der in Eigenregie aufgebaute Dorfladen eröffnet.
Es hätte sogar freien Eintritt ins Schwimmbad gegeben, aber die 70 Stadtradler aus dem ganzen Landkreis hatten bis dahin schon genug Wasser gesehen. Sehr nette Leute, die Thaininger. Und übrigens auch sehr tüchtige Stadtradler, die mit insgesamt 33.078 km bundesweit im Vorderfeld liegen.

Vom Ammersee nach Grafrath
Mit dem Fahrrad vom Ammersee nach Grafrath
Blick über das Ampermoos

Für den Rest des Stadtradelns konnten die Regenklamotten zum Glück im Schrank bleiben. Eine gemeinsame Ausfahrt ging von Schondorf durch den Wald bei Mauern nach Grafrath. Dort stärkte sich unsere Truppe bei Kaffee und Kuchen im sehr charmanten Cafe Bella Martha.
Auf dem Rückweg schauten wir uns noch den Naturbeobachtungsturm bei Kottgeisering an, wegen seiner originellen Form "Vogelturm" genannt.

Craft Bier und Tromposound

In der letzten Woche gab es noch eine gemütliche Feierabendtour nach Dießen. Das sind zwar nur 12 km, aber der Ausflug zog sich länger hin als gedacht. Im Craft Bräu spielte an dem Abend nämlich Tromposound (sicher extra wegen uns). Die Stimmung war prächtig und das Pale Ale schmeckte wunderbar süffig.
Die Rückfahrt dauerte deshalb deutlich länger als der Hinweg, und wir kamen erst spät in der Nacht nach Schondorf zurück.

Vorfreude auf 2018

Bei solchen gemeinsamen Ausflügen macht das Stadtradeln einfach mehr Spaß, als wenn man einsam Kilometer sammelt. Das zeigte sich dann letztlich auch in meiner Bilanz: Mit 203 km habe ich heuer immerhin ein gutes Drittel mehr geschafft als letztes Jahr (https://schondorf.blogspot.de/2016/10/wo-bin-ich-da-nur-hingeraten.html). Mein Team Velo et Vin liegt nicht unerwartet auf dem letzten Platz in Schondorf. Das passt zu unserem inoffiziellen Motto "Promille statt Kilometer".
An dieser Stelle bedanke ich mich noch einmal herzlich bei den Schondorfer Stadtradel-Organisatoren Barbara Freier und Herbert Thalhofer. Ich hoffe, sie stellen auch nächstes Jahr wieder so ein schönes Programm zusammen.

7/25/2017

Wissenschaft und Wirtschaft

(Auf Grund einiger Rückmeldungen habe ich diesen Beitrag vom 23. Juli aktualisiert. Die Änderungen sind kursiv hervorgehoben und in [Fußnoten] erklärt.)

"Mückenplage" ist ja aktuell ein heiß diskutiertes Thema am Ammersee. In diesem Zusammenhang stößt man immer wieder auf den Mückenforscher Dr. Norbert Becker, den wissenschaftlichen Direktor des Vereins KABS. Ich wurde nun auf Gerüchte angesprochen, Dr. Becker habe neben seinen wissenschaftlichen auch wirtschaftliche Interessen am Einsatz des Insektizides Bti [1]. Darum habe ich ein bisschen nachgeforscht, um mehr darüber zu erfahren. 


Überzeugungsarbeit für Bti

Das Werk von Valent BioSciences in Osage, USA
© Valent BioSciences Corp.
Dr. Becker setzt bei der Bekämpfung der Stechmücke auf das Bacillus thuringiensis israelensis (Bti). Er ist wissenschaftlicher Leiter der "Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V." (KABS). Diesem Verein gehören 97 Gemeinden und Landkreise aus der Region des Oberrheins an. KABS finanziert seine Arbeit aus den Beiträgen der Mitglieder und hat nach eigenen Angaben ein jährliches Budget von etwa 3,5 Millionen Euro.
Auch außerhalb des Gebiets der KABS wirbt Dr. Becker für den Einsatz von Bti. Letztes Jahr nahm der Biologe an einer Podiumsdiskussion in Utting teil, denn am Ammersee wird darüber nachgedacht, ob die Gemeinden in einer gemeinsamen Aktion Bti ausstreuen sollen. (http://www.ammerseekurier.de/2016/10/14/bti-einsatz-bald-auch-am-ammersee/).

Wissenschaftler und Kaufmann

Ich war selber leider nicht dort, und weiß deshalb nicht, wie sich Dr. Becker vorgestellt hat. In dem oben verlinkten Beitrag wird er jedenfalls beschrieben als "Wissenschaftlicher Direktor des Vereins KABS, Professor an der Uni Heidelberg und nach seinen Angaben auch bei der WHO tätig". Nicht erwähnt wird eine weitere Funktion, nämlich die eines Geschäftsführers als Mitglied der Geschäftsführung[2] der Firma ICYBAK (http://www.icybac.de/contact/contact.htm). ICYBAK produziert für KABS das mit Bti versetzte Eisgranulat, und verstreut es per Hubschrauber über den Mückenbrutgebieten.
Das ist nun schon eine ungewöhnliche Konstellation. Dr. Becker ist gewissermaßen Auftraggeber und Auftragnehmer in Personalunion. Als wissenschaftlicher Leiter von KABS organisiert er das Verstreuen von Bti, was die Firma übernimmt, in der er als Geschäftsführer Mitglied der Geschäftsführung[2] tätig ist.
Die ICYBAK GmbH ist ein 100% Tochterunternehmen der KABS e.V. Gewinne der ICYBAK gehen damit automatisch an den Verein KABS. Die Satzung des Vereins besagt aber, dass „Gewinnerzielung und die Verfolgung eigener wirtschaftlicher Ziele ausgeschlossen (sind)“. ICYBAK hat dadurch sicher nicht den Druck zur Profitmaximierung wie andere Firmen. [3]

