1/17/2018

Kunst per Post

Mail Art - Kunst per Post
Über meine Freunde Cristina und Jürgen Blank bin ich auf das Konzept der Mail Art gestoßen (Best of Mail Art). Es gibt eine sehr lebendige Szene von Künstlern, die ihre Werke nicht (oder nicht nur) in Galerien und Museen ausstellen, sondern per Post verschicken.
Ausgangspunkt dafür ist meistens ein sogenannter "Mail Art Call". Das ist ein Aufruf, Kunst zu einem bestimmten Thema einzuschicken. Das versuche ich jetzt einmal selbst. Mein Thema ist "Confined", also eingeschlossen oder eingeschränkt.

1/14/2018

Daniel Düsentrieb vom Ammersee

Treppenhaus im DLR Verwaltungsgebäude
Innovative Tüftler gibt es durchaus nicht nur in den Universitätsstädten. Auch bei uns auf dem Land sitzt so mancher Daniel Düsentrieb. Eine neue Initiative soll diese kreativen Köpfe am Ammersee (und in den benachbarten Landkreisen) fördern.
BIGHub möchte als zentrale Nabe (Hub) Leute mit Ideen bei Bildung, Innovation und Gründung unterstützen. Das Programm wird vom Forschungsministerium mit € 100.000 gefördert.

1/09/2018

Ein guter Rutsch

Rodelschlitten von www.formschoen.biz
Schondorfer Rodel von www.formschoen.biz
Wie das so üblich ist, habe ich rund um Neujahr vielen Leuten einen guten Rutsch gewünscht. Aber was bedeutet das eigentlich? Meine Schondorfer Blogger-Kollegin Stefanie Windhausen erklärt das in ihrem Blog "Sprechperlen" (sprechperlen.de/blog/).
Auch eine weitere Bloggerin aus Schondorf hat sich Gedanken zum Neuen Jahr gemacht. Auf "Nestbeschmutzer" (susanne-luecke.de) gibt Susanne Lücke-David einige Tipps, wie man 2018 vielleicht nicht fitter, schöner und optimierter, aber dafür entspannter wird.

1/07/2018

Pulverdampf über dem See

Bereits die Ankündigung des Schondorfer Neujahrsschießens sorgte für angeregte Diskussionen. Alleine auf Facebook gab es über 50 Kommentare zu meinem Beitrag Krawumm! Ich habe mir das Spektakel selber angesehen (und angehört) und einen kleinen Film darüber gedreht.

1/03/2018

Fake News funktionieren

Futuristische Häuser am Ammersee
2017 war viel von Fake News die Rede: Was das ist, was man dagegen tun könne, ob es neue Gesetze braucht, und warum es plötzlich so viele davon gibt. Warum es so viele sind, kann ich aus eigener Erfahrung erklären: Weil Fake News gerne gelesen werden.

12/31/2017

Krawumm!

Böllerkanone am Ammersee
Photo © Kanoniere Dießen
Das Jahr 2018 meldet sich hörbar mit lautem Knall, zumindest wenn man in Unterschondorf wohnt. Am 1. Januar findet am Ufer des Ammersees um 14:30 Uhr das traditionelle Böllerschießen statt. Natürlich gehen die Meinungen darüber auseinander. Muß der Krach denn unbedingt sein? Verpestet das nicht die Luft? Was ist mit den Haustieren, die unter dem Lärm leiden?

12/27/2017

Keine Post von Gemeinsam

PostkastenAuch beim Spendensammeln herrscht heute ein scharfer Wettbewerb. In meinem Briefkasten waren in letzter Zeit Schreiben von Misereor, Unicef, Brot für die Welt, Ärzte ohne Grenzen, und noch etlichen anderen Organisationen. Nicht mit dabei war Ammersee Gemeinsam.

12/24/2017

Trunksucht und Gefühlsduselei

Weihnachtsgrüße vom Ammersee
Der Schriftsteller Ambrose Bierce hatte – wie von praktisch allem – auch von Weihnachten keine hohe Meinung. "Ein besonderer Tag, der Völlerei, Trunksucht, Gefühlsduselei, Annahme von Geschenken, öffentlichem Stumpfsinn und häuslichem Protzen gewidmet," schreibt er in seinem Wörterbuch des Teufels.

12/20/2017

Acht Stunden, zwanzig Minuten

Sonnnaufgang am Ammersee
Am 21. Dezember ist Wintersonnenwende und damit der kürzeste Tag des Jahres. Gerade einmal acht Stunden und zwanzig Minuten haben wir zwischen Sonnenaufgang um 8:04 und Sonnenuntergang um 18:24 Uhr.

12/17/2017

Renaturierung

Kirche St. anna, Schondorf am AmmerseeSchondorf verändert sich ständig. Ich habe das Gefühl, an allen Ecken wird abgerissen und neu gebaut. Schön, wenn an einer Stelle einmal nicht asphaltiert und betoniert, sondern gepflanzt wird.

12/13/2017

Gayview Mahat auf dem Weihnachtsmarkt

Christkindlmarkt in Schondorf am Ammersee
Zu dieser Jahreszeit kommt man an den Herren Sumwun Speshal, Gayview Mahat und Gavit Awaii einfach nicht vorbei. Auch auf dem Schondorfer Christkindlmarkt am 16. Dezember werden wir sicher auf sie stoßen. 
Es gibt ja keinen Weihnachtsmarkt, kein Radioprogramm und kein Kaufhaus, in dem wir vor Weihnachten nicht mit "Last Christmas" von Wham beschallt werden.

12/10/2017

Werkzeugkasten für Utopie

Arbeiten von Juliane Stiegele in Schondorf am AmmerseeIch spaziere gerne auf der Schondorfer Bahnhofstrasse. Vor allem in der Vorweihnachtszeit, wenn es im kleinen Atelier von Andreas Kloker den künstlerischen Adventskalender gibt.

12/06/2017

Transparente Wunderwerke

Zur Zeit habe ich's irgendwie mit der Magie. Neulich schon fühlte ich mich in Schondorf an die Zauberschule von Hogwarts erinnert. Heute geht es wieder in eine magische Welt, nämlich die der Glaskunst.

12/03/2017

Einblick in eine fremde Welt

Wie ich neulich geschrieben habe, wird auch Schondorf über kurz oder lang eine Straßenausbaubeitragssatzung bekommen. Welche Satzung die Gemeinde beschließen wird, steht noch in den Sternen. Vor ein paar Wochen gab Herr Graf vom Landratsamt in einer Gemeinderatssitzung einige Informationen rund um die Gestaltungsmöglichkeiten. Dabei offenbarte sich ein Einblick in eine fremde Welt.

11/29/2017

Kampf gegen die Zombies

Die Zombies haben die Herrschaft übernommen. Wer es nicht glaubt, braucht sich nur das unten eingebettete Video anzuschauen (Falls das Video nicht funktioniert, hier der Link zu YouTube). Die modernen Konsumzombies brauchen ständig frische Waren zum Überleben, so wie ihre Vorgänger in den Horrorfilmen auf frisches Menschenfleisch angewiesen waren. Rücksichtslos und mit leerem Blick stürzen sie sich auf ihre Beute.


Es gibt Widerstand

Das Phänomen ist nicht neu. Emile Zola hat das schon 1883 in "Das Paradies der Damen" beschrieben. Damals war es noch ein lokal begrenztes Phänomen. Mittlerweile ist eine globale Epidemie daraus geworden. Die Zombies haben die Welt überrannt.
Die ganze  Welt? Nein, in einem kleinen Ort am Ammersee leistet ein Grüppchen Unerschrockener noch Widerstand.
Reparaturcafe der Transition Region Ammersee in SchondorfTransition Region Ammersee kämpft unter dem Motto "Reparieren statt wegwerfen und neu kaufen" gegen den Kaufwahn. Am 2. Dezember stemmen sie sich wieder einmal gegen die Wegwerfflut, und bieten in Schondorf ein Reparaturcafe an. Es gibt mindestens drei gute Gründe, dabei mitzumachen.

Komm zu den Guerillas

Erstens möchte man nicht so enden, wie die Konsumzombies oben im Video. Lieber auf der Seite der coolen Widerstandskämpfer stehen. Zweitens spart es Geld, wenn etwas repariert wird, anstatt schon wieder eine neue Lampe, Jacke oder Toaster zu kaufen. Im Reparaturcafe kostet es nur eine kleine Spende.
Schließlich gibt es – wie der Name schon sagt – zur Reparatur auch Cafe und Kuchen, und außerdem viele nette Leute zum plaudern. 

