Da bin ich daheim

Üblicherweise sind Gruß- und Vorworte eine recht langweilige Angelegenheit. Meistens liest man nette Plattitüden, mit denen die Beteiligten sich selbst und gegenseitig auf die Schulter klopfen. Dass es auch anders geht, zeigt ein Text von Martin Wölzmüller zu den Kreiskulturtagen 2017.

Blick auf Schondorf am Ammersee

Herkunft und Heimat?

Das Thema der heurigen Kreiskulturtage im Landkreis Landsberg ist "Schnittstelle Heimat". Martin Wölzmüller ist vom bayrischen Landesverein für Heimatpflege. Er macht sich im Vorwort zu dieser Veranstaltungsreihe Gedanken darüber, was Heimat eigentlich bedeutet.
Der Begriff wird ja oft deckungsgleich mit Herkunft verstanden: Da wo man geboren und aufgewachsen ist, da hat man seine Heimat. Das macht Heimat zu einer unverschuldet erworbenen Eigenschaft, so wie die eigene Haar- oder Hautfarbe.

Die heimatlose Hälfte

Das kann man so sehen, aber diese Einstellung zementiert auf ewig die Unterscheidung zwischen "Hiesigen" und "Zuagroasten", zwischen "uns" und "denen". Nicht unproblematisch in einer Zeit, in der immer weniger Leute ihr ganzes Leben an einem Ort verbringen.
Am Ammersee z.B. sind geschätzt gut die Hälfte der Menschen nicht hier geboren, sondern zugezogen. Kann dann nur die eine Hälfte der Bevölkerung einen Anspruch auf Heimat hier erheben? Was macht so etwas mit einer Gemeinschaft?

Gestaltung und Verantwortung

Martin Wölzmüller plädiert in seinem Text für eine andere Definition: Heimat als der "überschaubare Raum, in dem wir an der Gestaltung unserer nahen Welt mitwirken"; Heimat als die selbstgemachte Kultur von uns allen, unser Umgang miteinander, unser Einwirken auf die Welt um uns herum. Statt passiv irgendwo beheimatet zu sein, wird daraus bei Wölzmüller ein aktives "heimaten". 
Dieses aktive Gestalten ist auch an Verantwortung geknüpft. Der Heimatpfleger mahnt an die Verantwortung für überlieferte Kulturzeugnisse, Lebensweisen oder Baukultur. "Wer die Welt in seiner unmittelbaren Umgebung mitgestalten will, der sollte wissen, warum die Dinge so sind, so geworden sind, wie wir sie heute antreffen."
Den Satz sollten sich alle ins Merkbuch schreiben, die gerne vorschnell abreißen, wegmachen und modernisieren wollen. Wer glaubt, sich überlieferter Güter bedenkenlos entledigen zu dürfen, der überschätzt sich selbst und seine Zeit.
Wie gesagt, ich finde das ausgesprochen lesens- und nachdenkenswerte Gedanken. Der vollständige Text von Martin Wölzmüller ist hier: http://kreiskulturtage-landsberg.de/heimat-heute/

Auf Kollisionskurs

Ein Fest im Dorf ist an und für sich eine prima Sache. Zwei Feste sind normalerweise sogar noch besser, aber in Schondorf sorgen sie leider für schlechte Stimmung.

Kreiskulturtage am Ammersee

Heuer finden bekanntlich erstmalig Kreiskulturtage im Landkreis Landsberg statt. Neben einer ganzen Reihe kleiner, feiner Veranstaltungen, sollen drei große Ereignisse über den Landkreis verteilt die Besucher anziehen. In Landsberg ist das die Auftaktveranstaltung mit der Vergabe des Kunstpreises an den Holzbildhauer Bert Praxenthaler. In Hurlach, an der nördlichen Grenze des Landkreises, findet ein Konzert von Quadro Nuevo statt.

Straßenfest in Schondorf

Von Anfang an war außerdem ein Kulturfest am Ammersee geplant. Die Freude war groß, dass dafür Schondorf ausgewählt wurde. Für den 8. Juli wurde ein Straßenfest rund um den Schondorfer Bahnhof angesetzt. Es gibt Kunst, Musik, Handwerk, und natürlich auch was zum Essen und Trinken. Andreas Kloker plant eine Performance und die bekannten Stelzer aus Landsberg sind auch mit dabei.
Feine Sache. Nur hatte für genau diesen Tag auch die Schondorfer Wasserwacht ihr Jahresfest geplant, dem die Gemeinde mit dieser Veranstaltung sozusagen das Wasser abgräbt.

Terminkollision

Verständlich, dass die Mitglieder der Wasserwacht sauer sind. Sie hatten ihr Fest schon deutlich länger geplant und mit den anderen Vereinen am Ort abgestimmt. Obwohl bis zum 8. Juli noch ein halbes Jahr Zeit ist, konnte anscheinend keine der beiden Seiten einen Ausweichtermin finden. Auf Facebook hat die Wasserwacht nun angekündigt, dass das Fest heuer ausfallen wird.
Niemand wird der Gemeinde Schondorf hier böse Absicht unterstellen – ein Zeichen von Interesse und Wertschätzung der Arbeit der Wasserwacht ist es aber nicht. Da ist Porzellan zerschlagen worden, und der Ärger wird vermutlich noch länger anhalten.
Sehr schade, dass eine gute Idee zu solcher Mißstimmung geführt hat. Ich hoffe, dass das Kulturfest trotzdem die Menschen im Ort zusammenbringt und keine Gräben aufreißt.

Virenalarm

Ich habe ein Virenschutzprogramm installiert, öffne keine Anhänge in fremden Emails, und klicke nicht auf Facebookseiten, die mir mein wahres Sternzeichen, Alter oder Lebensziel offenbaren wollen. Trotzdem hat es mich erwischt. Vermutlich mit AH3N2.

Globuli und Schüsslersalze

Ich merkte es daran, dass die Betriebstemperatur des Kernels anstieg, die Systemperformance nachließ und auch der Zugriff auf den Speicher nicht mehr wie gewohnt funktionierte. Kurz gesagt, die Grippe hat mich erwischt.
Dem versuche ich jetzt mit Tee, Globuli und Schüsslersalzen beizukommen. Mir ist die Ironie schon bewusst, dass ausgerechnet der rationale, esoterikresistente Leopold Ploner zur Homöopathie greift. Ich mache aber auch das ganz rational. Die homöopathischen Mittelchen mögen keine nachgewiesene Wirkung haben, dafür sind sie auch frei von Nebenwirkungen.
Wenn es nichts nützt, kann ich später immer noch zur Pharmakeule greifen.

Luftkur am Ammersee

Außerdem ist Schondorf ein Luftkurort, da wird die heilsame Atmosphäre am Ammersee schon ihre Wirkung entfalten.
 Mit Fieber sieht der Ammersee einfach anders aus 
Bis dahin sammle ich erste Erfahrungen im Horizontalbloggen auf dem Sofa und schreibe hier gerade meinen ersten Beitrag auf dem iPad.
Das geht, auch wenn ich eine richtige Tastatur schon sehr vermisse und die Autokorrektur ständig versucht, mir Fallen zu stellen. Aus "Globuli" versucht das Programm unbedingt "Globalisierung" zu machen.
In ein paar Tagen sollte es mit Globuli und Hustentee wieder vorbei sein. Ich will mich nicht beschweren, es hätte auch schlimmer kommen können, z. B.  mit einem Männerschnupfen (Video hier auf YouTube).
Erste Erfanrungen im Horizontalbloggen 

Dö Dudel Dö

Ein Film über das Jodeln? Das klingt ja erst einmal nicht so prickelnd. Aber "Heimatklänge", den das Studio Rose am Sonntag, 12. Februar zeigt, eröffnet einen ganz frischen Blick auf diese alpenländische Gesangskunst.

Die Eiger-Nordwand

Vom Juchzen und andern Gesängen

Der Dokumentarfilm zeigt drei Musiker, die auf ganz unterschiedlichen Wegen zu den Heimatklängen gefunden haben.
Christian Zehnder gibt zu, dass er Jodeln scheiße fand. Erst nach einigen Umwegen über die Weltmusik kam er auf die Klänge seiner schweizer Heimat zurück. Noldi Alder dagegen stammt aus einer bekannten Musikerfamilie und spielte von klein auf zusammen mit den Alderbuebe traditionelle Volksmusik. Erika Stucky schließlich wuchs in Kalifornien auf, wollte angeblich Hula-Hula Tänzerin werden, landete aber schließlich in den Bergen des Wallis.
Zusammen machen die Drei mit dem Jodler ungefähr das, was Jimi Hendrix mit der Gitarre gemacht hat. Sie erweitern und verfremden die gewohnten Töne in ungeahnte Bereiche. Das geht in den Jazz, in die freie vokale Improvisation und in den mongolischen Obertongesang.
Der Film zeigt aufregende Seiten einer Musik, die sonst leider im Musikantenstadel versauert.

