Wissenschaft und Wirtschaft

(Auf Grund einiger Rückmeldungen habe ich diesen Beitrag vom 23. Juli aktualisiert. Die Änderungen sind kursiv hervorgehoben und in [Fußnoten] erklärt.)

"Mückenplage" ist ja aktuell ein heiß diskutiertes Thema am Ammersee. In diesem Zusammenhang stößt man immer wieder auf den Mückenforscher Dr. Norbert Becker, den wissenschaftlichen Direktor des Vereins KABS. Ich wurde nun auf Gerüchte angesprochen, Dr. Becker habe neben seinen wissenschaftlichen auch wirtschaftliche Interessen am Einsatz des Insektizides Bti [1]. Darum habe ich ein bisschen nachgeforscht, um mehr darüber zu erfahren. 


Überzeugungsarbeit für Bti

Das Werk von Valent BioSciences in Osage, USA
© Valent BioSciences Corp.
Dr. Becker setzt bei der Bekämpfung der Stechmücke auf das Bacillus thuringiensis israelensis (Bti). Er ist wissenschaftlicher Leiter der "Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V." (KABS). Diesem Verein gehören 97 Gemeinden und Landkreise aus der Region des Oberrheins an. KABS finanziert seine Arbeit aus den Beiträgen der Mitglieder und hat nach eigenen Angaben ein jährliches Budget von etwa 3,5 Millionen Euro.
Auch außerhalb des Gebiets der KABS wirbt Dr. Becker für den Einsatz von Bti. Letztes Jahr nahm der Biologe an einer Podiumsdiskussion in Utting teil, denn am Ammersee wird darüber nachgedacht, ob die Gemeinden in einer gemeinsamen Aktion Bti ausstreuen sollen. (http://www.ammerseekurier.de/2016/10/14/bti-einsatz-bald-auch-am-ammersee/).

Wissenschaftler und Kaufmann

Ich war selber leider nicht dort, und weiß deshalb nicht, wie sich Dr. Becker vorgestellt hat. In dem oben verlinkten Beitrag wird er jedenfalls beschrieben als "Wissenschaftlicher Direktor des Vereins KABS, Professor an der Uni Heidelberg und nach seinen Angaben auch bei der WHO tätig". Nicht erwähnt wird eine weitere Funktion, nämlich die eines Geschäftsführers als Mitglied der Geschäftsführung[2] der Firma ICYBAK (http://www.icybac.de/contact/contact.htm). ICYBAK produziert für KABS das mit Bti versetzte Eisgranulat, und verstreut es per Hubschrauber über den Mückenbrutgebieten.
Das ist nun schon eine ungewöhnliche Konstellation. Dr. Becker ist gewissermaßen Auftraggeber und Auftragnehmer in Personalunion. Als wissenschaftlicher Leiter von KABS organisiert er das Verstreuen von Bti, was die Firma übernimmt, in der er als Geschäftsführer Mitglied der Geschäftsführung[2] tätig ist.
Die ICYBAK GmbH ist ein 100% Tochterunternehmen der KABS e.V. Gewinne der ICYBAK gehen damit automatisch an den Verein KABS. Die Satzung des Vereins besagt aber, dass „Gewinnerzielung und die Verfolgung eigener wirtschaftlicher Ziele ausgeschlossen (sind)“. ICYBAK hat dadurch sicher nicht den Druck zur Profitmaximierung wie andere Firmen. [3]

Mückengift aus dem Versandhandel

Auf der vom Gesundheitspolitische Arbeitskreis Landsberg der CSU initiiert Veranstaltung in Utting erklärte Dr. Becker, dass Bti weltweit erfolgreich zur Stechmückenbekämpfung eingesetzt werde, und für Mensch und Tier ungefährlich sei (Kreisbote: https://www.kreisbote.de/lokales/landsberg/podiumsdiskussion-parteiuebergreifende-solidargemeinschaft-gefordert-6825419.html)
Diese Überzeugungsarbeit des Wissenschaftlers erreicht natürlich nicht nur die Politiker. Wenn er bei öffentlichen Veranstaltungen Bti als "das beste Mittel weltweit“ lobt, kommt das sicher bei vielen Zuhörern an. Mancher mag dann vielleicht nicht warten, bis die Gemeinde aktiv wird, sondern will dieses Wundermittel (Handelsname: VectoBac) in Eigenregie einsetzen.
Eine Quelle dafür lässt sich schnell finden, nämlich den Onlinehandel der Firma CULINEX Becker. Auch diese Firma wird von Dr. Becker geleitet (Impressum des Onlineshops).

Die Rolle von Valent BioSciences

Der Bti Grundstoff für CULINEX und ICYBAK stammt vom amerikanischen Pestizidhersteller Valent BioSciences. Zu diesem Unternehmen scheint Dr. Becker gute Beziehungen zu haben. In einem Bericht der Zeitung Rheinpfalz vom April 2015 erläutert Becker, dass Projekte der KABS Forschungsarbeit "zumindest partiell von Valent mitfinanziert werden“. Valent BioSciences ist auch "Gold-Sponsor" der "European Mosquito Control Association" (EMCA), deren Executive Director Becker ist (http://www.emca-online.eu/index.php?id=1). Die EMCA residiert übrigens unter der selben Adresse wie der Verein KABS in Speyer.
Auch bei Veranstaltungen der EMCA referriert Dr. Becker über den Einsatz von Bti. Bei der heurigen Jahreskonferenz im montenegrinischen Badeort Bečići leitete er eine Sitzung über "Floodwater mosquitoes - control strategies in protected areas" ("Überschwemmungsmücken - Bekämpfungsstrategien in Schutzgebieten", wenn ich das richtig übersetzt habe): http://www.emca-online.eu/assets/PDFs/1_Montenegro_full_program_speakers_1_March.pdf