Reparaturcafe Schondorf

2. Dezember 2017, 10:00 – 18:00 Uhr
St.-Anna-Straße 2
Schondorf am Ammersee

11/26/2017

Featuring: Der Biber

Am Ammersee kann man neuerdings eine interessante Kollaboration mit dem Biber bestaunen. Biber, nicht Bieber (Obwohl auch das Teenie Idol Justin heuer bemerkenswerte Gastauftritte hingelegt hat. Ich denke da an den Song mit Post Malone oder mit DJ Khaled bei "I'm the one"). Aber zurück zum Ammersee.

Am Ammersee Skulpturenweg

Ein inspirierender Weg

Was mir am Skulpturenweg zwischen Schondorf und Eching sehr gut gefällt, ist die Inspiration die von ihm ausgeht. Immer wieder mal tauchen anonyme Kunstwerke auf (Surrealismus am Ammersee) oder entstehen auch nur in meiner Einbildung (Skulpturenweg in Schondorf).
Das neueste Beispiel solcher Guerillakunst steht am Seeufer, kurz vor der Stelle an der links im Wald die "Welle" von Hans Illner installiert ist.
Letzten Winter hat hier ein Biber in mühevoller Kleinarbeit einen Baum gefällt (Mahlzeit!).

Kunst aus der Natur

Biberskulptur am Ammersee SkulpturenwegDer übriggebliebene, kegelförmige Baumstumpf ist mittlerweile mit Moos überwachsen und sieht tatsächlich skulptural aus. Der Künstler Klaus Peter Wershofen hatte das richtige Auge dafür, und hat dem Werk des pelzigen kleinen Holzbildhauers einen passenden Rahmen spendiert. Damit ist es nun zur Kunst erhoben.
Ach, es gibt so viel am See zu entdecken, wenn man die Augen offen hält.

11/22/2017

Tour d'Amour

Dießen ist diesen Herbst die Hauptstadt der Romantik. Gerade hat das Kleine Format gezeigt, wie man mit diesem Thema erfrischend kitschfrei umgehen kann. Diesen Freitag widmen sich im Maurerhansl Luise Loué und Stefan Noelle dem romantischsten aller Gefühle, der Liebe. Ebenfalls garantiert kitschfrei.

Die Liebe zwischen 8 und 88

Tour d'Amour im Maurerhansl, Diessen am Ammersee
Photo © Luise Loué
Die Schondorfer Künstlerin Luise Loué spürt schon lange dem Phänomen der Liebe hinterher. Sie sammelt Erinnerungsstücke, Kunstwerke und Basteleien, die für einen geliebten Menschen erschaffen oder aufbewahrt wurden. Es geht dabei um alle Facetten der Liebe, zwischen Partnern und Eheleuten, Eltern, Kindern, Geschwistern und Freunden.
In dieser Sammlung finden sich Exponate, deren romantische Ausstrahlung bislang völlig unterschätzt wurde, z. B. ein Fenchel.

Der romantische Fenchel

Bei dem Abend "Tour d'Amour" im Dießener Maurerhansl erklärt sie nicht nur, was es mit dem Fenchel auf sich hat, sondern zeigt auch andere Liebesobjekte und -geschichten.
Als Begleitung hat sie den Münchner Chansonnier Stefan Noelle dabei. Wer öfters in München ist, kennt vielleicht seine Konzertreihe "Das Lied zum Sonntag". Dabei lädt er Sonntags andere Liedermacher ins Turmstüberl im Valentin-Karlstadt-Musäum ein, um mit ihnen zusammen zu spielen. Noelle steht in der Tradition der Minnesänger, Chansonniers und Cantautori, aber er hat auch ein Herz für die Schlager der Dreißiger- bis Fünfzigerjahre.
"Die in jeder Zeile hörbare Liebe zur Sprache und ein eigenwillig-abgründiger Humor machen seine Lieder aus," schrieb die Süddeutsche Zeitung in einer Konzertkritik.
Letztes Jahr hat er unter dem Titel "Meinetwegen im Regen" seine erste CD herausgebracht. Auf dieser Platte findet sich übrigens auch ein Titel namens "Willst Du mit mir fencheln?".

„Tour d’amour“ mit Luise Loué und Stefan Noelle

Maurerhansl
Johannisstraße 7, Dießen am Ammersee
24. November 2017, 20:30 Uhr

11/18/2017

Luxus auf dem Lande

Das Leben ist ungerecht, aber nicht immer zu unseren Ungunsten. Wir dürfen uns schon glücklich schätzen, dass wir an einem so schönen Fleckchen der Erde leben. Viele hier sind sicher dankbar, dass sie am Ammersee sind, und nicht nach Kabul, Harare oder Gelsenkirchen verschlagen wurden.

Die soziale Frage

Diese Ungerechtigkeit, dass es einige besser und viele schlechter erwischen, hat den russischen Schriftsteller Leo Tolstoi stark beschäftigt. Selber stammte er aus einer wohlhabenden Adelsfamilie. Nach ausgedehnten Reisen und Jahren in Moskau und St. Petersburg, verbrachte er das Ende seines Lebens auf dem Land, im Familiengut Jasnaja Poljana.
SUV am AmmerseeDie feudalen Zustände im zaristischen Rußland fand er unerträglich. Er spürte, dass sich eine Revolution anbahnte. Den kommunistischen Ideen konnte er allerdings nichts abgewinnen. Er wandte sich einem mystischen Christentum zu, sah die Lösung in Nächstenliebe und Askese.
Gegen Ende seines Lebens wurde Tolstoi von verschiedenen Seiten bedrängt. Von seiner Ehefrau Sofia, die das Erbe ihres Mannes von der Familie betreut sehen wollte; Von seinem Verehrer Wladimir Tschertkow, der aus Tolstoi's Gedanken die Lehre des Tolstojanismus entwickelte; Von seinem jungen Privatsekräter Walentin Bulgakow, der sich von Tschertkow's dogmatischen Ansichten immer mehr abgestoßen fühlte (und den Selbstmord von Sofia verhinderte); Von Zar Nikolaus II., der in ihm einen gefährlichen Umstürzler sah.
Dieses turbulente letzte Lebensjahr Tolstoi's zeigt der Spielfilm "Ein russischer Sommer", der am 19. November im Studio Rose zu sehen ist. Helen Mirren und Paul Giamatti spielen mit, zwei Schauspieler, denen man immer gerne zuschaut.

Ein russischer Sommer

19. November 2017, 18:00 Uhr
Studio Rose
Bahnhofstrasse
Schondorf am Ammersee

Wird das Leben unbezahlbar?

Über die Kluft zwischen Arm und Reich diskutiert auch der Stammtisch der Uttinger CSU am 28. November im Kramerhof, Riederau. "Können wir uns in Zukunft das Leben am Ammersee noch leisten?" fragen die Landtagsabgeordnten Eberhard Rotter und Alex Dorow, die Gemeinderäte Andreas Streicher (Utting) und Rainer Jünger (Schondorf), und Tobias Schürer vom gleichnamigen Autohaus in Dießen.

Keine Spendensammlung

Der Titel könnte missverständlich sein. Es geht nicht darum, dass sich die fünf Sorgen um ihren Lebensstandard machen, und an diesem Abend Spenden sammeln. Mit "wir" sind ganz allgemein die Menschen am Ammersee gemeint. Oder besser gesagt die Menschen, die keinen eigenen Grund und Boden besitzen. Wer hier Immobilien hat, der kann sich das Leben am Ammersee locker leisten. Er freut sich über Wertsteigerung und sprudelnde Mieteinnahmen.
Schwierig wird es für jene, die zur Miete wohnen und nur über ein kleines oder mittleres Einkommen verfügen. Was kann die Politik tun, damit auch für solche Menschen das Leben hier bezahlbar bleibt?

KommWFP und SoBoN

Da es sich um eine Veranstaltung der CSU handelt, wird man vermutlich das hohe Lied auf das KommWFP hören, das Kommunale Wohnraumförderungsprogramm der bayerischen Staatsregierung. Vielleicht kommen aber auch andere Konzepte zur Sprache, wie die sozialgerechte Bodennutzung (SoBoN), oder genossenschaftliche Wohnprojekte. Mit Eberhard Rotter sitzt jedenfalls ein kompetenter Mann am Tisch, denn er ist Leiter der CSU-Arbeitsgruppe Wohnungs- und Städtebau.

Können wir uns in Zukunft das Leben am Ammersee noch leisten?

28. November, 19:30 Uhr
Kramerhof
Ringstraße 4
Riederau/Dießen

11/14/2017

Eines schönen Tages

Eines schönen Tages sitzt Patricia am Ammersee, bestellt sich einen Cappuccino und freut sich auf eine Fahrt mit dem Dampfer. Sie hat nur etwas vergessen, und geht noch einmal zum Auto zurück. Danach wird sie nie mehr gesehen.