Heimatklänge

in der Reihe "Filme am Abend"
Studio Rose
Bahnhofstraße 35
Schondorf am Ammersee
12. februar 2017, 18:00 Uhr

Zur Einstimmung hier der Trailer zum Film.
(Falls der eingebettete Player nicht funktioniert, hier der Link zum Video auf YouTube)

Blogger-Hauptstadt am Ammersee

Niemand weiß genau, wieviele Blogs es in Deutschland gibt. Die Schätzungen reichen von mehreren Tausend bis zu über Hunderttausend.

Blogs pro Einwohner

Die Agentur OSK hat in einigen größeren Städten nachgezählt und fand in München 162 Blogs, in Leipzig 180 und in Hamburg 232. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahlen wären das in:
> München 0,1 Blogs/1.000 Einwohner
> Hamburg 0,13/1.000
> Leipzig 0,35/1.000

Da können wir nur milde lächeln, denn Schondorf bringt es locker auf das Fünffache, nämlich 1,75 Blogs pro 1.000 Einwohner. Damit ist Schondorf auf jeden Fall die digitale Hauptstadt des Ammersees, und vermutlich auch deutschlandweit ganz vorne mit dabei.
Obwohl hier nur rund 4.000 Menschen leben, werden bei uns sieben Blogs veröffentlicht: Das Blog von Renate Blaes, Sprechperlen, Nestbeschmutzer, Edition Blaes, die kunterbunte Katzenseite, Ammersee Fotoblog und mein eigenes Schondorf Blog.

Vorsprung weiter ausgebaut

Und wir sind dabei unseren Vorsprung weiter auszubauen. Seit Januar ist ein neues Blog, genauer gesagt ein Video Blog, aus Schondorf am Start. Oliver Le berichtet auf seinem YouTube-Kanal "Sozial mit Kopf" über die Dinge, die ihm durch den Kopf gehen.
Ich werde ihn demnächst einmal etwas ausführlicher vorstellen. Bis dahin schaut euch einfach mal seine Vlogs (Video-Blogs) an, abonniert seinen Kanal und spendiert ihm ein "Daumen hoch":
Sozial mit Kopf auf YouTube 

Morgenstimmung

Die Tage werden wieder länger. Damit wird es auch schwieriger, einen Sonnenaufgang zu erleben, wenn man nicht zu nachtschlafener Zeit aufstehen will. Ich habe eine dieser Gelegenheiten genutzt, und ein kleines Video im Zeitraffer von der Morgenröte am Ammersee gedreht.


Sonnenaufgang am Ammersee

"Ammersee Sunrise" entstand am Weingarten zwischen Schondorf und Eching.  In echt war es natürlich noch viel schöner, allerdings auch deutlich kälter als vor dem Computer.
Falls der eingebettete Player nicht funktioniert, hier der Link zum Video auf YouTube.

Die Musik im Film ist "Cold Morning" von Audionautix unter Creative Commons Attribution Lizenz (https://creativecommons.org/licenses/...)


Müll-Abfuhr

Wir kaufen ein wie nie zuvor, und schmeißen anschließend jede Menge in den Abfall, jährlich fast zwei Tonnen pro Famile. Die Müllabfuhr bringt das dann weg. Aber wo ist "weg"? Der Müll bleibt ja trotzdem auf unserer Erde.

Mit Müll beladener Handwagen

Ein Alltag ohne Abfall

Die Transition Region Ammersee will darum dem Müll eine Abfuhr erteilen. Bei diesem Thema wird die Verantwortung ja oft auf andere geschoben: Die Politik, die Supermärkte oder die Hersteller sollen etwas unternehmen.
Die Transition Ammersee "Müll-Abfuhr" am 4. Februar dagegen gibt praktische Tipps, wie jeder selbst Abfall vermeiden kann.
Lena Stoiber aus Regensburg lebt seit zwei Jahren nach dem Vorbild der amerikanischen  Müllvermeidungs-Pionierin Bea Johnson (hier im Video). Sie wird erzählen, wie das im Alltag funktioniert. Der Erfinder Jürgen Mrosek präsentiert ein Verfahren, um fast ohne Putzmittel sauber zu machen. Falls man doch noch Putzmittel braucht, dann zeigt Friederike Freytag wie man diese selbst und umweltschonend herstellen kann. Sylvia Haslauer vom Biomarkt LaVida in Utting erklärt, wie man schon beim Einkaufen unnötige Verpackungen vermeidet.
Zur Unterhaltung gibt es ein "Musik-Upcycling" mit Elena und Katrin Grassmann. Sicher sehr passend, denn auch in der Musik wird heute genug Müll produziert.

Dem Müll eine Abfuhr erteilen

Aula der Grundschule
Schondorf am Ammersee
4. Februar 2017
15:00 – 18:00 Uhr

Willkommen in der Wirklichkeit

Manchmal stellen wir uns Hilfe für die Dritte Welt etwa so vor: Barmherzige Europäer kommen in ein abgelegenes Dschungeldorf und überreichen mildtätige Gaben, worauf die Eingeborenen dankbar auf die Knie sinken, ein Freudenfest veranstalten und ihre Erstgeborenen nach den weißen Wohltätern nennen. Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus.
Flussturbine in Puerto Leguizamo
Photo © Empuleg Esp Leguizamo

Putumayo - Ammersee

Das zeigt sich am Beispiel der Klimapartnerschaft zwischen Schondorf am Ammersee und dem kolumbianischen Puerto Leguizamo am Fluß Putumayo.
Diese Partnerschaft begann im März 2015 mit dem Besuch einer Schondorfer Delegation im kolumbianischen Dschungel (Gegrillte Meerschweinchen und Spuckebier). Im September erfolgte dann der Gegenbesuch der kolumbianischen Partner am Ammersee (Gegenseitiges Lernen).
Ein erstes Zwischenergebnis war eine Putumayo Regenwald Schokolade (Der große Schoko-Test) und es wurden konkrete Projekte besprochen. Dazu gehörte der Aufbau einer regenerativen Energieversorgung, damit der Stromverbrauch nicht mehr ausschließlich über Dieselgeneratoren gedeckt werden muss.

Partnerschaft mit Hindernissen

Bis dahin verlief alles überraschend glatt, doch bei der nächsten Reise der Schondorfer nach Kolumbien kam die erste Ernüchterung. Mittlerweile hatten Wahlen stattgefunden, welche die Opposition an die Macht brachten. Diese tauschte nicht nur den Bürgermeister aus, sondern auch die gesamte Gemeindeverwaltung. Die bisherigen Ansprechpartner waren weg, die Planung der Klimaschutzprojekte begann praktisch bei Null.

Klagen und Verhaftungen

Differenzen gibt es auch mit Klaus Hecht, der das Klimapartnerprojekt ursprünglich angestoßen und Anfangs als Berater begleitet hat. Hecht berät in einer Nachbargemeinde von Leguizamo die Corporación Solano, die ebenfalls ein Solarenergie-Projekt am Start hat. Laut Süddeutscher Zeitung fühlt er sich "hintergangen, ausgenutzt und über den Tisch gezogen", und erwägt rechtliche Schritte gegen die Gemeinde Schondorf. Anscheinend hatte sich Hecht Hoffnung gemacht, dass Corporación Solano die Installation, Schulung und Wartung übernehmen würde.
Ende November 2016 folgte dann der nächste Schock. Der neue Bürgermeister Juan Carlos Paya war von den Bundesbehörden unter Korruptionsverdacht verhaftet worden. Er soll gegen Bestechung die illegale Goldwäsche mit giftigem Quecksilber erlaubt haben.

Menschen wie du und ich

Über diese Rückschläge lässt sich leicht spotten, aber haben wir Grund dazu? Sind Verzögerungen bei öffentlichen Baumaßnahmen oder Bürgermeister unter Korruptionsverdacht in Deutschland etwa undenkbar? So sieht die Wirklichkeit nun mal aus, auch in Kolumbien.
Seit den Zeiten von Karl May verklären wir fremde Völker gerne zu edlen Wilden. Unbeschädigt von unseren kapitalistischen Charakterdeformationen lebten sie harmonisch im Schoß von Mutter Erde. Dabei gibt es auch dort politische Querelen und pragmatische Lösungen, Aufbruch und Trägheit, engagierte Bürger und Schlitzohren - ganz normale Menschen wie bei uns.