Ein schmaler Grat

Nun ist es weder ungewöhnlich noch verwerflich, dass Industrieunternehmen und Wissenschaft zusammenarbeiten. Im Gegenteil ist es ja erfreulich, dass ein Pestizidhersteller mit seinen Gewinnen auch die Forschungsarbeit unterstützt. Allerdings ist das ein schmaler Grad. Ab wann leidet die wissenschaftliche Objektivität unter dem Einfluß des Geldgebers? Wie sehr darf ein Forscher seinen wissenschaftlichen Ruf einsetzen, um die Produkte eines bestimmten Unternehmens bekannt zu machen?
An Dr. Becker's Verbindungen zur Industrie ist rechtlich vermutlich nichts auszusetzen, und an meiner persönlichen Einstellung zum Einsatz von Bti hat sich dadurch nichts geändert (https://schondorf.blogspot.de/2017/01/weniger-ist-mehr.html).
Ich denke aber, er hätte sich selbst einen Gefallen getan, wenn er seine verschiedenen Verbindungen zur Wirtschaft klarer dargelegt hätte. Das hätte wilde Spekulationen um seine Person verhindert.


Anmerkungen zu den Änderungen vom 25. 7.

[1] Ich wurde darauf angesprochen, dass Bti kein Insektizid, sondern ein Biozid sei. Beides ist richtig. Die EU Verordnung 528/2012 definiert Biozide als Wirkstoffe, die auf andere Art als physikalische Einwirkung Schadorganismen zerstören oder unschädlich machen. 
(Genaue Definition auf der Seite des Umweltbundesamtes: http://www.biozid.info/deutsch/biozidprodukte/)
 Diese Stoffe sind je nach ihrer Wirkung in Gruppen unterteilt, und dazu gehören (Hauptgruppe 3, Produktart 18) Insektizide. Bti ist also von der Art her ein Biozid, von der Wirkung ein Insektizid.
[2] Ich wurde darauf hingewiesen, dass Dr. Becker bei ICYBAK nicht den Titel eines Geschäftsführers trägt. Er wird auf der Kontaktseite der Firma aber zusammen mit Dr. Paul Schädler und Jochen Gubener unter „Geschäftsführung“ angegeben. 
http://www.icybac.de/contact/contact.htm
[3] Gewinne der ICYBAK GmbH gehen an den Verein KABS. Die Satzung von KABS sagt in §2 Absatz 3: „Eine Gewinnerzielung und die Verfolgung eigener wirtschaftlicher Ziele sind ausgeschlossen.“ http://www.kabsev.de/1/1_2/1_2_1/1_2_1_1/index.php

Ich sehe durchaus das Argument, dass ICYBAK dadurch keinen Druck zur Profitmaximierung hat. Andererseits kenne ich keinen Verein, der sich nicht über etwas mehr Geld in der Kasse freut.

Das Vermächtnis großer Namen

Im Rahmen der Kreiskulturtage fand am 7. Juli im Landheim Schondorf eine Podiumsdiskussion über den umstrittenen Komponisten Hans Pfitzner statt. Unter dem Titel "Ein Vermächtnis" ging es darum, ob und wie an Pfitzner's Zeit am Ammersee erinnert werden sollte.

Nino Gurevich vom Musikzentrum Schondorf
Nino Gurevich spielte Pfitzner's Klaviersonaten

Wer war Hans Pfitzner?

Ich habe Pfitzner schon einmal im Beitrag "Passt das hierher?" beschrieben (https://schondorf.blogspot.de/2016/04/passt-das-hierher.html). Hier deshalb nur eine kurze Einführung. Der Komponist Hans Pfitzner ist heute nur noch wenigen bekannt (sein Hauptwerk "Palestrina" findet sich in der Amazon Bestsellerliste auf Platz 44.393). Nichts desto trotz war er ein bedeutender Komponist der klassisch-romantischen Schule, und Anfangs des 20. Jahrhunderts hoch angesehen. Musiker wie Bruno Walter, Richard Strauss oder Otto Klemperer gehörten zu seinen Bewunderern. Von 1919 bis 1929 lebte Pfitzner in Schondorf am Ammersee. Daran erinnern heute die nach ihm benannte Straße und ein Denkmal in den Seeanlagen.
So weit, so gut. Allerdings komponierte Pfitzner nicht nur, sondern äußerte sich auch lautstark politisch. Er polemisierte regelmäßig gegen das Judentum und unterstützte in Aufrufen Adolf Hitler. Während der NS-Zeit kam er dann zu hohen Ehren, und relativierte noch nach dem Krieg die Greuel der Nazis.
Wie soll man mit diesem schwierigen Vermächtnis umgehen?