Mückengift aus dem Versandhandel

Auf der vom Gesundheitspolitische Arbeitskreis Landsberg der CSU initiiert Veranstaltung in Utting erklärte Dr. Becker, dass Bti weltweit erfolgreich zur Stechmückenbekämpfung eingesetzt werde, und für Mensch und Tier ungefährlich sei (Kreisbote: https://www.kreisbote.de/lokales/landsberg/podiumsdiskussion-parteiuebergreifende-solidargemeinschaft-gefordert-6825419.html)
Diese Überzeugungsarbeit des Wissenschaftlers erreicht natürlich nicht nur die Politiker. Wenn er bei öffentlichen Veranstaltungen Bti als "das beste Mittel weltweit“ lobt, kommt das sicher bei vielen Zuhörern an. Mancher mag dann vielleicht nicht warten, bis die Gemeinde aktiv wird, sondern will dieses Wundermittel (Handelsname: VectoBac) in Eigenregie einsetzen.
Eine Quelle dafür lässt sich schnell finden, nämlich den Onlinehandel der Firma CULINEX Becker. Auch diese Firma wird von Dr. Becker geleitet (Impressum des Onlineshops).

Die Rolle von Valent BioSciences

Der Bti Grundstoff für CULINEX und ICYBAK stammt vom amerikanischen Pestizidhersteller Valent BioSciences. Zu diesem Unternehmen scheint Dr. Becker gute Beziehungen zu haben. In einem Bericht der Zeitung Rheinpfalz vom April 2015 erläutert Becker, dass Projekte der KABS Forschungsarbeit "zumindest partiell von Valent mitfinanziert werden“. Valent BioSciences ist auch "Gold-Sponsor" der "European Mosquito Control Association" (EMCA), deren Executive Director Becker ist (http://www.emca-online.eu/index.php?id=1). Die EMCA residiert übrigens unter der selben Adresse wie der Verein KABS in Speyer.
Auch bei Veranstaltungen der EMCA referriert Dr. Becker über den Einsatz von Bti. Bei der heurigen Jahreskonferenz im montenegrinischen Badeort Bečići leitete er eine Sitzung über "Floodwater mosquitoes - control strategies in protected areas" ("Überschwemmungsmücken - Bekämpfungsstrategien in Schutzgebieten", wenn ich das richtig übersetzt habe): http://www.emca-online.eu/assets/PDFs/1_Montenegro_full_program_speakers_1_March.pdf

Ein schmaler Grat

Nun ist es weder ungewöhnlich noch verwerflich, dass Industrieunternehmen und Wissenschaft zusammenarbeiten. Im Gegenteil ist es ja erfreulich, dass ein Pestizidhersteller mit seinen Gewinnen auch die Forschungsarbeit unterstützt. Allerdings ist das ein schmaler Grad. Ab wann leidet die wissenschaftliche Objektivität unter dem Einfluß des Geldgebers? Wie sehr darf ein Forscher seinen wissenschaftlichen Ruf einsetzen, um die Produkte eines bestimmten Unternehmens bekannt zu machen?
An Dr. Becker's Verbindungen zur Industrie ist rechtlich vermutlich nichts auszusetzen, und an meiner persönlichen Einstellung zum Einsatz von Bti hat sich dadurch nichts geändert (https://schondorf.blogspot.de/2017/01/weniger-ist-mehr.html).
Ich denke aber, er hätte sich selbst einen Gefallen getan, wenn er seine verschiedenen Verbindungen zur Wirtschaft klarer dargelegt hätte. Das hätte wilde Spekulationen um seine Person verhindert.


Anmerkungen zu den Änderungen vom 25. 7.

[1] Ich wurde darauf angesprochen, dass Bti kein Insektizid, sondern ein Biozid sei. Beides ist richtig. Die EU Verordnung 528/2012 definiert Biozide als Wirkstoffe, die auf andere Art als physikalische Einwirkung Schadorganismen zerstören oder unschädlich machen. 
(Genaue Definition auf der Seite des Umweltbundesamtes: http://www.biozid.info/deutsch/biozidprodukte/)
 Diese Stoffe sind je nach ihrer Wirkung in Gruppen unterteilt, und dazu gehören (Hauptgruppe 3, Produktart 18) Insektizide. Bti ist also von der Art her ein Biozid, von der Wirkung ein Insektizid.
[2] Ich wurde darauf hingewiesen, dass Dr. Becker bei ICYBAK nicht den Titel eines Geschäftsführers trägt. Er wird auf der Kontaktseite der Firma aber zusammen mit Dr. Paul Schädler und Jochen Gubener unter „Geschäftsführung“ angegeben. 
http://www.icybac.de/contact/contact.htm
[3] Gewinne der ICYBAK GmbH gehen an den Verein KABS. Die Satzung von KABS sagt in §2 Absatz 3: „Eine Gewinnerzielung und die Verfolgung eigener wirtschaftlicher Ziele sind ausgeschlossen.“ http://www.kabsev.de/1/1_2/1_2_1/1_2_1_1/index.php

Ich sehe durchaus das Argument, dass ICYBAK dadurch keinen Druck zur Profitmaximierung hat. Andererseits kenne ich keinen Verein, der sich nicht über etwas mehr Geld in der Kasse freut.