Elektroboot mit Stromtankstelle

Flussturbine in Puerto Leguizamo
Wartungsplattform für Flussturbine
Photo © Empuleg Esp Leguizamo
Erfreulich ist, dass trotz aller Hindernisse die Klimapartnerschaft erste konkrete Ergebnisse zeigt. Als umweltfreundliche Transportmöglichkeit wurden ein Elektroboot (von der Gautinger Firma Torqueedo) und eine dazugehörige Stromtankstelle installiert. Dafür lieferte die Firma Smart Hydro Power ein Komplettpaket aus 5kW Flußturbine, Photovoltaik und Batteriespeicher. Inklusive Transport, Zoll und Aufbau kostete das Projekt rund € 60.000, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit finanziert werden.
Auf Schondorfer Seite ist Gemeinderätin Stefanie Windhausen-Grellmann sehr für das Projekt engagiert, und war dafür bereits mehrfach in Kolumbien. Wer mehr über die Klimapartnerschaft wissen möchte, findet schöne Beschreibungen und Photos in ihrem Blog Sprechperlen und in einem Beitrag in der Gemeindezeitung "Einhorn".

Teurer Technologietransfer

Was mir persönlich an diesem und ähnlichen Projekten nicht so gefällt, ist die Verteilung der finanziellen Mittel. Der Großteil des Budgets ging bislang an die Technologielieferanten in Deutschland, an Spediteure und Fluggesellschaften, die ein gutes Dutzend Tickets München - Bogota und retour verkaufen konnten. Eigentlich ist das mehr heimische Wirtschaftsförderung als Entwicklungshilfe.
Oder sehe ich das zu eng?

Ich liebe es!

Der Ammersee im Winter
Alle reden vom Wetter – ich auch. Allerdings nicht um über Eis und Kälte zu schimpfen, sondern weil ich mich über einen richtigen Winter am Ammersee freue. Die Luft ist unglaublich klar, das Eis auf dem See knackt, die Kälte britzelt auf der Haut, und es ist wunderbar ruhig, weil sich kaum jemand nach draußen traut.

Ein richtiger Januar

Das erinnert mich an die Winter meiner Kindheit. Wenn ich wieder einmal viel zu lange am Rodelhügel war, nach Hause kam und die Fingerspitzen brannten wie Feuer, wenn sie langsam wieder warm wurden. Nie hat der heiße Kakao besser geschmeckt.
Wenn ich mir etwas wünschen würde, dann vielleicht ein bisschen mehr Schnee. Aber ich will nicht unbescheiden sein.

-19°C am Ammersee

Für alle, die über Temperaturen von -19°C klagen, habe ich zwei Dinge zum Trost:
1. Mein Freund Andrey in Jekaterinenburg hat gerade -30°C und jammert nicht.
2. Der nächste Frühling kommt bestimmt.

Kirche St. Anna in Schondorf im Winter
Etwas mehr Schnee wäre schön,
dann könnte ich öfters mit den Skiern spazieren laufen.

Winterwald am Ammersee
In der Morgensonne ist der Winterwald zauberhaft.

Einhorn mit Bart aus Eis
Unserem Einhorn wächst ein Bart aus Eis.

Installation am Ammersee Skulpturenweg
Im Winter leuchten die "Fungi Ranftlea Ammerseensis"
besonders schön

Winter am Ammersee
Der Raureif sorgt für bezaubernde Eiskristalle

Verschneites Surfbrett am Ammersee
Den Surfern ist es zu kalt. Warmduscher!



Der Nobelpreis, Lyrik und Sänger

Als Bob Dylan 2016 den Literaturnobelpreis erhielt, waren einige Traditionalisten empört. Die höchste Auszeichnung der Literatur für einen Liederschreiber und Sänger? Skandal!
Der Flamenco Gitarrist Ricardo Volkert

Musik und Poesie

Dabei ist die Verbindung von Poesie und Gesang viel älter als Gedichte oder Romane in Buchform. Schon die Minnesänger des Mittelalters, die Griot in Westafrika und vermutlich auch Homer haben ihre Reime zu musikalischer Begleitung vorgetragen. Zumindest hatten die antiken Griechen nur den gemeinsamen Begriff Μουσική für Musik und Poesie.
Die Buchhandlung Timbooktu bringt diese schöne Tradition am 26. Januar an den Ammersee. Der Flamenco-Gitarrist Ricardo Volkert singt spanische Gedichte von Federico Garcia Lorca, Pablo Neruda oder Antonio Machado, die er selbst vertont hat.

Wärme in kalten Zeiten

Viele der Texte stammen aus der Zeit des spanischen Bürgerkriegs. Es geht um Glück und Leid, Krieg und Flucht, Liebe und Hoffnung. Alles sehr zeitgemäße Themen. Auch wenn ich kein Spanisch verstehe, gehen mir diese Lieder unmittelbar unter die Haut. Außerdem geben die seelenvollen andalusischen Töne etwas Wärme in dieser kalten Zeit.
Bekanntlich ist die Buchhandlung Timbooktu nicht besonders groß, man sollte sich Karten für das Konzert also rechtzeitig reservieren.

Ricardo Volkert: Poesie mit Gitarre 

Buchhandlung Timbooktu
Bahnhofstraße 24
Schondorf am Ammersee
26. Januar 2017
Beginn 19:30 Uhr
Eintritt € 8

Video: Cuentos del Sur

Zur Einstimmung hier das Lied "Marinero en Tierra" aus dem Album "Cuentos del Sur" von Ricardo Volkert und Jost Hecker. 
(Falls der eingebettete Player nicht funktioniert, hier der Link zum Video auf YouTube)




Neues Berufsbild

Unsere Gemeindezeitung Einhorn hat meine Aufstellung von denkmalgeschützten Gebäuden in Schondorf veröffentlicht (Teil 1 in der Ausgabe Herbst 2016, S. 8 und Teil zwei im Winter 2017, S. 7). Das hat mich sehr gefreut und natürlich auch stolz gemacht.
Fußspuren im Schnee
Den schönsten Kommentar dazu gab Heiner Otter, Wirt vom Steghaus. Als ich auf ein Bier bei ihm war, fragte er mich, ob dieser Artikel das Ergebnis meiner "spaziergängerischen Tätigkeit" sei.
Ich finde den Ausdruck "spaziergängerischen Tätigkeit" einfach wunderbar. Er gibt meinem beschaulichen Umherwandern fast schon den Anstrich einer ernsthaften Beschäftigung.
Ich muß mir das für den nächsten Party Smalltalk merken:
"Und was machen Sie so?"
"Och, ich bin spaziergängerisch tätig."

Wege am Ammersee

Die Route des historischen Spaziergangs durch Schondorf gibt es – samt Photos und interaktiver Karte – hier auch Online.
Allen anderen Schondorfer Spaziergängern möchte ich noch einen weiteren Beitrag aus dem Einhorn empfehlen. In der Sommerausgabe 2016 hat Susanne Sticker das Netzwerk der Fußwege in Schondorf beschrieben und auf einer Karte eingezeichnet. Sie ruft dazu auf, diese Wege öfters mal zu begehen, denn: "Erst das System der Wege bringt Leben in die Flur."
Vielleicht können wir hier ja noch mehr Vorschläge für schöne Spazierwege in Schondorf und am Ammersee sammeln. 

Weniger ist mehr

Auch am Ammersee ist weniger manchmal mehr. Ich mag zum Beispiel am Winter, dass der See dann weniger von Touristen überlaufen ist, und dass es weniger, genauer gesagt keine, Mücken gibt.
Um diese auch im Sommer zu dezimieren (die Mücken, nicht die Touristen) möchte eine Gruppe in Zukunft BTI einsetzen.

Ein Vogel fängt eine Eintagsfliege Eingriffe in die Natur

Mit dem Bakterium BTI werden im Frühjahr die Brutflächen der Stechmücken besprüht und die Larven sterben ab (Genaueres dazu im Beitrag "Bzzzzzzz!"). Am Chiemsee wird das Verfahren schon seit einigen Jahre angewandt.
Ich bin erst einmal skeptisch bei solchen Eingriffen in die Natur, weil die Folgen oft schwer abzusehen sind. Lieber ist es mir in diesem Fall, die natürlichen Feinde der Mücken zu stärken. Auch dazu gibt es bereits eine Initiative: Die Schondorfer Ammerseemücken, die Nistkästen anbringen um wieder mehr Schwalben an den Ammersee zu locken (siehe Bericht im Landsberger Tagblatt).