Musik und Diskussion

Der Schondorfer Gemeinderat Rainer Jünger moderierte dazu eine Diskussion, zu der er kompetente Gäste geladen hatte. Weil die Veranstaltung nicht nur eine Vorstellung der politischen Gesinnung, sondern auch der Musik Pfitzner's geben sollte, spielte die Pianistin Nino Gurevich Klavierstücke aus seinem Opus 47 von 1941.
Andreas Heusler, Alex Dorow, Rainer Jünger, Thomas Raff und Johann Peter Vogel
Von links: Andreas Heusler, Alex Dorow,
Rainer Jünger, Thomas Raff und Johann Peter Vogel
Auf dem Podium diskutierten dann Johann Peter Vogel von der Hans Pfitzner-Gesellschaft, der Historiker und Landtagsabgeordnete Alex Dorow, der Kunsthistoriker Thomas Raff, und Andreas Heusler vom Stadtarchiv München. Heusler ist in München für die Überprüfung historisch belasteter Straßennamen zuständig, kennt sich also mit schwierigen Fällen aus. Leider nicht mit auf der Bühne (aber immerhin im Publikum) saß Bürgermeister Alexander Herrmann.

Die höchste Ehre einer bürgerlichen Gesellschaft

Den Anfang machte Stadtarchivar Heusler. Er erinnerte daran, dass die Benennung einer Straße die höchste Ehre ist, die eine bürgerliche Gesellschaft vergibt. Die so Ausgezeichneten sollten deshalb einen Vorbildcharakter haben, der über fachliche Leistungen hinausgeht. Bei Pfitzner hatte er in dieser Beziehung Zweifel.
Dagegen verteidigte  Johann Peter Vogel, Autor von zwei Büchern über den Komponisten, "seinen" Pfitzner mit Hingabe und der Cleverness des erfahrenen Juristen. Sollte ich jemals vor einer Anklagebank stehen, dann möchte ich auch von Dr. Vogel verteidigt werden.

Gewagte Thesen

Dabei kam ihm zugute, dass er sich als einziger auf dem Podium mit Pfitzner wirklich auskannte. Alle anderen Teilnehmer mussten eingestehen, dass sie mit Leben und Werk nicht im Detail vertraut waren. So blieben auch manche Thesen Vogels unwidersprochen, die ich persönlich ziemlich gewagt fand. Beispielsweise, dass Pfitzner zwar immer gegen das "Weltjudentum" gewettert habe, damit aber eigentlich gar nicht die Juden, sondern den Bolschewismus gemeint habe. Da muss ich mal in den Büchern Vogel's nachlesen, wie er auf diese Theorie kommt.

Nicht unter den Teppich kehren

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass ein einfaches Entfernen von Straßenschild und Denkmal die schlechtest mögliche Lösung wäre. Pfitzner gehört zur Geschichte Schondorfs, damit muss man sich auseinandersetzen und kann es nicht einfach unter den Teppich kehren.
Wenig überraschend kamen in der Fragerunde des Publikums auch Stimmen auf, warum man denn jetzt über diese alten Geschichten reden müsse. Ob denn nicht einfach alles so bleiben könne, wie es ist?
Dagegen sprachen sich die Historiker auf dem Podium für einen offenen Umgang mit der Vergangenheit aus. Es sei normal, dass es einen gewissen Abstand braucht, bis man die unangenehmen Seiten der eigenen Historie aufarbeiten könne. Wichtig sei, dass nicht ein Mäntelchen des Schweigens darüber gebreitet werde, sondern man in einen kritischen Dialog trete.

Wird das Pfitzner-Denkmal erweitert?

Im Schondorfer Gemeinderat ist das Thema Pfitzner wohl schon hinter verschlossenen Türen diskutiert worden, und wird wahrscheinlich auch in Zukunft wieder auf die Tagesordnung kommen. Eine Idee ist anscheinend, das Denkmal in der Seeanlage so zu erweitern, dass beide Seiten dieser schwierigen Persönlichkeit dargestellt werden.

Aus der Vergangenheit für die Gegenwart lernen

Wenn ich mich richtig erinnere war es Alex Dorow, der den für mich entscheidenden Gedanken der Veranstaltung auf den Punkt brachte. Noch wichtiger als das Ergebnis, meinte er, sei der Weg dorthin. Es ginge darum, aus der Auseinandersetzung mit dem historischen Thema etwas für unsere Zeit und über uns selbst zu lernen. Oder wie es der Philosoph Karl Popper so schön formuliert hat: Der Wert eines Dialogs hängt vor allem von der Vielfalt der konkurrierenden Meinungen ab.
In diesem Sinne werde ich mich jetzt etwas intensiver mit der schwierigen Persönlichkeit Pfitzners befassen, und mich in sein Leben und Werk einlesen, bzw. einhören. 

Es war ein Fest

Die Schondorfer sind ja generell keine Stubenhocker. Wenn es etwas zu feiern gibt, dann ist praktisch das ganze Dorf auf den Beinen. So war es auch beim Kulturfest am 8. Juli, das im Rahmen der Kreiskulturtage stattfand. Aber dieses Fest war noch mehr.

Die Gestaltung unserer Welt

Aus dem Kinder Malwettbewerb
Natürlich wurde wie bei jedem ordentlichen Fest getrunken und gefeiert, getanzt und gelacht, gegessen und geratscht. Darüber hinaus aber war der Tag auch ein lebendiges Schaubild für das, was unsere Heimat ausmacht.
Kreisheimatpfleger Martin Wölzmüller hatte über das Thema "Schnittstelle Heimat" gesagt, Heimat sei "der überschaubare Raum, in dem wir an der Gestaltung unserer nahen Welt mitwirken."
Dieses vielfältige gestalten fand auf der Festmeile entlang des Bahnhofs einen lebendigen Ausdruck.