Ein blutiger Krimi

Strandhaus Eching am Ammersee
So beginnt das Buch "Eines schönen Tages böses Ende" der Schondorfer Autorin Susanne Lücke-David. Wie man sich bei dem Anfang und dem Titel gut vorstellen kann, handelt es sich um einen Krimi. Ich lese normalerweise keine Krimis, aber bei diesem hier bin ich aus zwei Gründen gespannt.
Erstens weil Susanne Lücke-David eine Schriftstellerin ist, die sehr sorgfältig recherchiert. Das liegt ihr als erfolgreiche Sachbuchautorin (Die Baustile, Antike Mythologie) wahrscheinlich in der Natur. Diesmal hat sie sich die Praktiken der Fleischindustrie genauer angesehen. Im Buch führt die Spur der verschwundenen Patricia in bayerische Schlachthäuser. Es geht also recht blutig zu, aber nicht so, wie man das normalerweise von einem Thriller gewohnt ist.

Enthüllungen in Romanform

Zweitens sehe ich an der Bloggerin Susanne Lücke-David (ich habe sie hier einmal portraitiert), dass sie sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Ihr Blog heißt nicht umsonst Nestbeschmutzer. Was immer sie bei ihren Recherchen zur industriellen Fleischverarbeitung herausgefunden hat, in diesem Buch wird es sicher unverblümt erzählt werden. Gut möglich, dass man für die Lektüre starke Nerven braucht, und zwar nicht nur wegen der Spannung.
Am 16. November wird Susanne Lücke-David ihr Buch zusammen mit der Buchhandlung Timbooktu in Schondorf präsentieren. Dabei gibt es sicher auch einige Hintergründe zu den Recherchen über die Fleischmafia und vielleicht ein paar Details, die im Buch nicht erwähnt werden konnten.
Wegen des großen Interesses wurde die Vorstellung von der Buchhandlung in das Landheim Schondorf verlegt, und zwar in den Vortragssaal im Hauptgebäude (Das Hauptgebäude ist das große Haus links am Platz, wenn man von der Bahnhofstrasse ins Landheim geht).

Buchpräsentation "Eines schönen Tages böses Ende"

16. November 2017, 19:30 Uhr
Landheim Schondorf
Vortragssaal Hauptgebäude
Schondorf am Ammersee

11/12/2017

Sie wird kommen

Es kommt auch nach Schondorf, das Schreckgespenst mit 28 Buchstaben, die Straßenausbaubeitragssatzung. Es gibt schon lange die Vorgabe, dass Gemeinden von den Bürgern Beiträge für die Erneuerung von Straßen erheben sollen. Allerdings war dabei strittig, wie dieses "sollen" zu verstehen sei: Als klare Vorgabe ("Die Kompanie soll um 7:00 im Kasernenhof antreten") oder als Absichtserklärung ("Ihr Telephonanschluss soll nächste Woche installiert werden"). Seit letztem Jahr ist entschieden, dass es sich um ein Muss handelt.

Erst Einnahmen, dann Schulden

Teilnehmer der Herkomer Ralley am Ammersee
Der Hintegrund ist, dass die Kommunen nur ungern diese Beiträge einführen. Das kommt beim Bürger meistens nicht gut an, und könnte sich bei der nächsten Wahl rächen. Manche Gemeinden machen da lieber ein bisschen mehr Schulden. Das ist unauffällig, und die Konsequenzen eines wachsenden Schuldenberges werden erst sichtbar, wenn die eigene Amtszeit längst vorüber ist.
Um dem vorzubeugen wurde letztes Jahr eine entsprechende Änderung des Kommunalabgabengesetzes (KAG) von allen Parteien im bayerischen Landtag beschlossen. Schulden dürfen erst gemacht werden, wenn alle anderen Einnahmequellen ausgeschöpft sind. Oder anders herum: Auf einen Straßenausbaubeitrag kann eine Gemeinde nur verzichten, wenn sie keine Kredite braucht (ein eher hypothetischer Fall).
So werden in naher Zukunft auch in Schondorf und anderswo am Ammersee die Bürger an den Kosten der Straßenerneuerung beteiligt werden.

Unverschuldete Mehreinnahmen

Beliebt ist diese Abgabe logischerweise nicht. Niemand mag gerne für etwas bezahlen, das er bis jetzt gratis bekommen hat. Hier hilft sicher Transparenz. Die Gemeinde kann ja aufschlüsseln, wieviel bislang für die Straßensanierung aufgewendet wurde. Dem kann sie gegenüberstellen, was sie mit den – nicht gewünschten, aber sicher auch nicht unwillkommenen – Mehreinnahmen in Zukunft machen will.

Keine Luxussanierung

Ein zweiter Punkt ist die Sorge um die Ausgabendisziplin der Gemeinde. Wenn die Straßensanierung zu drei Vierteln von den Anwohnern bezahlt wird, ist das schon eine Versuchung. Da wird man bei den Kosten vielleicht recht großzügig, nach dem Motto "das Beste ist gerade gut genug". Hier braucht es einen wachen Gemeinderat, der der Verwaltung auf die Finger sieht, damit aus einer notwendigen Erneuerung keine Luxussanierung wird.
Wie nun genau die Kosten der Straßensanierung auf die Bürger umgelegt werden, darüber schreibe ich bei Gelegenheit einmal.

11/08/2017

Die schöne Leere

"Wie fällt dir das nur immer ein?" werde ich manchmal zu meinem Blog gefragt. Stimmt gar nicht. Manchmal fällt mir nämlich gar nichts ein, zum Beispiel heute.

Ein milchiges Nichts

Der Ammersee an einem Morgen im Herbst
Ich hatte schon einen schönen Morgenspaziergang rund um das Landheim Schondorf, hinunter zum See. Die Luft war kalt, aber nicht unangenehm, ein bisschen Regen tröpfelte auf meinen Kopf, und die Landschaft war in diffuses Licht getaucht.
Alles still, milchig und leer, wie mein Gehirn. Das ist gar nicht unangenehm. Die Zen Buddhisten versuchen ja ganz bewusst diesen Zustand durch lange Meditationsübungen herbeizuführen.

Die reine Lehre von der reinen Leere

"Eine besondere Überlieferung außerhalb der Schriften,
unabhängig von Wort und Schriftzeichen:
unmittelbar des Menschen Herz zeigen,
die Natur schauen und Buddha werden.“
Das schrieb (vermutlich) Bodhidharma Anfang des 12. Jahrhunderts. Was ich da heute Morgen betrieben habe war also eigentlich gar kein Hundespaziergang, sondern ein Kinhin, eine Gehmeditation. Keine Musik, keine Tweets, keine Nachrichten, keine Paradise Papers, keine Koalitionsverhandlungen, keine Amokläufe. Auch keine Jogger oder Radfahrer im Wald, und keine Boote und Windsurfer auf dem See. Ungestört von äußeren Reizen döst mein Hirn vor sich hin.
Für diese völlige geistige Leere machen andere Leute lange Kurse, oder reisen nach Indien und Japan um sich Rat von großen Zen-Meister zu holen.
Es ist also überhaupt nicht schlimm, dass mir heute nichts einfällt. Mein Inneres wird schon gewußt haben, dass ich zwischendurch eine geistige Vollreinigung brauche.

11/05/2017

Oh wie romantisch!

Nun ist sie leider schon wieder vorbei, die großartige Ausstellung "Das Kleine Format" in Dießen. Leitmotiv der Schau war heuer das Thema "Romantik", und einige der Werke dazu haben es mir besonders angetan.

Die Würde des Unbekannten

Im Prinzip ist ja jedes Kunstwerk ein romantisches Unterfangen. Der Künstler romantisiert, indem er "dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten gibt", wie Sepp Dürr in seiner Eröffnungsrede Novalis zitierte. Trotzdem habe ich die Konzentration auf das Thema bei manchen Kunstwerken stärker wahrgenommen als bei anderen.
Hier also eine streng subjektive Auswahl von sechs Arbeiten, in denen ich das Thema "Romantik" besonders stimmig umgesetzt fand.

Mythologie

Annunciata Foresti
Von Annunciata Foresti war viel als Organisatorin der Ausstellung die Rede. Ihre Rolle als Künstlerin geriet darüber fast ein bisschen in Vergessenheit. Dabei geben ihre kleinen Landschaftsportraits ganz wunderbar dem "Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen", um noch einmal Novalis zu zitieren. Mit einer Mischung aus Photographie und Malerei schuf sie Bilder die wirken, als wären sie Antiquitäten, Fundstücke aus mythologischen Zeiten.