Notwehr gegen Plagen

Andererseits ist mir schon klar, dass wir ständig in die Abläufe der Natur eingreifen. Täten wir das nicht, würden wir nicht so bequem und lange leben, wie das heute für uns normal ist. Wir bauen Dämme gegen Hochwasser, schützen Ackerland vor Wildschweinhorden und holen uns bei Grippe Medizin aus der Apotheke.
Wir müssen die Plagen der Natur nicht duldend ertragen. Das gilt auch für die Mückenbekämpfung. Ich bin beispielsweise durchaus für den Einsatz von BTI in Ländern wie Brasilien. Dort versprüht man es gegen die Tigermücken, um eine Zika-Epedemie zu verhindern (siehe Spiegel Online).
Auch in Burkina Faso wird das Bakterium eingesetzt, um die Übertragung von Malaria zu unterbinden.
Kampf gegen das Zika Virus in Brasilien
Wichtig erscheint mir, dass sich solche Eingriffe auf das Notwendigste beschränken und nicht zum Normalzustand werden. Am Ammersee gibt es nun mal Mücken, das alleine darf noch kein Grund für das großflächige Versprühen von Insektiziden sein.

Nur bei extremen Bedingungen

In diesem Sinne hat es mich etwas beruhigt, dass der Einsatz von BTI nicht als Dauerzustand geplant ist, sondern als Notfallmaßnahme. Das Bakterium soll nur dann versprüht werden, wenn sich im Frühjahr durch Überschwemmungen ein extremer Mückensommer abzeichnet. Am Chiemsee wurde das Mittel anscheinend zuletzt vor drei Jahren eingesetzt.
In der Facebook-Gruppe Keine Mückenplage am Ammersee wird erklärt, dass als erstes eine Kartierung der Überschwemmungsflächen erfolgen soll. Biologen sollen in diesen Gebieten die Mückenlarven zählen und die vorkommenden Arten bestimmen. Erst bei Hochwasser und einer bestimmten Anzahl von Mückenlarven wird dann BTI versprüht.

Dafür oder dagegen?

Bin ich nun für oder gegen die Mückenbekämpfung mit BTI? Vom Gefühl her bin ich immer noch dagegen, allerdings nicht mehr so entschieden wie vor einigen Monaten. Wenn das Mittel wirklich nur in extremen Mückenjahren eingesetzt wird, kann ich damit leben.
Wegen mir braucht das Bakterium allerdings nicht versprüht werden. Ich habe letztes Jahr nichts von einer Mückeninvasion gemerkt und wurde nicht öfter gebissen als frühers. Dass es am Ammersee nun mal Mücken gibt, war mir klar bevor ich hierher gezogen bin.
Deshalb gilt für mich auch beim Einsatz von Insektiziden: Weniger ist mehr.
Was meint ihr: Brauchen wir die Mückenbekämpfung am Ammersee oder ist die Situation gar nicht so schlimm?

Optische Täuschung

Auf den ersten Blick sieht das aus wie ein Loch in einem Baumstamm. Ungewöhnlich, aber manchmal kommt das vor, dass sich ein Stamm teilt und weiter oben wieder zusammenwächst.
Das ist aber eine optische Täuschung: In Wirklichkeit ist es das am leichtesten zu übersehende Kunstwerk am Ammersee Skulpturenweg.

Kreislauf des Lebens

Die "Reflexion" von Axel Wagner ist ein in einen toten Baum eingelassener Spiegel. Dieser Spiegel reflektiert den gegenüberliegenden Wald.
So spiegelt sich das Lebendige im Abgestorbenen, das Neue im Alten. Ich sehe diese Skulptur als eine Reflexion über den Kreislauf des Lebens. Irgendwann wird die abgestorbene Eiche umstürzen, zerfallen und so wieder zum Nährboden für Neues werden.

Genau hinsehen

Das fügt sich sehr gut in die urwüchsigen Natur am Ammerseeufer. Ich finde, die "Reflexion" passt auch deshalb so gut zum Skulpturenweg, weil sie zum genauen Hinschauen erzieht. Alleine um sie überhaupt zu entdecken, muss man den Wald am Wegesrand aufmerksam betrachten. Ich habe selber recht lange gebraucht, um diese Installation zu entdecken. 
Wer die Skulptur partout nicht finden kann: Sie steht am Weg von Schondorf nach Eching, gegenüber der auffälligen blauen "Welle" von Hans Illner.

Hoffnungsschimmer

Ich habe natürlich keine Kristallkugel um die Zukunft vorherzusagen und weiß auch nicht, was das neue Jahr mir bringen wird. Prinzipiell kann ich aber 2017 recht entspannt und optimistisch entgegensehen. Große Nöte drücken mich nicht, und die kleineren Sorgen sind doch recht banal.

Der Ammersee am frühen Morgen

Sorgen und Nöte

Das ist schon einmal besser als bei vielen anderen Leuten. Dazu muss ich gar nicht in entfernte Gegenden und Krisenregionen blicken. Auch hier am Ammersee gibt es Menschen, die mit Sorge auf das kommende Jahr, ja auf die kommende Woche schauen. Zum Beispiel weil der Kühlschrank kaputt und kein Geld für die Reparatur da ist.
Oder weil sie nach Krankheit, Arbeitslosigkeit und Wohnungskündigung nicht einmal mehr die Telefonrechnung bezahlen können.
Oder weil eine alleinerziehende Mutter nicht das Geld für das Essen im Kindergarten hat.

Ammersee Gemeinsam hilft

Das sind einige der Fälle, bei denen letztes Jahr Ammersee Gemeinsam den Betroffenen geholfen hat. Dieser Verein ist oft der letzte Hoffnungsschimmer für Menschen in akuten Notlagen. Die Hilfe ist pragmatisch und unbürokratisch, und es wird akribisch dokumentiert, wo das Geld hingeht. Auf der Website kann man genau nachlesen, wie der Verein Hilfe leistet.
Zusätzlich zu diesen Einzelfallhilfen betreibt Ammersee Gemeinsam auch zwei Kinderbetreuungsstätten und ein Sozialmobil, um hilfsbedürftige Menschen zum Arzt oder zum Einkaufen zu bringen.

Solidarität mit Schwächeren

Es gibt natürlich unzählige Möglichkeiten Gutes zu tun, aber bei Ammersee Gemeinsam geht die Hilfe ohne Umwege an die Menschen vor unserer Haustür.
Ich finde diese Solidarität mit den schwächeren Mitgliedern unserer Gesellschaft eine wichtige Sache, und unterstütze gerne Ammersee Gemeinsam. Das kann man als Mitglied tun oder auch durch eine einmalige Spende: 
Stiftung Gemeinsam
Spendenkonto
Sparkasse Schondorf
IBAN: DE88 7005 2060 0000 2032 40
BIC: BYLADEM1LLD
P.S. Nach dem Spenden bitte nicht vergessen, diesen Beitrag weiter zu teilen ;-)

Schau mal in den Garten

Vom 6. bis 8. Januar veranstaltet der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) die "Stunde der Wintervögel". Dabei zählen Freiwillige in ganz Bayern wie viele Vögel sie in einer beliebigen Stunde sehen, und geben diese Daten an den LBV weiter.

Blick in einen verschneiten Garten

Langzeitstudie zu heimischen Vögeln

Sinn der Aktion ist es, fundierte Erkenntnisse über das Verhalten unserer heimischen Vögel im Winter zu erhalten. Wie passen sie sich z. B. am Ammersee an die kalte und futterarme Jahreszeit an? Welche Arten werden durch Winterfütterung gefördert, welche nicht? Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Vögel im Winter aus?

Blaumeise oder Grünfink

Mitmachen ist prinzipiell recht einfach. Man setzt sich am kommenden Wochenende zu einer beliebigen Stunde hin und beobachtet den eigenen (oder auch einen fremden) Garten. Dabei schreibt man auf, welche Vögel man wie oft sieht und schickt die Ergebnisse an den LBV.
Wie gesagt, prinzipiell ganz einfach, wenn man sich mit den Federtieren etwas auskennt.
Ich selbst habe ja größte Schwierigkeiten Sperling und Buchfink, Kohlmeise und Zeisig auseinander zu halten. Zum Glück gibt es auf der Seite des LBV ein Vogel-Wiki mit Bildern und Steckbriefen der 25 häufigsten heimischen Vogelarten.

Buchfink
Photo © Andreas Giessler
Zi zi zi zizizizi Würzgebier

Dort habe ich zum Beispiel gelernt, dass der Buchfink (Fringilla coelebs) eine rotbraune Brust, markante weiße Flügelbinden und eine blaugraue Kappe hat. Sein Gesang besteht aus schmetternden Strophen und klingt nach „zi zi zi zizizizi würzgebier”. Allerdings warnt die Beschreibung, dass "zahlreiche individuelle Varianten und Dialekte" vorhanden seien.
In Teilen Schwabens sei der Buchfink auch unter dem Namen Kotfink oder Dreckjochel bekannt, was sich auf seine Lebensweise beziehe. Alles klar.
Mal sehen, ob ich am Wochenende einen von diesen kleinen Dreckspatzen am Ammersee sehe.