Heimat durch Vielfalt

Es gab Musik vom schwungvollen Chor über Alphornbläser und afrikanische Trommeln, bis zu gälischen Liedern und MusiComedy. Bier und Cafe wurden getrunken, aber auch ein Cocktail namens Drachenblut (ausgeschenkt vom Richard-Wagner-Verband). Die Feiernden stärkten sich mit Bratwurst und Leberkäs, mit Spezialitäten aus Eritrea, Syrien und Iran. Über dem bunten Treiben flanierten die Stelzer in phantastischen Kostümen, und darüber wehten die zauberhaften Fahnen von Nani Weixler (sollte ich einmal einen eigenen Staat gründen, dann lasse ich die Nationalflagge von ihr entwerfen).
Möbeldesigner und Maler präsentierten sich neben altem Handwerk wie Drechslern, Messerschmieden oder Glasbläsern. Es gab fröhlich, naive Kindermalerei neben ernsthafter Auseinandersetzung mit Ökologie und Umweltschutz.
Und alles das eben nicht von irgendwo her, sondern von Menschen aus unserer Region. Von Menschen, die jeder ein bisschen mitgestalten, was unsere Heimat ausmacht.

Text von Andreas Kloker

Auseinandersetzung gehört dazu

Dabei ist Heimat natürlich nicht nur heile Welt, sondern auch unterschiedliche Meinungen und Auseinandersetzungen. Der Künstler Andreas Kloker durfte seine geplante Performance in der alten Güterhalle nicht aufführen. Er reagierte mit einer Mitteilung an der Hauswand, die in ihrem ironischen Ton selbst schon wieder eine Art Performance war.
Wie gesagt, auch die Auseinandersetzung gehört zur Heimat.

Video vom Kulturfest

Wer nicht selbst dabei war, kann sich die ganz spezielle Stimmung an diesem Tag kaum vorstellen. Vielleicht gibt dieser kurze Film aber einen kleinen Eindruck von diesem Fest der Vielfalt.
(Falls der eingebettete Player nicht funktioniert, hier der Link zum Video auf YouTube: https://youtu.be/aLVP-PFVpzY).

Außerdem gibt es noch Bilder vom Kulturfest in der Photogalerie der Kreiskulturtage: http://kreiskulturtage-landsberg.de/#Galerie


Läuft's?

Beim Brunnen vor dem Schondorfer Rathaus hieß die Antwort leider: "Ja, es läuft". Das Brunnenwasser lief unkrontrolliert aus der Zuleitung und versickerte irgendwo im Untergrund. (siehe https://schondorf.blogspot.de/2015/11/ist-das-kunst-oder-kann-das-weg.html)

Brunnen vor dem Rathaus Schondorf am Ammersee

Vermülltes Becken

Auch sonst war der Brunnen nicht die Zierde, die sich die Gemeinde erhofft hatte. Man musste feststellen, das sich in dem flachen Becken der ganze Müll sammelte, den der Wind durch die Gegend treibt (wer hätte sowas gedacht?).
Jetzt hat sich die Gemeinde zu einer Radikalkur entschlossen, und das Brunnenbecken wurde abgerissen. Dadurch kam man an die Verrohrung, die nun hoffentlich wieder dicht ist.
Statt eines Wasserbeckens gibt es jetzt eine gepflasterte Fläche. Rund um dieses Pflaster werden Sitzsteine aus Marmor aufgestellt, passend zum Brunnenstein.
Wenn ich mich richtig erinnere, sind für diesen Umbau € 15.000 veranschlagt. 

Die Hagalrune ᚼ 

Brunnen vor dem Rathaus Schondorf am AmmerseeErhalten bleibt der vom Bildhauer Fabrizio Lorenzani gestaltete Block aus Carrara-Marmor. Dieser Stein hat sechs Wasserrinnen, die von oben betrachtet die Form einer Hagal-Rune ᚼ bilden.
Ich habe mich im Internet schlau gemacht, wofür diese Hagal Rune eigentlich steht. Hagal (auch Hagall oder Hagalaz) ist das neunte Zeichen im Runenalphabet Futhark. Dieses Alphabet wurde noch bis ins 8. Jahrhundert von den germanischen Stämmen benutzt. Außer als Buchstaben haben die Runen auch Eigenschaften als magische Zeichen.
Über die Hagal Rune erfahre ich: "Sie steigert die Gehirnfunktion, sie stellt die Verbindung mit allen erhaltenden Kräften dar ... sie schützt das Heim vor Bedrohungen, sie gibt Weisheit und Heil."
Vielleicht wirken die Kräfte dieses magischen Zeichens ja bis ins daneben stehende Rathaus hinein.

Brunnen vor dem Rathaus Schondorf am Ammersee
Die neue Pflasterung

Brunnen vor dem Rathaus Schondorf am Ammersee
Die Sitzsteine


Sammersee Bands, die Vierte

Drei mal habe ich heuer schon über Musiker geschrieben, die auf dem Sammersee Open Air auftreten werden (Namensverwirrung auf dem Sammersee, Bau- und Kochkunst und Seebarsch und fliegende Pinguine). Hier nun der vorläufig letzte Teil meiner Band-Vorstellungen.