Rosen

Jürgen Oliver Blank
Die Rose ist sicher die romantische Blume schlechthin. Entsprechend oft ist sie auch schon dargestellt worden. Jürgen Oliver Blank schafft es trotzdem, dem Sujet einen frischen Blickwinkel zu geben. Statt zart und lieblich, wirken seine Rosen eher düster und ein bisschen morbide. Aber auch das Düstere ist ein Merkmal der Romantik.

Feuerwerk

Nuё Ammann
Ein Feuerwerk ist ohne Frage eine sehr romantische Angelegenheit. Nuё Ammann denkt den beseelten Moment weiter und untersucht poetisch das Danach. Ihre Installationen kombinieren Textfragmente mit den Überresten explodierter Böller. Dem Thema Romantik kann man sich also durchaus auch mit einer Prise Humor annähern.

Aeronautik

Gerd Hoffmann

1783 präsentierten die Brüder Montgolfier ihre "aerostatische Maschine", ein Heißluftballon der 2000 Meter hoch stieg. Das beflügelte die Phantasie der Romantiker, man denke z. B. an Jean Paul's "Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch".
Bei Gerd Hoffmann sind diese Luftschiffe zarte Gebilde aus Draht und Papier. Ich weiß nicht, ob ich meine Höhenflüge diesen fragilen Konstruktionen anvertrauen möchte, aber wie Hoffmann sagt: „Man muss Risiken auf sich nehmen um fliegen zu können, sonst bleibt man ein Lebenlang Fußgänger.“

Lichtgestalten


Feen und Fabelwesen gehören natürlich unbedingt zur Romantik. Die Lichtkünstlerin Vanessa Hafenbrädl (aka Dieselqueen) zeigte ein Video einer ihrer Projektionen. Man sieht kreisende Lichtgestalten aus einer anderen Welt, die uns zuwinken, verlocken oder vielleicht auch warnen wollen.

Luftwesen

Nani Weixler
Die Fahnen aus Seidenorganza von Nani Weixler gehören eigentlich auch in den Bereich der Luftwesen. Die zarten Tücher sind genau das Gegenteil von gravitätischen Staats- oder Vereinsfahnen. An einem Tag spielte auch die Natur mit, und sorgte mit einem Regenbogen für die perfekte Hintergrundbeleuchtung.
"Erscheinungen sind vielleicht die Sympathien, welche die Natur mit dem Menschen hat", schrieb die Spätromantikerin Charlotte Brontë.

Interpretationen zur Farbe Blau

Das Kleine Format ist für heuer leider vorbei, aber im Dießener Blauen Haus geht es weiter. Aktuell ist dort die Ausstellung "Blau II" zu sehen. 50 Künstler vom Ammersee zeigen zeitgenössische Interpretationen zur Farbe Blau. Und damit schließt sich der Kreis zur Blauen Blume der Romantiker.

Blau II 

Blaues Haus, Prinz-Ludwig-Straße 23
Dießen am Ammersee
4. bis 20. November 2017
jeweils Mittwoch bis Sonntag, 10:00 – 18:00 Uhr
www.blaueshaus-diessen.de

11/01/2017

Heute schon Hagalaz gesehen?

Wer heute am Schondorfer Rathaus vorbei gekommen ist, antwortet auf die Frage nach der Hagalaz-Rune vermutlich mit: "Ja, selbstverständlich." Der Brunnenstein vor dem Rathaus hat nämlich die Wasserrinnen in der Form dieser Rune. Aber auch wer noch gar nicht aus dem Haus gegangen ist, hat Hagalaz ziemlich sicher trotzdem gesehen.

Brunnen in Schondorf am Ammersee
Brunnen am Schondorfer Rathaus

Die Hagal Rune

Die Hagal oder Hagalaz Rune ᚼ ist ein Schriftzeichen des altnordischen Alphabets und entspricht dort unserem "H". Ich habe dieses Zeichen zum ersten Mal am Schondorfer Rathausbrunnen bewusst wahrgenommen (siehe Läuft's?). Die Wasserrinnen im Marmorblock sind nicht zufällig in diesem Kreuzmuster angelegt. Der Bildhauer Fabrizio Lorenzani hat bewusst dieses alte Zeichen verwendet.
Auf Esoterikseiten im Internet erfahre ich, Hagal diene zur Förderung der Fruchtbarkeit auf allen Ebenen, als Talisman für das Gedeihen von Vorhaben, und zur Harmonisierung und Bannung von Fremdeinflüsse. 

Fenster in Hagal-Form am ammersee
Güterhalle am Schondorfer Bahnhof

Der Blitzableiter

Gerade diese Bannung von Fremdeinflüssen ist angeblich auch der Grund, warum die Rune früher auf manchen Häusern zu finden war. In der Nähe des Daches angebracht, sollte ihre magische Kraft vor Blitzeinschlägen schützen. Das Gitter vor dem Fenster im Giebel der Güterhalle am Bahnhof soll deshalb diese Form habe.
Das sind zwei Hagal Runen in Schondorf, die ich kenne. Vermutlich kann man im Ort aber noch mehrere entdecken, wenn man mit offenen Augen durch die Straßen geht.

Das allgegenwärtige Symbol

Selbst wenn man aber die Augen nur starr auf einen Computer geheftet hat, ist die Hagal Rune trotzdem im Blick. Sie versteckt sich nämlich im Symbol für Bluetooth Netzwerke.
Dieser Standard für drahtlose Datenübertragung wurde 1999 in Norwegen festgelegt. Benannt ist er nach dem Wikingerkönig Harald. Der hatte anscheinend einen schlechten Zahn, und daher den Spitzname Blåtand = Blauzahn = Bluetooth.
Bluetooth ist heute in praktisch jedem Computer oder Smartphone integriert, um drahtlose Lautsprecher, Tastaturen oder andere Geräte anzubinden. Meistens findet sich das Symbol für diesen Funkstandard am oberen Bildschirmrand.  Es bildet sich aus zwei Runen, nämlich Berkano ᛒ und eben Hagalaz ᚼ.
Ich wundere mich direkt, dass das noch zu keinen Verschwörungstheorien geführt hat. Ist wirklich noch niemand auf die Idee gekommen, dass dahinter eine Konspiration der Illuminaten, der Reptiloiden oder der Freimaurer stecken könnte?

10/29/2017

Höchstgeschwindigkeit braucht Geduld

Lichtschnelles Internet am Ammersee, Schluss mit der lästigen Warterei, Höchstgeschwindigkeit wie noch nie. Das ist das Versprechen des schnellen Internets über Glasfaser. Bevor es soweit ist, heißt es allerdings noch geduldig warten.

Verlegung Glasfaserkabel in Schondorf am Ammersee

Zäher Weg zur Quote

Die Entscheidung für den Glasfaserausbau in Schondorf war eine zähe Geschichte. Mehrmals wurde der Schlusstermin verschoben, bis zu dem sich 40% der Schondorfer für das Angebot von Deutsche Glasfaser entscheiden mussten. In einem letzten Kraftakt gelang es im Oktober 2016 genug Anwohner zu überzeugen (Tag der Entscheidung). Die Quote war geschafft, jetzt konnte es losgehen.
Im Frühjahr wurde damit begonnen, die Straßen aufzugraben und die Leitungen zu verlegen. Irgendwann klingelte der Trupp auch bei mir und verlegte das Leerrohr in den Keller. Einige Wochen später wurde die Glasfaser eingezogen und der Platz für den Hausanschluss festgelegt.

Graben für die Glasfaser

Als neulich Post von Deutsche Glasfaser in meinem Briefkasten war, dachte ich mir: "Ha, jetzt kommt das schnelle Internet". Das kommt aber noch nicht. Die Broschüre warb lediglich dafür, sich jetzt noch einen Anschluss zu sichern. Es gebe noch einen aller-aller-allerletzten Termin, um die Glasfaser kostenlos ins Haus zu bekommen, während "die Bauarbeiten zügig voranschreiten".
Von zügig voranschreitenden Bauarbeiten merke ich in Unterschondorf allerdings in den letzten Wochen nichts. Eher von einem lähmenden Stillstand. Die aufgerissenen Gräben sind immer noch mit Schotter bedeckt, an manchen Stellen auch mit einer dünnen Asphaltschicht überzogen.

Wunsch und Wirklichkeit

Dazu habe ich noch einmal auf der Deutsche Glasfaser Website nachgelesen: "Als Anlieger bekommen Sie von den Verlegearbeiten kaum etwas mit. Und wenn, dann sind die geringfügigen Beeinträchtigungen binnen kürzester Zeit wieder verschwunden."
Dass man von den Verlegarabeiten kaum etwas mitbekommt mag stimmen – solange man schwerhörig, kurzsichtig und bettlägrig ist. Ich jedenfalls habe die Grabungsarbeiten sehr deutlich bemerkt, und die Spuren davon sind noch längst nicht verschwunden. Das wird auch bis Ende des Jahres so bleiben, erklärte mir die nette Dame vom Servicepunkt in der Landsbergerstraße.