Stunde der Wintervögel

6. - 8. Januar 2017
www.stunde-der-wintervoegel.de

Tops und Flops

Zeit für den Jahresrückblick im Schondorf Blog. Was waren 2016 die meistgelesenen Themen, was die strittigsten, und was die uninteressantesten? Hier die Top 3 jeder Kategorie.

Bootshäuser im Ammersee bei Schondorf

Die Meistgelesenen

Ich habe kein großes Vertrauen in das Statistikmodul meiner Software-Plattform Blogger. Die Anzahl der Seitenaufrufe scheint etwas sehr optimistisch ausgewertet zu werden. Aber relativ zueinander werden die Zahlen schon ungefähr passen, und hier geht es ja nur um die Reihenfolge. 

1. Umweltschutz als Team-Event

Die Einladung zum freiwilligen Müllsammeln am Ammersee wurde erfreulicherweise von vielen Leuten geteilt und weiter verbreitet. Knapp zwei Prozent der Leute, die den Beitrag gelesen haben, sind dann auch tatsächlich zum Müllsammeln gekommen. 

2. Anarchie auf dem Ammersee 

Das geplante Polizeibootshaus in Holzhausen bewegt die Gemüter weit über Schondorf hinaus am ganzen Ammersee. Dementsprechend oft geteilt und gelesen wurde der Beitrag darüber.  

3. Deutsche Glasfaser greift zur Geheimwaffe 

Über das Glasfaser-Internet am Ammersee habe ich mehrere Beiträge geschrieben, und alle rangieren in der Aufmerksamkeit weit oben. Dass am Ende anscheinend Weißwurst und Brezen den Ausschlag gaben, fanden die Leser (und ich auch) äußerst bemerkenswert.  

Strittig diskutiert

Ich habe ja schon öfters gesagt, dass mir Kommentare viel wichtiger sind als Seitenaufrufe. Bei diesen Beiträgen konnte ich mich über ungewöhnlich rege Beteiligung der Leser freuen. 

1. Fortschritte bei den Fortgeschrittenen 

Die Bebauung des Prix-Geländes sorgt nicht nur in diesem Blog, sondern in ganz Schondorf für hitzige Diskussionen. Das wird vermutlich auch 2017 so bleiben. 

2. Deutsche Glasfaser greift zur Geheimwaffe

Schon wieder Deutsche Glasfaser... 

3. Kommt der GLEXIT?

... und noch einmal Glasfaser Internet. Ich habe das Gefühl, auch dieses Thema wird im kommenden Jahr recht weit oben stehen.  

Weitgehend unbeachtet

Und hier die Schlusslichter

100. Hunde bitte!

Ein Schnappschuss und ein paar launige Sätze dazu. Das hätte ich selbst wahrscheinlich auch nicht gelesen.  

101. Ganz leicht zu merken

Entweder der Fahrplan der Ammerseeschifffahrt ist tatsächlich allgemein bekannt, oder das Thema war in der Überschrift einfach zu gut versteckt.  

102. Die Klage

Hier habe ich tatsächlich Grund zur Klage, nämlich darüber, dass Beiträge über Veranstaltungen im Studio Rose generell recht wenig gelesen werden.

Liebe Leser, das wäre doch ein Vorsatz für 2017: Ereifert euch nicht nur über Politik und Bauvorhaben, sondern freut euch auch an den schönen Dingen hier am Ammersee, z. B. über die - immer sehr sehenswerten - Ausstellungen im Studio Rose.
Und lasst gerne öfters von euch hören.

Tinitus Alarm

Das neue Jahr wird fast überall mit Raketen und Böllern begrüßt. Am Ammersee ist der Krach aber nicht nach Mitternacht vorbei, sondern geht am 1. Januar erst richtig los. 

Historische Kanonen am Ammersee

Historische Kanonen

Beim traditionellen Neujahrsschießen in der Schondorfer Seeanlage hat sich eine Bekannte von mir schon mal einen Tinitus geholt. Gefeuert wird aus gut einem Dutzend Handböller (sehr laut) und Kanonen (noch viel lauter), die teilweise über 100 Jahre alt sind (wirklich mörderisch laut).
Wer lärmempfindliche Haustiere hat, versteckt sich ab 14:00 Uhr am besten mit ihnen im Keller. Wenn man das Spektakel live miterleben will, sollte man besser Ohropax mitbringen.
Weitere Informationen zu den verschiedenen Böllertypen, eine Photogalerie und die Möglichkeit zum Mitmachen gibt es bei den Kanonieren Dießen

Hilfreiche Adressen

Wer nach der Kanonade unter anhaltendem Klingeln in den Ohren leidet, kann sich an einen dieser Spezialisten wenden:
HNO Praxis Eching am Ammersee
Am Windachfeld 11
82279 Eching am Ammersee
Telefon: 089 / 452 05 43 33
HNO Praxis Behrendt
Prinz-Ludwig-Straße 1
86911 Dießen am Ammersee
Telefon:  08807 91669

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Video vom Neujahrsschießen

2014 habe ich ein kleines Video vom Neujahrsschießen gedreht. Falls der eingebettete Player nicht funktioniert, hier der Link zum Video auf YouTube.


Weihnachten durch's ganze Jahr

Winterwald am Ammersee
Ein Gedicht für jeden Tag -
Worte, die ein jeder mag.

Lieder, die wir alle singen -
Gedanken, die uns Freude bringen.

Wärme, die wir uns erhoffen -
die Zukunft froh und jedem offen.

Dann ist Weihnacht durch's ganze Jahr -
zusammen machen wir es wahr.
(B. Honegger)

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs frohe Festtage und ein schönes Weihnachtsfest. 

Das muß mal gelüftet werden

Ich glaube es war im April, dass für die Bürgerbeteiligungskampagne Schondorf 2025 ein eigenes Logo vorgestellt wurde. Leider fristet es nun ein verstecktes Dasein in der zweiten Ebene der Website Schondorf am Ammersee. Veranstaltungen unter diesem Logo gab es seither nämlich keine mehr. Darum habe ich es jetzt mal hervorgeholt, damit die Grafik ein bißchen an die frische Luft kommt.

Das Logo der Reihe Schondorf 2025

Veranstaltungen ohne Logo 

Am 16. Januar 2016 war die Auftaktveranstaltung der Bürgerbeteiligungskampagne Schondorf 2025 (In the year 2525). Rund 20 Bürger diskutierten darüber, wie man in Zukunft am Ammersee leben wolle. Es wurden gemeinsam Ideen zu den Bereichen Wirtschaft, Verkehr und Wohnen entwickelt.
Am 23. März wurde es dann konkreter. Beim Kreativabend Schondorf radelt ging es gezielt um die Situation der Radfahrer (Radfahren: Eine grüne Spinnerei?). Was kann die Gemeinde unternehmen, um das Fahrrad als Transportmittel attraktiver zu machen?
Die Ideen reichten hier vom Park&Bike Stellplatz über die Kennzeichnung fahrradfreundlicher Straßen bis zur Do-it-yourself Werkstatt.

Logo ohne Veranstaltungen

Etwa im April wurde dann das Logo für die Reihe Schondorf 2025 präsentiert. Nur Veranstaltungen gab es seither keine mehr. Aber bis 2025 ist ja noch etwas Zeit. Vielleicht lebt die Bürgerbeteiligungskampagne 2017 wieder auf.

Mahlzeit!

Die Castoridae wissen anscheinend, dass sie bei uns durch die Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt sind, und hier recht ungestört leben können.

Biberspuren am Ammersee

Nager mit kräftigem Appetit

Der Biber hat sich schon vor einigen Jahren am Ammersee wieder angesiedelt. Gejagt werden darf er nicht, und seine natürlichen Feinde wie Wolf oder Luchs sind bei uns praktisch ausgestorben. Also kann er seelenruhig im See schwimmen, an Bäumen nagen und sich seine Burgen bauen. 
Am Ammerseeufer zwischen Schondorf und Eching scheint ein besonders fleißiges Exemplar am Werk zu sein. Er hat sich einen recht großen Baum vorgenommen und auch schon halb durchgeknabbert.
Nachdem was ich gelesen habe, macht er das, weil er nicht klettern kann. Er mag nämlich die jüngeren Zweige an der Baumkrone. Da er aber dort nicht hinaufkommt, wird kurzerhand der Baum gefällt.