Godzilla Soundtrack

Leoniden beim Sammersee Festival
Leoniden (© Hendrik Köllner)
Über Leoniden schreibt die Plattenfirma, ihre Blockbuster-Songs eigneten sich "perfekt für den Soundtrack eines Godzilla-Films Ende der 90er". Witzigerweise stimmt das sogar. Man könnte das auch Stadion-Rock nennen, wenn der Begriff nicht so einen abwertenden Beigeschmack hätte. Mich erinnern sie ein bisschen an die jungen Mando Diao. Dieser energiegeladene Indierock macht einfach Spaß und fährt in die Beine.
Für einen Abend kann man ja mal Krieg, Hunger und Klimawandel vergessen, und einfach unbeschwert am Ammersee tanzen.
Hier ein Vorgeschmack auf Leoniden live: https://youtu.be/P2rsY-4YGm4

City Folk

baba shrimps auf dem Sammersee Festival
baba shrimps
Die Musik von baba shrimps wird als City-Folk beschrieben. Was soll man sich denn darunter vorstellen? Von der Logik her müsste City Folk eigentlich Hip Hop sein, aber damit hat die Band nichts am Hut. Laut eigener Darstellung spielen sie eine "herzerwärmende Interpretation von zeitgenössischer Popmusik".
Der Sound kommt jedenfalls sehr gut an. Die drei Schweizer sind in ihrer Heimat bereits erfolgreich, waren schon Vorgruppe von Kings of Leon, und haben jetzt einen Major Label Plattenvertrag.
Aktuell haben sie in London gerade ihr neues Album "Road to Rome" produziert. Was sie an der Themse so getrieben haben, sieht man hier im Video: https://youtu.be/UWqBuCMCdMI

Band des Jahres

Wunderwelt auf dem Sammersee Festival
Wunderwelt
Das Elektropop-Quartett Wunderwelt hat sich 2014 gegründet, und bereits ein Jahr später den "Band des Jahres“ Contest in Augsburg gewonnen. Die vier beschreiben sich als frech, direkt und doch hoffnungslos romantisch schreiend nach Liebe, Freiheit und Toleranz. Klingt genau richtig für die Wir-fassen-uns-alle-an-den-Händen-Momente beim Sammersee Festival.
Als einziges Hörbeispiel habe ich leider nur diesen kurzen, sphärischen Clip auf Soundcloud gefunden: https://soundcloud.com/wunderwelt-music/wunderwelt-official-teaser

Das war's jetzt erst einmal mit meiner – sehr subjektiven – Auswahl von Bands, die heuer am Ammersee auftreten werden.
Hier noch eine Übersicht der bisherigen Beiträge zum Sammersee 2017:

Alinea und Tagtraum (Emil Seebass): https://schondorf.blogspot.de/2017/03/namensverwirrung-auf-dem-sammersee.html

Vibesbuilder und Tonecooks: https://schondorf.blogspot.de/2017/05/bau-und-kochkunst-auf-dem-sammersee.html

Emil Seebass, Ni Sala und Flying Penguin: https://schondorf.blogspot.de/2017/06/seebarsch-und-fliegende-pinguine-am.html


Das komplette Programm gibt es auf der offiziellen Website unter http://sammersee-festival.de/category/bands-2/

Sammersee Benefiz Festival

21. und 22. Juli 2017
Strandbad Forster
Schondorf am Ammersee
www.sammersee-festival.de






Der Heimat auf den Versen

Schade, dass der Begriff "Lyrik" anscheinend abschreckend wirkt. Jedenfalls fanden nur wenige Zuhörer am 3. Juli den Weg ins Landheim Schondorf, zur Lesung "Der Heimat auf den Versen". Dabei zeigten hier vier Poeten, dass Heimatlyrik weder verstaubt noch verkopft sein muss, sondern richtig Spaß machen kann.
Die Lyrikerin Anna Münkel bei den Kreiskulturtagen Landsberg
Anna Münkel
Anna Münkel brachte jugendlichen Schwung in die Bude. Sie stellte ihre Heimat, das 5-Seen-Land munter auf den Kopf. Sie lässt die Sonne blau scheinen, den Hahn muhen und die Kuh krähen. Und sie findet einen eigenen Sound aus der heimischen Jugendsprache, beispielsweise mit einem Gedicht, das nur aus Variationen von "Mann" besteht. Das klingt bei ihr einfach frisch, ungekünstelt und voller Lebensfreude. Ihren Gedichtband "Dein Gedicht" gibt es hier:
https://www.epubli.de/shop/buch/Gedicht-von-Anna-M%C3%BCnkel-Anna-M%C3%BCnkel-9783844285680/35228

Schnabelgwax

Einen frischen Blick auf die Heimat hat auch Anton G. Leitner. Dass er sein Zuhause liebt, blitzt aus jeder Verszeile seines "Schnabelgwax" (der Titel seines aktuellen Gedichtbandes) hervor. Er zeichnet aber keine heile Welt, sondern schaut kritisch auf die geliebte Heimat. Der Bauer auf dem hochsubventionierten Traktor bekommt genauso sein Fett ab, wie die affektierte Dame mit Gucci-Kostüm und Schoßhündchen. Sollten die Wellküren oder Biermösl-Blosn einmal einen Librettisten suchen, Leitner wäre genau der Mann dafür.
Der Poet aus Wessling scheut sich auch nicht, an die dunklen Seiten heimatlicher Geschichte zu rühren. Seine "KZ-Rosl" erinnert an eine Frau, die als Kind Opfer medizinischer Experimente wurde. Während sie ein Leben lang verunstaltet bleibt, machen ihre ehemalige Peiniger später als honorige Mediziner Karriere.
http://www.antonleitner.de/