Bahngleis blockiert Glasfaser

Das Problem sei der Anschluss des Schondorfer Hauptverteilers im Eichet. Dazu muß das Kabel unter den Bahngleisen durchgezogen werden. Man bemühe sich intensiv um die entsprechende Genehmigung. Die deutsche Bahn würde aber immer neue Vorgaben machen, und habe den Antrag schon zweimal zurückgewiesen.
Das klang alles sehr einleuchtend. Vermutlich hat die Deutsche Bahn eine anderslautende, aber ebenfalls sehr einleuchtende Darstellung. Was nun immer die Gründe sein mögen, vor Jahresende ist nicht mit einem Abschluss der Arbeiten zu rechnen. Deshalb werden die Gräben erst einmal nur provisorisch geschlossen.

Start frühestens 2018

Solange das Netz noch nicht angeschlossen werden kann, nutzt Deutsche Glasfaser die Zeit um weitere Kunden zu gewinnen. Es können also noch Hausanschlüsse dazu kommen, und dafür will man die Straßendecke nicht erneut aufreißen. Bis alle Anschlüsse verlegt sind, bleibt es also beim Provisorium. Aus der Sicht der Firma ist das verständlich, für uns Schondorfer aber lästig.
Ab Januar könnte dann das Glasfasernetz in Schondorf in Betrieb gehen. Das ist zumindest die aktuelle Planung. Ob dieser Termin eingehalten wird, werden wir im neuen Jahr sehen.

10/25/2017

Video: Musik und Tanz im Studio Rose

Auf die Eröffnung der Ausstellung von Lea Jade im Studio Rose hatte ich mich sehr gefreut (siehe Die Bewegung der Farbe der Töne) und ich wurde nicht enttäuscht. Ihr gemeinsamer Auftritt mit dem Tänzer Ugur Uzaroglu war ein eindrucksvolles Erlebnis. Ich habe versucht, etwas davon in einem Video einzufangen.
 

Aus Noten werden Bilder

Wie die Kunsthistorikerin Katrin Bach in ihrer Einführung detailliert erläuterte, ist Lea Jade Synästhetikerin. Farben rufen bei ihr automatisch Klänge ins Bewußtsein, und andersherum kann sie auch Töne als Farben wahrnehmen. Sie nutzt diese Begabung als Komponistin und als Malerin.
Mir persönlich ist es völlig egal, ob ein Kunstwerk von einem Synästhetiker, Astrophysiker oder Peripatetiker geschaffen wurde. Wichtig ist mir, welche Emotionen es in mir weckt. Lea Jade's Bildern gelingt die angestrebte Synthese von Licht und Klang. Die dichten, mehrfach geschichteten Temperafarben lösen bei mir musikalische Assoziationen aus, lassen mich an Rythmus und Melodie denken.
Eines dieser Bilder basiert auf dem Stück "Les Ondes Orientales" von Dhafer Youssef. Den Entstehungsprozess kann man in diesem Video verfolgen: https://youtu.be/Ps64egI2ji8

Orientalische Wellen

Bei der Eröffnung im Studio Rose übersetze Ugur Uzaroglu diese "orientalischen Wellen" in Bewegung. Sein Tanz wirkte in jedem Moment spontan und impulsiv. Trotzdem passte er so haargenau zu den Stimmungen der Musik, als hätte er es monatelang einstudiert.
Für ihn sei dieser Abend eine Premiere gewesen, erzählte mir der junge Tänzer später. Er habe zwar schon früher mit Lea Jade gearbeitet, aber noch nie ein 13 Minuten langes Stück als Improvisation getanzt.

Wie malt man Stille?

Am Ende spielte Lea Jade noch am Flügel eine Eigenkomposition zu ihrem Bild "Silence". Ich hätte gedacht, dass die Umsetzung von Stille ein hauptsächlich weißes oder ein größtenteils schwarzes Bild wäre. Im Gegenteil ist aber "Silence" eines der buntesten Bilder der Ausstellung. Erstaunlicherweise passt es aber trotzdem (oder deshalb?) zum Thema "Stille".
Es tut mir leid, dass die Qualität des Videos, speziell beim Auftriit von Ugur, recht mäßig ist. Das liegt daran, dass für den Tanz stimmungsvoll das Licht gedämpft wurde. Ich habe aber gesehen, dass die Performance auch mit einer professionellen Kamera aufgenommen wurde. Sobald dieses Video online gestellt wird, werde ich es hier verlinken.

Die Ausstellung im Studio Rose ist noch dieses Wochenende (28./29. Oktober) geöffnet. 

10/22/2017

Schwarz, Gelb, Grün, Rot

Man beachte die Reihenfolge der Farben in der Überschrift. Das Ergebnis der Bundestagswahl 2017 war in Schondorf doch etwas anders, als im übrigen Bayern. Ich habe mir dazu auf www.bundestagswahl2017.bayern.de und wahl.lra-ll.de die jeweilige Stimmenverteilung angeschaut.

Bundestagswahl in Schondorf

Vergleich der Bundestagswahl Bayern und Schondorf
Der Ammersee liegt offensichtlich in Bayern. Auch bei uns war die CSU bei der Bundestagswahl klar die stärkste Partei. Allerdings musste sie auch hier kräftig Federn lassen. Gegenüber 2013 verlor sie gut zehn Prozentpunkte und kam knapp über 35%.
Auf dem zweiten Platz landete in Schondorf mit etwa 19% die FDP. Das überrascht wahrscheinlich niemand. Die Liberalen haben ihre Wähler traditionell in der gut situierten Oberschicht, die am Ammersee reichlich vertreten ist. Der Stimmenanteil ist dann hier auch fast doppelt so hoch wie im bayerischen Durchschnitt (10,2%).

Sexyness in der Politik

Die Wähler der Grünen haben, genau wie CSU und FDP, ein überdurchschnittliches Einkommen (DIW Studie Wählerschaft der Parteien). Dementsprechend hat auch diese Partei am Ammersee überdurchschnittlich gut abgeschnitten: 17,3% in Schondorf gegenüber 9,8% in Bayern.
Allerdings war das Verhältnis von arm und reich vor vier Jahren hier auch nicht viel anders. Trotzdem konnten die Grünen mit +4% gegenüber 2013 nochmals zulegen. Allerdings nicht so kräftig wie die FDP, die ihr Ergebnis seit der letzten Wahl fast verdoppeln konnte.
Ob das daran liegt, dass Herr Hofreiter in punkto Sexyness nicht ganz mit Herrn Lindner mithalten kann? Nein, es liegt sicher ausschließlich an den Wahlprogrammen.

Hohe Wahlbeteiligung

Es gibt übrigens Untersuchungen die zeigen, dass auch die Wahlbeteiligung mit der Einkommenssituation zusammenhängt. Das finanziell abgesicherte Bürgertum geht eher zur Wahl, als Menschen in prekärer Lebenssituation. Auch das bestätigt sich im wohlhabenden Schondorf. Mit 85,5% war die Wahlbeteiligung ein ganzes Stück höher als in Bayern (78,2%).

Verluste auch für die SPD

Wo heuer die FDP steht, war vor vier Jahren in Schondorf noch die SPD, nämlich bei etwa 17% der Stimmen. Heuer hat sie fast ein Drittel ihrer Wähler verloren, und 12% reichen nur noch für den vierten Platz im Wahlergebnis. Damit liegen die Genossen am Ammersee auch recht deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 15,3%.
Ein paar Stimmen dürfte die LINKE den Sozialdemokraten weggeknabbert haben. Sie haben ihren Anteil mehr als verdoppelt, und liegen mit 6% gut im Landesdurchschnitt.
Die AfD kam nicht annähernd an ihr bayernweites Ergebnis von 12,4% heran und musste sich mit 6,5% bescheiden.

Die Kleinen gehen unter

Die anderen Parteien spielen eine untergeordnete Rolle. Die Freien Wähler schafften es, das schlechte Ergebnis von 2013 noch zu untertreffen, und holten in Schondorf nur noch knapp über 1%. ÖDP, Piraten und Bayernpartei blieben deutlich unter dieser Marke und haben damit klar schlechter abgeschnitten als im übrigen Bayern.
Bei den anderen Parteien braucht man keine Prozente, sondern einzelne Stimmen zählen. 13 Schondorfer machten ihr Kreuzchen bei der verkrampften Spaßbewegung "Die Partei", 10 entschieden sich für Demokratie in Bewegung und neun für die Tierschutzpartei. Damit liegen sie alle noch um ein Vielfaches vor der NPD. Genau ein Schondorfer Wähler stimmte für die braune Truppe.