Als Fastenspeise erlaubt

Man darf dem Biber bei uns zwar von Gesetz wegen nicht nachstellen, religiöse Bedenken bräuchte man aber nicht zu haben. Die christliche Lehre hat nichts dagegen, den Nager auf den Speiseplan zu setzen, selbst als Fastenspeise. Das Konstanzer Konzil von 1414 hat festgestellt: "Bezüglich des Schwanzes ist er ganz Fisch, und er ist als solcher gerichtlich erklärt durch die Medizinische Fakultät in Paris, und im Verfolg dieser Erklärung hat die Theologische Fakultät entschieden, dass das Fleisch während der Fastenzeit gegessen werden darf.“
Da hat es mich auch nicht überrascht, dass bei der Google-Suche nach Biberrezepten als erstes die Seite www.kirchenweb.at auftaucht, auch wenn man sich dort ausdrücklich von der Verwendung dieser Rezepte distanziert. Wer zufällig noch einen Castor Fiber in der Kühltruhe liegen hat, erfährt hier wie man Biberschlegel mit Speck und Trüffeln zubereitet.

Neues entsteht

Was da wohl wieder gebaut wird? Passt das überhaupt hierher? Und für so etwas muß das schöne alte Haus abgerissen werden? So oder ähnlich hat man vermutlich auch im 19. Jahrhundert am Ammersee diskutiert, wenn etwas Neues entstand. Vielleicht waren das genau die Fragen, die schon die Dorfpolitiker in Wilhelm Leibl's Gemälde von 1877 beschäftigten.

Bild von Wilhelm Leibl
Die Dorfpolitiker (Ausschnitt)

Villa Margret wird abgerissen

Jetzt ist es wieder einmal soweit, denn was sich schon länger abzeichnete, wird nun konkret: Die alte Villa Margret an der Point in Schondorf wird abgerissen, und durch einen Neubau ersetzt (siehe Aufregung um geplanten Abriss).
Erst einmal finde ich es sehr schade, dass ein Stück altes Schondorf verschwindet. Speziell weil das vormalige Wohnhaus von Julius Lohmann, dem Gründer der Landheim-Schulen, auch eine geschichtliche Bedeutung für unseren Ort hat.
Ein kleiner Trost ist, dass hier wenigstens nicht ein altes Haus einem Parkplatz geopfert werden soll, wie es bei der Güterhalle am Bahnhof angedacht wird. Hier verschwindet eine (sehr charmante) Ruine um neuen Wohnraum zu schaffen.

Regionaltypische Elemente

Jetzt zur oben angesprochenen, klassischen Frage: Passt das überhaupt hierher? Wahrscheinlich wurde das schon an den Stammtischen am Ammersee hitzig diskutiert, als die Villa Margret gebaut wurde.
Die Architekten Schneider Krümpelmann scheinen durchaus rücksichtsvoll vorzugehen. Auf der Website www.point8.immo sind bereits Pläne für das neue Haus zu sehen, und diese gefallen mir nicht schlecht. Zwar wird die neue Bebauung deutlich größer als die alte Villa, aber zum Glück wird das nicht in einem großen Quader hingeklotzt. Die Architekten haben sich sichtlich bemüht, örtliche Bautraditionen modern zu interpretieren.

Tradition modern interpretiert

Im Prinzip besteht das Ensemble aus zwei versetzten Häusern mit klassischen Giebeldächern, die durch eine Art Wintergarten verbunden sind.
Haus Margret am Lohmann-Weg in Schondorf
Die alte Villa Margret in Schondorf
So wie viele alte Häuser am Ammersee einen massiven Steinsockel mit hölzernem Aufbau haben, werden auch hier diese Materialien kombiniert.
Das Erdgeschoß hat eine rauhe Sichtbetonoberfläche. Obergeschoß und Dachstuhl sind mit Lärchenholz verschalt. Diese Verschalung ist nicht glatt, sondern in unterschiedlichen Tiefen und Breiten angelegt. Das sollte bei wechselndem Sonnenlicht interessante Schattenmuster ergeben. Auch die Loggia im Dachgeschoß ist ein Gestaltungselement, das man bei vielen älteren Häusern in unserer Gegend findet.
Wie gesagt, ich finde, das passt nicht schlecht ins Ortsbild - obwohl ich die Villa Margret natürlich trotzdem vermissen werde. 
Es würde mich interessieren, wie Architekturfachleute das beurteilen. 

Das virtuelle Skriptorium

Der Advent kommt immer so plötzlich. Gerade haben wir uns noch beim Sammersee-Festival in der Sonne geräkelt, plötzlich sind es nur noch wenige Wochen bis Weihnachten. Normalerweise verwandelt in dieser Zeit Andreas Kloker das kleine Atelier in der Schondorfer Bahnhofstraße 38 in ein Skriptorium. Das Schaufenster wird dann zum literarische Adventskalender mit täglich neuen Texten (siehe Poesie in der Bahnhofstraße).

Gedichte im Schaufenster in Schondorf am Ammersee

Der Advent kam zu plötzlich

Eigentlich hätte das auch heuer wieder so sein sollen. Angedacht war, Texte aus den Ländern und Sprachen zu veröffentlichen, die auch auf den Wänden des kleinen Häuschens zu sehen sind. Dann kamen aber andere Projekte dazwichen, die Zeit wurde knapp, und so fiel schließlich der Adventskalender aus.

Deine (Lieblings)gedichte

Schade, dachte ich mir, denn ich bin dort immer gern vorbeispaziert, um die tagesfrischen Gedichte zu lesen. Vielleicht können wir dieses Skriptorium aber hier zumindest virtuell entstehen lassen.
Schreibt doch einfach unten in die Kommentare eure Lyrik. Und wenn Du selber gar kein Händchen zum Dichten hast, teile eines deiner Lieblingsgedichte mit uns. Im Sinne des Skriptoriums gerne aus verschiedenen Teilen der Welt. Vielleicht etwas auf Spanisch oder Wolof, etwas von Rumi oder Tagore?

Ermunterung von Peter Altenberg

Ich mache mal den Anfang. Meine Sprachkenntnisse beschränken sich auf Deutsch, Englisch und Österreichisch, und ich habe mich für Letzteres entschieden. Dieses Gedicht des großen Cafehausliteraten Peter Altenberg ist eine Ermunterung, die eigenen Gedanken in die Welt hinaus zu lassen. Gib auf die feige Vorsicht...

Was der Tag mir zuträgt

Nicht dir und einem gib das Gute, das du gefunden auf deinen schweren Wegen, gib es allen!
Auf daß an deinem armseligen Erden-Wallen
der eine oder der andre Klärung finde!
Gib auf die feige Vorsicht, gleichgesinnten Herzen dich zu eröffnen
sei stark, wirf's in die Welt!
Und wenn in Fernen eine zarte Seele
erbebt beim Wort, das du ins All verkündet,
so wird der Schauer dieser Milden, Sanften,
hindringen durch die Welten bis zu dir!
Peter Altenberg aus "Was der Tag mir zuträgt"

Migranten am AmmerseeDie Sprache meiner Mutter

Die Außenmauer des Ateliers in der Bahnhofstraße. So wie hier sollten die Texte des heurigen Skriptoriums die kulturelle Vielfalt bei uns am Ammersee zeigen. 




Nach Süden statt nach Osten

Technische Großprojekte brauchen ihre Zeit. Das sieht man an Stuttgart 21, der Elbphilharmonie Hamburg (Photo) oder dem Radweg am Ammersee-Südufer. Zwar ist dessen Fertigstellung (wie beim Großflughafen Berlin) noch nicht absehbar, aber immerhin gibt es Neuigkeiten.

Baustelle der Elbphilharmonie Hamburg

Radweg am Ammersee Südufer

Schon seit Jahren kämpfen Radfahrer um eine vernünftige Verbindung am Südufer des Ammersees, von Dießen ostwärts nach Fischen. Die kürzeste Variante wäre entlang der Staatsstraße 2056 (siehe Radweg Birkenallee). Diese scheiterte bislang daran, dass der Weg - genauso wie die Staatsstraße - durch ein Vogelschutzgebiet führen würde. Zuletzt gaben die Bürgermeister der beiden Gemeinden eine Studie in Auftrag, um die Chancen einer Verwirklichung zu prüfen.