Lyrik kompakt

Melanie Arzenheimer entpuppte sich als Meisterin der knappen Form. Mehr als zehn Zeilen braucht sie kaum, um etwas genau auf den Punkt zu bringen, selbst wenn es eine "Hochalpine Tragödie" ist:
Gerät der Preuß bergab in Eile
dann kommt das von des Weges Steile.
Liegt er zerschmettert dann im Tal
so war der Bergsteig doch zu schmal.
Fortan heißt man den Todes-Gipfel
im Volksmund nur mehr Preußen-Zipfel.
Ihre Gedichte haben meistens eine ziemlich schwarzhumorige Färbung. Außerdem kreiert sie herrliche Wortbilder, wie das von den SUV-Fahrern, die sich mit dem Schlachtruf "Allrad Akbar" in den Straßenkampf stürzen.
https://melaniearzenheimer.wordpress.com/

Das Paarungsverhalten der Amöben

Georg "Grög" Eggers schloß den Kreis zu Anna Münkels munteren Sprachspielereien. Auch er hat eine sichtliche Freude am Phantastischen und Absurden. Seine Lyrik ist bevölkert mit sinnsuchenden Krokodilen, depressiven Tofuschnitzeln, und Amöbenpärchen im Paarungsstress.
Letztere wurden von dem geübten Poetry Slammer sogar in Form von zwei Plüschamöben auf die Bühne gebracht, die er noch schnell bei Edeka Schmidt besorgt hatte. Ja, in Schondorf gibt es beim Edeka Plüschamöben, sogar in verschiedenen Farben. Zumindest in der Welt von Georg Eggers.
http://www.groeg.de/

Der Lyriker Anton G. Leitner bei den Kreiskulturtagen Landsberg
Anton G. Leitner

Die Lyrikerin Melanie Arzenheimer bei den Kreiskulturtagen Landsberg
Melanie Arzenheimer

Der Lyriker Georg Eggers bei den Kreiskulturtagen Landsberg
Georg "Grög" Eggers






Sie ist weg

Das Schicksal der Villa Margret in Schondorf war seit gut einem Jahr besiegelt (siehe Aufregung um geplanten Abriss). Das Landheim Schondorf hatte das alte Gebäude An der Point verkauft, die neuen Eigentümer stellten einen Bauantrag, und die entstehenden Wohnungen werden bereits auf dem Markt angeboten.

Villa Margret in Schondorf am Ammersee

Binnen Tagen verschwunden

Überraschend kam der Abriss also nicht. Trotzdem war es schmerzhaft zu sehen, wie binnen weniger Tage dieses Haus verschwand. Seit ich am Ammersee lebe, bin ich fast täglich daran vorbei gegangen.
Ich wehre mich nicht gegen das Neue. Ein lebendiger Ort braucht natürlich Veränderung. Wäre das nicht so, dann wäre Unterschondorf heute noch eine Ansammlung ärmlicher Fischerhütten am Ammersee.

Dichtere Bebauung

Außerdem gefallen mir die Entwürfe für das geplante Haus gar nicht schlecht. Aber der Neubau wird deutlich größer, der teure Baugrund soll schließlich ausgenutzt werden. "Nachverdichtung" wird das von Stadtplanern etwas verniedlichend genannt. In der Praxis bedeutet das mehr Volumen, weniger Freiraum, mehr Pflasterflächen, weniger Grün. Der Charakter des Ortes wird wieder ein bisschen verändert.
Ich glaube, Adorno hat einmal gesagt: Wenn etwas abgerissen und neu bebaut wird, bleibt trotzdem eine Lücke.

Die letzten Stunden

Hier sind ein paar Bilder aus den letzten Tagen der Villa Margret.




Schnittstelle Heimat

Am letzten Samstag war der Auftakt zu den Kreiskulturtagen 2017 unter dem Motto "Schnittstelle Heimat". Den Galaabend in Landsberg konnte ich leider nicht besuchen, aber der liebevolle Bericht im Kreisboten gibt mir ein lebendiges Bild von der Veranstaltung (https://www.kreisbote.de/lokales/landsberg/auftaktveranstaltung-kreiskulturtage-stadttheater-stimmungsvoller-abend-kunst-8432053.html).

Auszug aus dem kleinen Atelier

Für mich begann der Auftakt mit dem traurigen, aber trotzdem schönen Abschied von Katharina Ranftl aus dem kleinen Atelier in der Schondorfer Bahnhofstraße. Ein letztes Mal die Montagsfiguren, Orishas und anderen Kleinskulpturen bewundern, die ich mir im Schaufenster der Galerie immer so gerne angesehen habe. Die gute Nachricht ist, dass für das kleine Atelier wohl auch in Zukunft eine künstlerische Nutzung geplant ist.
Danach gings auf die andere Straßenseite ins Studio Rose. Hier zeigt Gertraud Dankesreiter noch bis 2. Juli ihre Arbeiten zum Thema "über Wasser – unter Wasser". Das sind Gemälde und Collagen mit so originellen Zutaten wie z. B. Neptungras. Alleine schon die kühlen Farben waren an dem Tag eine willkommene Erfrischung.

Heimat und Vertreibung

Nächster Stop war dann Utting, wo im Rahmen der Kreiskulturtage 14 Künstler ihre Ateliers öffneten. Zwei der Arbeiten warfen einen jeweils sehr eigenen Blick auf den Leitgedanken "Schnittstelle Heimat".
In der Seeanlage am Ammersee hat Photograph Harry Sternberg Bild und Texttafeln zu Flucht und Vertreibung aufgestellt. Ohne das Thema zu abstrahieren, stellt er ganz einfach zwei Fluchtschicksale nebeneinander: Das seines Schwiegervaters, der nach dem Krieg aus dem Sudetenland vertrieben wurde, und das des jungen Syrers Abdallah, der jetzt am Ammersee lebt.
Hier wird Flucht – und damit auch die Frage nach Heimat – nicht dramatisiert oder künstlerisch überhöht, sondern ruhig und mitfühlend dargestellt. Sternberg relativiert nichts und rechnet nichts gegeneinander auf. Er lässt einfach die Bilder und parallelen Lebensgeschichten wirken.