10/18/2017

Die Bewegung der Farbe der Töne

Tanz, Musik und Malerei sind ja eigentlich grundverschiedene Kunstformen. Die ersteren leben ganz im Moment der Wahrnehmung, die Malerei dagegen gibt (und fordert) lange Zeit der Betrachtung. Eine Ausstellung im Schondorfer Studio Rose bringt nun alle drei zusammen.

Klang, Rythmus, Stille

Lea Jade im Studio Rose am Ammersee
Photo © Lea Jade
Bei Lea Jade gehen Malerei und Musik immer schon Hand in Hand. Sie hat die natürliche Begabung, Klänge und Rythmen als Farben zu sehen. Sie ist, wie der entsprechende Fachausdruck heißt, Synästhetikerin. Von daher ist es nur folgerichtig, dass sie sich beiden Kunstformen gleichermaßen widmet.
Die studierte Musikwissenschaftlerin veröffentlicht seit 2003 regelmäßig eigene Kompositionen und hat auch schon eine CD herausgebracht. Heuer hat sie ihre kompositorischen Fähigkeiten in einer Masterclass beim Oscar- und Grammy-Gewinner Hans Zimmer weiter verfeinert.
Als Malerin lässt sie aus den Klangfarben der Musik Farbklänge auf Leinwand entstehen. Im Studio Rose zeigt sie nun ihre großformatigen Bilder, die Jazz, elektronische und klassische Musik in visuelle Eindrücke übersetzen.

Bilder in Bewegung

Performance mit Ugur Uzaroglu und Lea Jade
Photo © Ugur Uzaroglu
Zur Vernissage am 20. Oktober bringt sie einen Künstler mit an den Ammersee, der Musik auf andere Art umsetzt, nämlich durch Bewegung. Ugur Uzaroglu hat seine Wurzeln im Streetstyle, war aber auch schon im Fernsehen bei "Got to dance" zu bewundern.
Sein Herz gehört, wenn ich mir seinen YouTube Kanal anschaue, eindeutig dem Hip Hop. Damit bringt er sicher frischen Wind ins Studio Rose.
Da bin ich schon gespannt darauf, wie er die auf Jazz und klassischer Musik basierenden Arbeiten von Lea Jade im Tanz interpretieren wird.

Klang – Rythmus – Stille

Bilder von Lea Jade
Vernissage; 20. 10. 2017, 19:00 Uhr
Ausstellung: 21./22. und 28./29. 10. 2017, jeweils 12:00 bis 18:00 Uhr
Studio Rose
Bahnhofstraße 35
Schondorf am Ammersee

10/15/2017

Kreative Zwischennutzung

Gut, dass ich einen Hund habe. Dadurch habe ich jeden Tag Gelegenheit für einen Spaziergang durch unser Dorf, und stoße immer wieder auf interessante Sachen. Neulich zum Beispiel auf ein Art Displayment in der ehemaligen Gärtnerei Dumbsky in der Schondorfer Bahnhofstraße.

Kunst in der ehemaligen Gärtnerei

Art Displayment in der Gärtnerei

Diese Gewächshallen stehen ja nun schon eine ganz Zeit lang leer. Ich wundere mich direkt, dass sie noch nicht abgerissen und durch einen Appartmentblock ersetzt sind. Bis es so weit ist bieten die gläsernen Hallen aber einen wunderbaren Rahmen für kreative Zwischennutzung. Im Frühjahr gab es hier die Theater-Performance Erleuchthund (siehe Kreativität am Ammersee).
In der letzten Septemberwoche beherbergte die Gärtnerei nun, wie ich nur zufällig entdeckte, ein Art Displayment von Studio Global. Wir (Frl. Rosa und ich) steckten neugierig die Nasen hinein und entdeckten eine Kunstausstellung der etwas anderen Art.

Junge Künstler vom Ammersee

Beim Gespräch mit den beteiligten Künstlern habe ich erfahren, wer hinter der Aktion steht. Der junge Uttinger Künstler Nicolai Kovács nutzt die leerstehenden Räume wohl schon einige Zeit als Atelier. Er hatte schon länger geplant, hier eine Ausstellung zu organisieren, weil "die Räume aufgrund der großen Fläche und der 'industriellen' Loft-mäßigen Stimmung prädestiniert dafür sind."
Unter dem Projektnamen Studio Global (hier auf Facebook) versammelte er einige Künstlerfreunde vom Ammersee, aber auch aus München und Düsseldorf. Zusammen verwandelten sie die Gärtnerei in eine Kunst- und Performance-Bühne.
Gezeigt wurde eine bunte Mischung aus Zeichnungen, Collagen, Holzschnitzereien, Photos und Videos. Sichtlich kamen einige der Künstler aus der Street Art und Graffiti-Szene, was den Arbeiten einen frischen, rauhen Charme gab. 

Party zur Finissage

Studio Global in der ehemaligen Gärtnerei Dumbsky
Photo © Valentin Hesch
Generell fiel mir auf, dass die gezeigten Arbeiten so gar nichts Dekoratives hatten. Hier hatte sich sichtlich niemand Gedanken über die Vermarktbarkeit seiner Kunst gemacht (Passt das Bild ins Wohnzimmer des potenziellen Käufers?). Mir gefiel auch der Mut zur großen Inszenierung, z.B. bei Lisah, die im stockfinsteren Keller ihre Miniaturwelten in Gläsern ausstellte.
Auffällig war außerdem, dass die beteiligten Künstler lauter junge Menschen waren. Üblicherweise sieht man in den Schondorfer Galerien ja eher Ü40-Kunst. Ich meine das nicht wertend, aber es hat gut getan zu sehen, dass es in der Ammersee-Kunstszene auch frisches Blut gibt.  
Und noch einen weiteren Unterschied zu den üblichen Kunstausstellungen gab es: Zur Finissage fand eine ordentliche Party statt. Leider habe ich diese versäumt, ich hätte mir gerne die verschiedenen DJ Sets oder Sascha Vaymer's experimentelle Cellomusik angehört.
Jedenfalls scheint es recht lebendig gewesen zu sein, und angeblich gab es auch prompt Beschwerden einiger Nachbarn. Wo kämen wir da hin, wenn in Schondorf nicht pünktlich um 22:00 Uhr die Gehsteige hochgeklappt werden?
Ich hoffe, dass die Glashäuser noch eine zeitlang erhalten bleiben und ich noch mehr von Studio Global zu sehen bekomme. Beim nächsten Mal will ich die Abschlussparty keinesfalls versäumen.

Photos von Art Displayment

Hier noch einige Bilder von dieser Aktion, die mir Valentin Hesch netterweise zur Verfügung gestellt hat.
Studio Global in der ehemaligen Gärtnerei Dumbsky
Photo © Valentin Hesch

Studio Global in der ehemaligen Gärtnerei Dumbsky
Photo © Valentin Hesch


Studio Global in der ehemaligen Gärtnerei Dumbsky
Photo © Valentin Hesch


Studio Global in der ehemaligen Gärtnerei Dumbsky
Photo © Valentin Hesch











10/11/2017

Ausgezeichneter Denkmalschutz

Zum zweiten Mal vergibt heuer der Schondorfer Kreis seinen Gestaltungspreis für gelungene Gebäuderenovierung. Ausgezeichnet wird das prächtige Haus der Familie Wagner in der Landsberger Straße 42.

Gestaltungspreis für Bauernhaus

Gestaltungspreis für Bauernhaus in Schondorf am Ammersee
Dem Schondorfer Kreis ist die Erhaltung und Gestaltung des Ortsbildes ein besonderes Anliegen. Um hier private Initiativen zu würdigen, wurde der Gestaltungspreis ins Leben gerufen.
Erstmals vergeben wurde er vor zwei Jahren für die mustergültige Renovierung der Villa Schwarz in der Schondorfer Seestraße.
Heuer geht die Auszeichnung an die Familie Wagner in Oberschondorf. Mit großem Aufwand haben die Wagners ihr stattliches Anwesen in der Landsberger Straße 42 zu einer echten Zierde des Ortes gemacht. "Zur großen Freude aller Einwohner und Besucher," wie es in der Begründung so treffend heißt. Beide ausgezeichneten Häuser sind übrigens auch Stationen in dem von mir beschriebenen Historischen Spaziergang durch Schondorf.
Die Plakette des Gestaltungspreises wird am Samstag, 14. Oktober überreicht und am Haus angebracht. Die damit Ausgezeichneten und der Schondorfer Kreis freuen sich sicher über eine rege Teilnahme.