Machbarkeitsstudie Birkenallee

Diese Machbarkeitsstudie Birkenallee wurde nun fertiggestellt. Was genau drinsteht weiß ich nicht, weil ich keine öffentlich zugängliche Version gefunden habe. Laut der "Initiative Radwege am südlichen Ammersee" sieht die neue Studie durchaus Möglichkeiten, Radweg und Naturschutz unter einen Hut zu bringen.
Die Regierung von Oberbayern als zuständige Behörde interpretiert das Ergebnis ganz anders. Es habe sich keine Änderung an der bekannten naturschutzfachlichen Bewertung ergeben, und es werde darum kein Radweg gebaut. (Ob die Regierung das vielleicht anders sehen würde, wenn es nicht um einen Radweg, sondern um einen Skilift ginge?)
Dießen's Bürgermeister Kirsch hat das Projekt nach dieser Abfuhr aufgegeben, und will sich jetzt auf eine Radverbindung über Raisting konzentrieren. Die Dießener Planung richtet sich jetzt also nach Süden statt nach Osten.

...
Studie verpufft in der Regierung - weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/landsberg/Studie-verpufft-in-der-Regierung-id39765877.html
Radwege am Ammersee-Südufer
Von Dießen nach Fischen über die Birkenallee (oben)
und die Raistinger Schleife (unten)

Radweg Dießen - Raisting

Bei dieser Strecke Richtung Süden gibt es Fortschritte. Dießen und Raisting haben beim Landkreis den Bau eines Radweges zwischen den beiden Orten beantragt (Bericht im Landsberger Tagblatt).
Geplant ist eine Streckenführung von der Vogelherdstraße in Dießen über die bestehende Bahnbrücke und dann westlich der Kreisstraße nach Raisting.
Unproblematisch ist das nicht, weil auch diese Strecke auf einem halben Kilometer durch Naturschutzgebiet führt. Bund Naturschutz und Schutzgemeinschaft Ammersee haben aber anscheinend durchblicken lassen, dass sie mit dieser Lösung leben könnten.

Von Raisting weiter nach Fischen

Und was bedeutet das für die Radverbindung am Ammersee-Südufer nach Fischen? Die Strecke würde zumindest weniger gefährlich, weil man auf der "Raistinger Schleife" nicht mehr ungesichert auf der Kreisstraße fahren müsste. Radler die am See entlang von Norden kommen, müssten aber immer noch zweimal die Kreisstraße überqueren. Einmal in Dießen, um auf die Westseite der Bahnlinie zu kommen, und dann noch einmal in Raisting, um Richtung Osten weiterzufahren. Im Dießener Gemeinderat wurde zumindest schon einmal eine Unterführung angedacht, um Radfahrern ein sicheres Überqueren zu ermöglichen.
Neben der Frage einer sicheren Straßenquerung sind auch noch Nutzungsrechte zu klären. Die Gemeinden müssen noch mit einem Dutzend Eigentümern verhandeln, über deren Grundstücke der Radweg verlaufen würde.
Wie gesagt, technische Großprojekte brauchen eben ihre Zeit.

Das ist jetzt nicht PC, oder?

Meine Blogger-Kollegin Renate Blaes hat einmal einen Beitrag veröffentlicht, der recht hitzig diskutiert wurde. Es ging darin um Political Correctness - kurz PC.
Daran musste ich denken, als ich dieses Schild am Bahnhof in Dießen sah.

Bahnhofstoilette in Diessen am Ammersee
Progressive Sprachwächter 

Anlass für den erwähnten Beitrag war ein Text von Magnus Klaue. Dieser beschwert sich über "progressive Sprachwächter", denen er vorwirft "Sprache und ihre Verwendung permanent auf die Korrektheit der ihr zugrunde liegenden Gesinnung" zu überprüfen.
Das beschreibt recht genau die Idee der Political Correctness: Dass Frauen oder soziale Minderheiten nicht durch abwertenden oder gedankenlosen Sprachgebrauch diskriminiert werden sollen.

Feministische Linguistik

Sehen wir uns das obige Schild "Ankreideraum" mal unter dem Gesichtspunkt der Political Correctness an. Bedient es nicht das Stereotyp von der Frau, die vor der Bahnfahrt schnell noch das Make-up aufbessert?
Wird damit nicht suggeriert, die Frau müsse den eigenen Körper mit den Schönheitsnormen der Gesellschaft in Einklang zu bringen? Werden mit dieser Aussage nicht die überholten Rollenklischees einer sexistischen Gesellschaft reproduziert? 

Das Schild ist vermutlich überhaupt nicht politisch korrekt. Aber witzig finde ich es schon.

Schreckgespenst mit 28 Buchstaben

Das Wortungetüm versetzt Hausbesitzer in Angst und Schrecken, seit dem 9. November sogar noch mehr als zuvor. An diesem Tag fällte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof eine Entscheidung, die alle Gemeinden im Freistaat angeht, auch am Ammersee. Es geht um die (du hast es wahrscheinlich längst erraten) Straßenausbaubeitragssatzung.

Strassenpflaster mit Pfeil

Gemeinden müssen abkassieren

Im Kommunalabgabengesetz ist festgelegt, dass Gemeinden die Kosten für den Straßenausbau von den Anliegern einfordern sollen. Sollen heißt nicht müssen, sagt sich rund ein Viertel der bayerischen Kommunen. Auch Schondorf gehört zu den Gemeinden, die keine Straßenausbausatzung haben. Damit könnte in naher Zukunft Schluß sein.
Ins Rollen brachte die Angelegenheit Hohenbrunn, das seine Straßenausbaubeitragssatzung 2013 aufgehoben hatte. Das Landratsamt München beanstandete dies, und das Verwaltungsgericht München ordnete an, dass die Kosten an die Grundstücksbesitzer weitergeben werden müssen. Diese Entscheidung wurde nun vom Verwaltungsgerichtshof bestätigt (siehe Bericht in der Bayerischen Staatszeitung).

Hohe Kosten bei der Straßensanierung

Von der Erhebung des Straßenausbaubeitrags wird nur dann abgesehen, wenn die Gemeinde ohnehin genug Geld für die Baumaßnahmen in der Kasse hat. In Schondorf ist das nicht der Fall, hier beträgt der Schuldenstand aktuell rund € 7 Mio (siehe Spitzenstellung von Schondorf). Könnte also durchaus passieren, dass auch unsere Gemeinde dazu verpflichtet wird, Anwohner an den Kosten für Straßensanierung zu beteiligen.
Für Haus- oder Wohnungsbesitzer können dabei leicht vier- bis fünfstellige Summen fällig werden. Wenn jemand gerade knapp bei Kasse ist, kann so etwas existenzgefährdend sein.
Das wurde vom Gericht etwas abgemildert. Statt einer hohen Einmalzahlung können die Kommunen auch kleinere Beiträge über einen längeren Zeitraum kassieren. Dazu wird in einem Gebiet festgelegt, welche Straßenbaumaßnahmen anfallen. Die Kosten dafür werden dann auf alle Bewohner dieses Ortsteils umgelegt. In Rheinland-Pfalz, wo dieses Modell schon seit einigen Jahren angewendet wird, sind es anscheinend rund € 200 jährlich pro Haushalt.
Ich bin mal gespannt, was da auf die Wohnungs- und Hausbesitzer am Ammersee zukommt. 

Das ungeliebte Denkmal bleibt

Der Bahnhof von Schondorf am Ammersee ist ein denkmalgeschütztes Ensemble. Es besteht aus dem Bahnhofsgebäude, der daran anschließenden Sommerwartehalle und dem etwas abgesetzten Güterschuppen. Letzteren hätte eine Mehrheit der Schondorfer gerne abgerissen. Daraus wird aber nichts, weil das Denkmalamt Widerspruch einlegt.
Die Güterhalle beim Bahnhof Schondorf am Ammersee

Bürgerentscheid für Abriss 

Was mit der Güterhalle am Bahnhof passieren soll, sorgte in Schondorf schon für viele hitzige Diskussionen. Um das Thema endgültig zu klären, fand am 25. Mai 2014 ein Bürgerentscheid statt. Dabei sprachen sich 51,9% für einen Abriss aus (siehe Ergebnis des Bürgerentscheids).
Es mag schlaumeierhaft klingen, aber anschließend passierte genau das, was ich erwartet hatte: Das Landesamt für Denkmalschutz verbietet den Abriss (das Landsberger Tagblatt berichtet) und die Emotionen gehen hoch, dass hier der Bürgerwille übergangen werde (noch einmal das Landsberger Tagblatt).

Argument Verkehrssicherheit

Man kann sicher lange darüber streiten, warum ein bestimmtes Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wird (hier eine komplette Übersicht der geschützten Bauten in Schondorf). Wenn es aber denkmalgeschützt ist, kann es der Eigentümer nicht einfach nach Belieben abreißen (andernfalls würde es um unser bauliches Erbe wahrscheinlich düster aussehen). Jetzt ist der Denkmalschutz aber durchaus so flexibel angelegt, dass Ausnahmen möglich sind, wenn gewichtige Gründe dafür sprechen. Genau das war in diesem Fall die Argumentation der Gemeinde Schondorf.