Heimat im Kopf

Einen ganz anderen Ansatz zu "Heimat" hat Almut Winkler. Sie hat die Diele ihres Wohnhauses in ein Gesamtkunstwerk verwandelt, angefüllt mit Bildern, Photos, Schächtelchen, Schildern, Blüten, Bonbons, und hundert anderen Dingen. Inmitten dieser Sammlung wirkte sie wie ein Teil ihrer eigenen Kunstinstallation. Das Ganze war einerseits verwirrend, wirkte auf mich aber durchaus poetisch. Es war, als würde ich lauter kleine Bruchstücke fremder Geschichten sehen, über deren Zusammenhang ich nur rätseln kann.
So würde es vielleicht aussehen, wenn man einen kurzen Blick in den Kopf eines anderen Menschen werfen dürfte. Hier ist Heimat sichtlich kein geographischer, sondern ein innerer Ort. Wer sich, so wie ich, von Kunst gerne irritieren lässt, sollte in der Uttinger Bahnhofstraße 8 vorbeischauen.
Nach vier Ausstellungen war für mich an diesem Tag die Grenze der Aufnahmefähigkeit erreicht. Die Uttinger Ateliertage finden aber auch noch am kommenden Wochenende statt. Den Flyer mit den Adressen der teilnehmenden Künstler gibt es hier: http://www.uttinger-ateliertage.de/Images/Flyer_2017_A4.pdf


Gertraud Dankesreiter im Studio Rose, Schondorf am Ammersee
Gertraud Dankesreiter im Studio Rose


Katharina ranftl im kleinen Atelier in Schondorf
Kleinskulpturen von Katharina Ranftl


Katharina Ranftl verlässt das kleine Atelier in Schondorf
Katharina Ranftl verabschiedet sich aus Schondorf

Seebarsch und fliegende Pinguine am Ammersee

Nach gut fünfzig Jahren Rockgeschichte ist es heute nicht mehr so einfach, einen unverbrauchten Bandnamen zu finden. Die Musiker auf dem heurigen Sammersee-Festival sind in dieser Beziehung sehr kreativ.

Vom Tagtraum zum Seebarsch

Es gibt einen umfangreichen Beitrag auf WikiHow, wie man einen Bandnamen findet. Einer der ersten Punkte ist es dabei festzustellen, ob es nicht schon eine Band gleichen Namens gibt. Das ist anscheinend Tagtraum passiert, die ich im März vorgestellt habe. Der Name passte wunderbar zur Musik, war aber leider schon besetzt.
Jetzt nennen sie sich Emil Seebass & Band. Irgendwie wundert es mich nicht, dass der Name noch frei war. Die Musik ist aber immer noch ausgesprochen tagträumerisch.

Ni Sala  auf dem Sammersee Festival am Ammersee
Ni Sala

Von den australischen Küsten zum Ammersee

WikiHow empfiehlt auch die Search Engine Optimierung, also aufzupassen, dass man im Internet leicht gefunden wird. Das hat Ni Sala definitiv geschafft. Eine Suche bei Google bringt gleich auf der ersten Seite die Musikvideos und Website https://www.ni-sala.com/.
Bandleader Robert Salagean trampte lange durch Australien und Neuseeland. Wellen, Surfen und zum Sonnenuntergang am Strand auf der Gitarre spielen. Diesen Hippie-Surfer-Blues Sound bringt er jetzt mit seiner Münchner Band Ni Sala an den Ammersee. Ich glaube, er wird Australien hier nicht vermissen.
Hier die ziemlich aktuelle Single "Exit is Inside" auf YouTube: https://youtu.be/ZzzTWgE87Aw

Flying Penguin auf dem Sammersee Festival am Ammersee
Flying Penguin

Hib Hob aus Nämberch

Zu den WikiHow Tipps gehört auch, dass der Name für die Musiker eine Bedeutung haben sollte. Welche Bedeutung hat wohl Flying Penguin für die Rapper aus Nürnberg?
Vielleicht steht der Name für Träume, die auf den ersten Blick unmöglich erscheinen: Dass ein Pinguin fliegen kann, oder dass man als Rapper ernst genommen wird, obwohl man nicht aus Berlin oder Hamburg kommt.
Die sieben Franken haben diesen Traum verwirklicht. Ihr Track "Lighthouse" wurde auf YouTube (https://youtu.be/F4MY18JTDeA) schon über 10.000 mal aufgerufen und ein Fan kommentierte begeistert mit 33 mal "Dope!". Ein sehr schöner Track, entspannt und selbstbewusst, ohne aufgesetztes Gangsta-Getue. Dieser Leuchtturm passt hervorragend an den Ammersee.

Sammersee Benefiz Festival

21. und 22. Juli 2017
Strandbad Forster
Schondorf am Ammersee








Vierundzwanzig

Erinnert sich noch jemand an die Fernsehserie "24"? Der Geheimagent Jack Bauer jagte in jeder Staffel 24 Stunden lang atemlos von einem Abenteuer zum nächsten. Der 24. Juni ist in Schondorf auch so ein Tag für pausenlose Unternehmungen.