Gestaltungspreis Schondorf

14. Oktober 2017, 11:00 Uhr
Landsberger Straße 42
Schondorf am Ammersee

10/08/2017

Mein treuester Leser

Ich weiß, wer mein treuester Leser ist. Aufmerksam liest er jedes einzelne Wort in jedem Beitrag, folgt allen Links die ich setze, und sieht sich meine Photos ganz genau an. Er beobachtet sorgfältig, wann ich etwas Neues veröffentliche, sieht sich die Kommentare an, und wer, wann, wo einen Beitrag von mir teilt. Dieser treue Leser ist Facebook.

Wie gut kennt mich Facebook?

Sind Facebook-Nutzer durchschaubar?
Ich kann deshalb annehmen, dass mich Facebook inzwischen ziemlich gut kennt. Das ist ja auch das Ziel, meine Vorlieben genau zu studieren, um mir dann punktgenau die richtigen Werbeanzeigen vor die Nase zu setzen. Schließlich lebt das Unternehmen von den Werbeeinnahmen, und je besser die Werbung passt, desto besser für Facebook.
Angeblich können die schlauen Algorithmen der Firma ja wahre Wunderdinge vollbringen. Bei der Entscheidung um den Brexit oder die amerikanische Präsidentenwahl sollen die sozialen Netze einen massiven Einfluss genommen haben. Weil sie ihre Nutzer so genau kennen, konnten sie jeden einzelnen mit der richtigen Botschaft ansprechen, und in die gewünschte Richtung manipulieren. So behauptet es zumindest der Big Data Experte Michal Kosinski von der Firma Cambridge Analytica (Das Magazin, Dez. 2016), auch wenn es an dieser Darstellung inzwischen Zweifel gibt (Die Zeit, März 2017)

Wie gut passen die Anzeigen

Jetzt wollte ich einmal herausfinden, wie gut mich Facebook wirklich kennt. Dazu habe ich mir einige Wochen bewusst die Werbung angeschaut, die mir dort als "empfohlener Beitrag" oder "geponsort" präsentiert wird.
Ich habe versucht, die einzelnen Anzeigen möglichst objektiv danach zu bewerten, ob sie für mich relevant sind. Dementsprechend habe ich sie mit Schulnoten bewertet:

1. Sehr Gut. Werbung für ein Produkt, nach dem ich nicht gesucht habe, dass mich aber trotzdem interessiert. Ein Beispiel dafür sind die sehr schicken Fahrradtaschen der Firma Zimmer, von denen ich noch nie vorher gehört hatte. Hier hat Facebook seine Hausaufgaben gemacht und aus meinem Verhalten Angebote entdeckt, die für mich relevant sind.

2. Gut. Mit Gut habe ich Anzeigen bewertet, wenn ich mich woanders schon über ähnliche Produkte informiert habe. Da wurden meine Likes und mein Surfverhalten offensichtlich richtig ausgewertet. Beispielsweise habe ich mir einen neuen Rasenmäher angeschafft, und mich davor natürlich über Tests, Bewertungen und Preise schlau gemacht. Prompt servierte mir Facebook Werbeanzeigen für Bosch Gartengeräte.

3. Mittel. Diese Kategorie sind Werbeanzeigen, die zwar nicht daneben liegen, für die man aber auch keine schlauen Algorithmen braucht. Ich bin ein älterer, weißer Mann, und lebe in einer recht wohlhabenden Gegend. Das macht mich zur Zielgruppe für Uhren, Sportwagen, HiFi-Anlagen und anderes Männerspielzeug. Nicht ganz falsch, aber das geht auch ohne aufwändige Big Data Analysen.

4. Schwach. Das ist Werbung, bei der ich mir zwar denken kann, wie Facebook darauf gekommen ist, die aber trotzdem daneben liegt. Zum Beispiel machen einige meiner Freunde gerne Fernreisen. Deshalb denkt Facebook anscheinend, ich möchte auch nach Bali, Namibia oder Rio fliegen. Will ich aber nicht.

5. Ungenügend. Hier hatten die angeblich genialen Facebook-Algorithmen wohl einen Schluckauf. Was bitte, soll ich mit einem Onlinekurs für Möbelverkäufer anfangen? Wozu brauche ich ein Gastronomie-Kassensystem, wenn ich kein Wirtshaus habe? Bei diesen Anzeigen ist mir schleierhaft, warum sie Facebook mir zeigt.

Facebook Anzeigen Relevanz
Relevanz von Facebook-Anzeigen

Der gläserne Nutzer

Das ist nun natürlich keine wissenschaftliche Unteruchung, und die Einteilung ist subjektiv. Die Tendenz dürfte aber schon in etwa passen.  Das Ergebnis ist für Facebook eher ernüchternd, für mich ist es beruhigend. Der gläserne Nutzer bin ich anscheinend noch nicht.
Der größte Anteil der Anzeigen (über 30%) wurde offensichtlich nur auf Grund von Alter, Geschlecht und Wohnort platziert. Bei anderer Werbung hat Facebook versucht, auf Grund meines Verhaltens das Richtige für mich zu finden. Dabei lag die Maschinenintelligenz sehr oft falsch (13%) oder völlig falsch (28%). Nur bei ungefähr einem Viertel der Werbeanzeigen haben die Algorithmen meine Interessen richtig erkannt.
Es würde mich interessieren, wie das bei euch ist. Haben die Werbeanzeigen in den sozialen Netzen eine ähnliche Trefferquote?

10/04/2017

O welch eine Tiefe des Reichtums!

Der Ausruf „O welch eine Tiefe des Reichtums" könnte von einem überwältigten Besucher des prächtigen Marienmünsters in Dießen stammen. Er kommt aber auch im "Paulus-Oratorium" von Mendelssohn Bartholdy vor. Das passt sehr gut, denn am 15. Oktober wird der "Paulus" im Marienmünster aufgeführt.

Chorfresko im Marienmünster
Marienmünster © Wikipedia

"Paulus" in Dießen

Mendelssohn Bartholdy war zeitlebens von der religiös–musikalischen Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben fasziniert.
Er war es, der die "Matthäus-Passion" wiederentdeckte, die nach dem Tod von Bach in Vergessenheit geraten war. Mit seinem "Paulus" bezieht er sich deutlich auf die großen Oratorien von Händel und Bach.

Mit dem Schondorfer Kirchenchor

Dass diese Dießener Aufführung im Schondorf-Blog angekündigt wird liegt daran, dass Schondorf hier wesentlich beteiligt ist.
Mendelssohn Bartholdy hat bei der Instrumentierung seines "Paulus" nicht geknausert. Bei der Uraufführung 1836 in Düsseldorf waren über 500 Musiker im Einsatz, darunter 364 Chorsänger. Das sprengt die örtlichen Kapazitäten, weshalb bei diesem Konzert der Dießener Münsterchor vom Kirchenchor Schondorf unterstützt wird.

Hervorragende Solisten

Nach diesem hochkarätigen Engagement war es für die Dießener sicher schwierig, Solisten auf ähnlichem Niveau zu finden. Das ist ihnen aber gelungen. Den "Paulus" singen am 15. Oktober die Sopranistin Bettina Gfeller (von der Deutschen Oper, Berlin) und die Mezzosopranistin Florence Losseau. Auch die männlichen Stimmen sind hochkarätig besetzt, nämlich mit dem Bariton Thomas Gropper (Arcis-Vocalisten Ensemble) und dem Tenor Robert Wörle, der im Frühjahr Erfolge an der Nationale Opera in Amsterdam feierte. Komplettiert wird das Aufgebot von dem Kammerorchester „Emsemble Lodron München“.
Man darf sich also auf allerschönste Musik in einem ebensolchen Rahmen freuen.

Paulus

15. Oktober 2017, 17:00 Uhr
Marienmünster
Dießen am Ammersee
Eintritt € 28,-

10/01/2017

Raiders of the lost Tigerente

Alles begann mit dem überraschenden Anruf eines Bekannten. Ich würde mich doch am Ammersee so gut auskennen, da könnte ich ihm sicher etwas über das Leben von Janosch bei uns sagen. Ich viel aus allen Wolken. Noch nie hatte ich davon gehört, dass der Schöpfer der berühmten Tigerente einmal am Ammersee gewohnt hat.

Janosch Tigerente enstand am Ammersee
© Janosch film & medien AG

Janosch am Ammersee

Also fing ich an im Internet zu recherchieren. Dabei fand ich tatsächlich einige Hinweise, dass Janosch in den 70er Jahren am Ammersee gelebt haben soll. Hier sei auch sein erster Roman "Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm"entstanden.
Ansonsten stieß ich bei Google nur auf ein Photo aus Greifenberg, das ein halb zugewachsenes Häuschens zeigt. Hier soll der Autor und Zeichner angeblich gewohnt haben. Sonst war nichts Genaueres zu finden, auch nicht auf der Website der Gemeinde Greifenberg.
Zum Glück sind die Menschen am Ammersee nicht kontaktscheu, und so kamen meine Nachforschungen kurz darauf ein ganzes Stück weiter. Bei einem abendlichen Bierchen im Steghaus Schondorf kam meine Frau mit unserem Tischnachbarn ins Gespräch. Der Herr kam aus Greifenberg und wir erzählten von unserer vergeblichen Janosch-Suche. "Ach der Janosch," meinte er, "klar kenne ich den, wir waren ja Nachbarn."