Busspur am Schondorfer Bahnhof

Die Güterhalle sollte weg, um eine Busspur mit Haltebucht einzurichten. Das sollte die Verkehrssicherheit am Bahnhof, speziell für Schulkinder, verbessern. Auch hier könnte man wieder lange streiten, ob die Verkehrssituation an dieser Stelle tatsächlich so unsicher ist, und ob sie durch eine Haltebucht besser würde.
Jedenfalls zeichnete sich schon im November 2014 ab, dass aus der geplanten Busspur nichts werden würde (siehe Funkmast rettet Denkmalschutz). Für die dafür erforderlichen Flächen hat die Gemeinde Schondorf nämlich gar keine Planungshoheit. Diese liegt bei der Deutschen Bahn, und die wollte dem Projekt nicht zustimmen.

Entscheidung nach über zwei Jahren

Damit entfiel das Argument für einen Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes, und es ist nicht verwunderlich, dass das Landratsamt nun die Zustimmung verweigert (Verwunderlich ist höchstens, dass man für diese Entscheidung mehr als zwei Jahre gebraucht hat).
Ebenfalls nicht überraschend ist nun der Ärger bei vielen Schondorfern. Immerhin gab es zu der Frage ein Bürgerbegehren, ein Ratsbegehren und schließlich einen Bürgerentscheid mit klarem Ergebnis. Alles das ist nun Makulatur. Meiner Meinung nach war der Bürgeentscheid vor zwei Jahren etwas unglücklich formuliert. Man hätte vielleicht klar herausstellen sollen, dass weder die Gemeinde noch die Bürger einfach den Abriss eines denkmalgeschützten Gebäudes beschließen können. Der Abbruch war immer an die Zustimmung des Landratsamtes gebunden.

Ausatmen und entspannen

Es täte uns wahrscheinlich allen gut, uns bei dem Thema ein bisschen zu entspannen. Der Güterschuppen ist kein Baudenkmal vom Rang des Kölner Doms, aber auch kein katastrophaler Schandfleck für Schondorf. Die Entscheidung ist gefallen, und nun sollten wir das Beste daraus machen.
Es gibt so viele kreative Menschen in Schondorf, da fällt uns doch sicher eine schöne Nutzungsmöglichkeit für den schuppen ein.


Skulpturale Architektur

Ab 25. November zeigt das Studio Rose in Schondorf am Ammersee Artchitekturen von Otto Scherer. Nein, ich habe mich nicht vertippt, es sind tatsächlich keine Architekturen, sondern Artchitekturen. Um das zu erklären, schlage ich jetzt mal einen Bogen von Pürgen über Kronstadt nach Paris und zurück zum Ammersee.

Metallskulptur von Otto Scherer
© Studio Rose

Der Einfluss von Constantin Brâncuși

Otto Scherer lebt und arbeitet seit 1991 in Pürgen. Aufgewachsen ist er aber im rumänischen Siebenbürgen, und ist damit ein Landsmann des 1876 geborenen Constantin Brâncuși. Dieser ging 1904 nach Paris und entwickelte sich zu einem der prägenden Bildhauer der frühen Moderne. Heute erzielen seine Werke auf Auktionen achtstellige Beträge.
Anlässlich einer Ausstellung von Otto Scherer in den USA schrieb der Kunstkritiker Mark Jenkins in der Washington Post: "Mit ihren glatten und glänzenden Formen beschwören Otto Scherer's Arbeiten die stromlinienförmigen Metallskulpturen seines Vorbilds Constantin Brâncuși."

Ideengeber für Modigliani und Foster

Brâncuși's  strenge, reduzierte Skulpturen inspirierten viele Künstler, unter anderem auch Claes Oldenburg, Donald Judd oder Amedeo Modigliani. Scherer ist also in bester Gesellschaft.
Der Einfluss von Constantin Brâncuși beschränkte sich aber nicht auf die Kunst, sondern reichte auch in die Architektur. Einerseits dehnte er seine eigenen Arbeiten ins architektonische aus (z.B. die 30 m hohe "Endlose Säule"), andererseits inspirierten seine Formen Gebäude von Norman Foster oder Jean Nouvel. Kunst und Architektur trifft sich zur Artchitektur, womit wir wieder bei der Ausstellung in Schondorf wären. Es wird interessant werden zu sehen, wie Scherer die Ideen seines Landsmannes umsetzt und weiterentwickelt.
Passenderweise wird kein Kunsthistoriker die Einführung sprrechen, sondern der bekannte Architekt Wolf-Eckart Lüps.

Artchitekturen

Skulpturen von Otto Scherer
Vernissage:  Freitag, 25. November 2016, 19:30 Uhr
Ausstellung: 26./27. November und 3./4. Dezember 2016
jeweils 11:00 - 18:00 Uhr
Studio Rose
Bahnhofstrasse 35
Schondorf am Ammersee
www.studio-rose-schondorf.de

Eindrücke von der Vernissage

(Aktualisiert am 27. 11.)
Hier ein paar Photos aus der Ausstellung vom Eröffnungsabend.

Otto Scherer im Studio Rose, Schondorf am Ammersee
Wolf-Eckart Lüps (links) kommentierte die poetisch-
spöttischen Architekturphantasien von Otto Scherer (rechts)

Otto Scherer im Studio Rose, Schondorf am Ammersee
Laut Architekt Lüps könnte dieser Wolkenkratzer
tatsächlich realisiert werden

Otto Scherer im Studio Rose, Schondorf am Ammersee
Otto Scherer variiert das Thema Einfamilienhaus bis hin
zu einer Donald-Trump-artigen Version (im Hintergrund)

Otto Scherer im Studio Rose, Schondorf am Ammersee
Die Doppelhaushälfte konsequent weitergedacht zum
Achtelhaus-Achtel

Otto Scherer im Studio Rose, Schondorf am Ammersee
Selbstportrait mit der Skulptur "New York"

Ende der Badesaison

Für manche Hartgesottenen dauert die Badesaison am Ammersee zwölf Monate. Für zwei der bekanntesten von ihnen könnte aber das ganzjährige Badevergnügen jetzt vorbei zu sein. Die Skulpturen der beiden "Badenden" am Schondorfer Dampfersteg sollen wohl aus dem Wasser geholt werden.

Skulpturen im Wasser am Dampfersteg in Schondorf
Die beiden Badenden im Ammersee

Verkehrsverein löst sich auf

Der Grund ist das Ende des Schondorfer Verkehrs- und Verschönerungsvereins. Wie das Landberger Tagblatt berichtete, fand sich niemand mehr, der den Vorsitz übernehmen wollte.
Der Verein war 1934 gegründet worden, hauptsächlich als Vermittlungsstelle für Ferienzimmer am Ammersee. Diese Aufgabe hat sich inzwischen überlebt. Wer heute eine Ferienwohnung sucht, ruft nicht mehr beim Verkehrsverein an, sondern schaut auf den diversen Internetportalen nach.

Leibl-Platz und Seeskulpturen

Der Verein kümmerte sich aber nicht nur um den Tourismus, sondern auch um die Dorfverschönerung. Zum Beispiel war er an der Renovierung des Wilhelm-Leibl-Platzes beteiligt (siehe Wilhelm Leibl hätte seine Freude gehabt).
Zu meiner Überraschung habe ich aus dem obengenannten Artikel erfahren, dass dem Verkehrsverein die Skulpturen der beiden "Badenden" am Schondorfer Dampfersteg gehören. Für diese hat er bislang auch die Pacht für den Stellplatz im See bezahlt.

Death & Taxes

Man muss also auch für Kunstwerke brav Pacht an die staatliche Schlösser- und Seenverwaltung zahlen. (Meine amerikanischen Freunde zitieren in so einem Fall gerne Benjamin Franklin: "Nothing can be said to be certain, except death and taxes.")
Leider zerbröseln die beiden Betonskulpturen allmählich, eine ist heuer bereits umgefallen. Ob das Wasser im Ammersee so aggressiv ist? Oder hat sich die Werkstoffkunde rückwärts entwickelt? Die Venus von Willendorf hat immerhin 30.000 Jahre gehalten.

Werden die Badenden gerettet?

Jedenfalls gehen mit der Liquidation des Verkehrsvereins die beiden Plastiken an die Gemeinde Schondorf. Doris Oberpottkamp, die scheidende Vorsitzende, empfahl die Figuren aus dem Wasser zu nehmen. Ob sie nun restauriert werden, muss der Schondorfer Gemeinderat entscheiden. Andernfalls wäre die Badesaison für die beiden für immer vorbei.
Ich würde sie vermissen.