"Mangelnde Begabung" für die Kunstakademie

Ziemlich abgerissen sei der später berühmte Autor damals gewesen. Auch die Legende, dass Janosch seinen ersten Roman unter Zuhilfenahme von einundvierzig(!) Flaschen Gin geschrieben habe, scheint nicht völlig ohne Grundlage zu sein. Unter seinem bürgerlichen Namen Horst Eckert versuchte er als Stoffmusterzeichner seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Nebenher fing er an, unter dem Künstlernamen Janosch Kinderbücher zu zeichnen. Sein Kunststudium in München hatte er nach wenigen Semestern abbrechen müssen. Professor Geitlinger hatte ihm "mangelnde Begabung" attestiert. Traurig für Horst Eckert, aber im nachhinein betrachtet ein Glück für die Menschheit. Mit abgeschlossenemm Kunststudium hätte es den kleinen Bären und kleinen Tiger vielleicht nie gegeben.

Suche nach dem Haus von Janosch am Ammersee
Mit Spürhund und Tigerente auf der Suche

Ein Haus in Greifenberg

Jedenfalls verschlug es Janosch dann an den Ammersee, wo er sich in Greifenberg ein bescheidenes Häuschen baute. Wir hatten also eine heiße Spur. Im Internet fanden wir die Adresse unseres Gesprächspartners, und suchten mittels Google Earth die Nachbarschaft ab. Prompt ist da versteckt im Wald ein kleines, einsames Häuschen zu sehen. Mit diesem Wissen starteten wir unsere Suchexpedition und fühlten uns dabei wie Indiana Jones: Die Jäger der verlorenen Tigerente.

Die Forschungsexpedition

Begleitet wurden wir von unseren Freunden Christina und Jürgen Oliver Blank (5Blanks), unserem Spürhund Fräulein Rosa und (natürlich) einer Tigerente. Den Weg hatten wir uns gut eingeprägt. Hier dem Feld entlang, an der zweiten Abzweigung links, dann quer durch das Wäldchen und an der nächsten Biegung … die große Enttäuschung.
Was auf dem Satelitenbild wie ein Haus ausgesehen hatte, entpuppte sich als alter Stadel. Hier hatte mit Sicherheit niemand gewohnt, auch Janosch nicht. Also mussten wir uns nochmals an unseren Greifenberger Freund wenden. Der gab uns jetzt eine genauere Beschreibung der Lage, und uns wurde klar, dass wir am falschen Ende des Ortes gesucht hatten.

Wo kleiner Bär und kleiner Tiger gewohnt haben

Wohnhaus von Janosch am Ammersee
Das Haus sieht aus, wie aus einem Buch von Janosch
Eine Woche später traten wir erneut unsere Suche an, und dieses mal war sie von Erfolg gekrönt. Im Greifenberger Valloch stießen wir auf ein Haus, auf das die Beschreibung genau passte. Es ist inzwischen etwas baufällig, und wird den Spuren nach gelegentlich für Partys genutzt. Obwohl (oder weil?) es teilweise verwuchert ist, sieht es genauso aus, wie man sich ein Janosch-Haus vorstellt.
Laut seiner Biographie war der Autor in den 70er Jahren am Ammersee, bis er 1980 nach Teneriffa zog, wo er auch heute noch lebt.
Da "Oh wie schön ist Panama" 1979 erschienen ist, hat Janosch es höchstwahrscheinlich am Ammersee geschrieben.
Es war schon ein eigenes Gefühl, vor diesem Haus zu stehen. Hier hat die Tigerente zum ersten Mal mit den Holzrädern gequietscht. Hier ist der Geburtsort des kleinen Bären und kleinen Tigers, die mich und Millionen andere verzaubert haben. Hier ist Janosch auf der Terrasse gesessen, hat Abends in die Bäume geschaut und dabei von Panama geträumt.

Vom Ammersee bis Panama

Der Freund, der mit seinem Anruf unsere Suche ausgelöst hat, sammelt gerade noch mehr Material über Janosch. Das wird dann ab dem 8. Dezember in einer Ausstellung im Bauernhofmuseum Jexhof gezeigt. Ich freue mich jetzt schon darauf, mehr über Janosch und Tigerente, Panama und Ammersee zu erfahren.

Janosch: Vom Ammersee bis Panama

8. Dezember 2017 bis Mai 2018
Bauernhofmuseum Jexhof


9/27/2017

Größe im kleinen Format

Der berühmte Feldhase von Albrecht Dürer ist nur 25 x 23cm groß, und van Gogh brauchte für seinen „Sämann vor untergehender Sonne“ auch nur 32 x 40cm Leinwand. Größe hat also nichts mit Quadratzentimetern zu tun. Davon kann man sich sich ab 13. Oktober wieder beim "Kleinen Format" in Dießen überzeugen.

Produzentenausstellung in Dießen

Heuer schon zum achten Mal organisiert die rührige Dießener Künstlerin Annunciata Foresti die Produzentenausstellung "Das Kleine Format".
"Das Kleine Format" in Dießen am Ammersee
Das Kleine Format 2015 © Annunciata Foresti
Diese Veranstaltung ist mittlerweile zu einer festen Größe im Kunstkalender der Ammerseeregion geworden. Über 3.000 Besucher kamen letztes Mal nach Dießen. Und die Kunstfreunde haben sich die Werke nicht nur angeschaut, sondern auch tüchtig gekauft.
Teilweise vielleicht deshalb, weil sich für kleinformatige Bilder in der Wohnung eher ein Platz findet, als für große Ölschinken. Wichtiger wird den meisten aber die Qualität der Arbeiten gewesen sein. Darum hat auch die Bayerischen Staatsgemäldesammlung schon auf dem Kleinen Format eingekauft. 

Oh, wie romantisch

Den teilnehmenden Künstlern wurde heuer ein Motto vorgegeben, nämlich "Romantik". Jetzt assoziiert man Romantik ja schnell mit Gefühlsduselei à la KuschelRock CDs. Kunstgeschichtlich hat diese Anfang des 19. Jahrhunderts entstehende Bewegung aber viel breitere Aspekte. Sie wandte sich von den bis dahin dominierenden Vorgaben der Antike ab. Anstatt die klassischen Vorbilder zu zitieren, wurden neue Gestaltungsmöglichkeiten gesucht. 

Mystisch, magisch und auch düster

Ab diesem Zeitpunkt hört die Kunst damit auf, die Wirklichkeit möglichst genau nachzuahmen, sondern sucht eigenständige Ausdrucksweisen. Nicht mehr nur die Natur, sondern der Künstler selbst produziert "das Schöne". 
Gleichzeitig verstanden sich die Romantiker als Gegenbewegung zur Aufklärung. Statt für die kühle Vernunft interessierten sie sich für das Mystische, Magische und auch das Düstere. Es wird spannend sein zu sehen, wie die Künstler im Kleinen Format den Begriff der Romantik interpretieren. 

Der Ammersee als Künstlersee

Das Kleine Format zeigt dabei eindrücklich, dass der Ammersee seinem Ruf als Künstlersee auch heute noch gerecht wird. Über vierzig Künstler zeigen ihre Arbeiten. Darunter sind viele bekannte Namen, wie Bernd Zimmer, Ernst Heckelmann oder der leider im Frühjahr verstorbene Hans Dumler.  
Die Ausstellung bringt einen abwechslungsreichen Mix künstlerischer Ausdrucksformen zusammen. Es gibt Malerei, Grafik, Photographie und Skulptur, aber auch Pflanzensamen (Alexandra Hendrikoff), Textarbeiten (Eva Zenetti),  Flugobjekte (Gerd Hoffmann), Glaskunst (Hans Jürgen Westphal) und Feuerwerkskörper (Nuë Ammann), 
Gemeinsam ist allen Arbeiten das (kleine) Format von höchstens 40 x 40cm. Aber wie eingangs schon gesagt: Die Größe von Kunstwerken hat nichts mit Quadratzentimetern zu tun.

Das Kleine Format

Blaues Haus, Prinz-Ludwig-Straße 23
Dießen am Ammersee
Vernissage: 13. Oktober 2017, 20:00 Uhr
Ausstellung: 14. bis 29. Oktober 2017
jeweils Freitag bis Sonntag, 14:00 – 18:00 Uhr
www.das-kleine-format.de/