Das Atelier von Katharina Ranftl in Schondorf am Ammersee

Pausenlose Action

Die Serie "24" zeigte in Echtzeit 24 Stunden im Leben des Anti-Terror-Spezialisten Jack Bauer (gespielt von Kiefer Sutherland). Der hetzte dabei pausenlos zwischen Verfolgungsjagden, Verhören und Schießereien hin und her. Er hatte kaum Zeit zum Luft holen, geschweige denn einmal auf die Toilette zu gehen. Seine Rastlosigkeit wurde so sprichwörtlich, dass im Englischen das Verb "jackbauering" aufkam.
Am 24. Juni kann man dieses Jack-Bauer-Gefühl in Schondorf nacherleben. Der Tag ist übervoll mit Veranstaltungen.

Gertraud Dankesreiter im Studio Rose

Los geht es ab 11:00 Uhr im Studio Rose, in der Schondorfer Bahnhofstasse 35. Hier zeigt die Malerin Gertraud Dankesreiter am Samstag und Sonntag neue Arbeiten unter dem Titel "über Wasser - unter Wasser". Wer am Samstag etwas länger frühstücken will, kann schon am Freitag zur Vernissage um 19:00 Uhr kommen.

Abschied vom Kleinatelier

Anschließend geht es quer über die Bahnhofstrasse zur Hausnummer 38. Ab 12:00 Uhr verabschiedet sich Katharina Ranftl mit einer Ausstellung aus dem kleinen Atelier in Schondorf. Die letze Gelegenheit, hier noch einmal ihre Montagsfiguren zu bewundern gibt es am 24. und 25. Juni, jeweils von 12:00 bis 18:00 Uhr.

Ammersee-West-Cup

Nun schnell die Bahnhofstrasse hinunter zum Ammersee, ins Strandbad Forster. Hier ist um 12:00 Uhr Start zum Ammersee-West-Cup. Bei dieser Regatta tritt alles an, was mit Rudern oder Paddeln fortbewegt wird. Das ist ein bisschen so, als würden am Nürburgring Formel 1 und Gokarts gegeneinander fahren. Trotzdem gab es letztes Jahr ein bis zur Ziellinie spannendes Duell zwischen Kajak und Ruder-Achter.

Landheim Auktion 

Vom Strandbad Forster ist es nur ein kurzer Weg entlang der Point zum Landheim Schondorf. Ab 15:30 Uhr kann man hier bei der "Auction of Promises" mitbieten.
Für einen guten Zweck versteigert das Landheim Schondorf Erzeugnisse aus den eigenen Werkstätten, aber auch Ferienaufenthalte, Sportkurse oder Essenseinladungen. Die Erlöse der Auktion gehen an die Afrikahilfe und Flüchtlingsarbeit Schondorf, und an die Organisation Jugend Rettet Iuventa.

Galaabend der Kreiskulturtage

Anschließend geht es ab nach Landsberg, wo um 18:00 Uhr die Auftaktveranstaltung zu den Kreiskulturtagen 2017 beginnt. Bei einem Galaabend im Stadttheater Landsberg wird der Kunstpreis des Landkreises an den Bildhauer Bert Praxenthaler überreicht. Außerdem gibt es ein buntes Programm mit einer Videoinstallation von "Dieselqueen" Vanessa Hafenbrädl und Jazz vom Trio Zahg.  

Am Sonntag Stadtradeln

Ausruhen am folgenden Sonntag geht leider auch nicht. Am 25. Juni ist um 9:30 am Schondorfer Bahnhof Treffpunkt für den Auftakt zum heurigen Stadtradeln. Die Tour führt nach Thaining. Hier treffen sich Teilnehmer aus allen Kommunen des Landkreises.

Bonusrunde Weilheim

Wer mit diesem Programm noch nicht ausgelastet ist, kann einen Abstecher in den Nachbarlandkreis machen. Bei der Kunstmesse Weilheim (23. - 25. 6., 11:00 - 20:00 Uhr) zeigen 52 Künstler das breite Spektrum ihres Schaffens. Das Schöne an dieser Produzentenausstellung ist, dass man mit den Künstlern persönlich über ihre Arbeit sprechen kann.
Da wird man dann wieder etwas ruhiger und sieht, dass das Leben nicht nur aus atemloser Hetzerei besteht. 

Nachtrag: Uttinger Ateliertage

Fast vergessen hätte ich jetzt die Uttinger Ateliertage, die ebenfalls am 24. 6. beginnen. 14 Künstler öffnen in Utting ihre Arbeitsräume für Kunstinteressierte. Ich finde das immer sehr schön, wenn man nicht nur die fertigen Werke sieht, sondern auch etwas zu Umfeld und Entstehung erfährt. Persönlich freue ich mich besonders auf Harry Sternberg (http://montestella.de/), der im Summerpark Photos zum Thema "Flucht & Vertreibung" ausstellt.
Ein Trost für alle, die das beim besten Willen nicht mehr im Tagesablauf des 24. unterbringen: Die Ateliers sind auch noch am 25. Juni und am 1. und 2. Juli geöffnet.

Es geht nicht nur um Kilometer

Natürlich geht es beim Stadtradeln eigentlich schon um Kilometer. Die teilnehmenden Gemeinden versuchen in drei Wochen eine möglichst große Stecke zu erradeln. Das Ergebnis wird am Ende der Aktion auf der Website www.stadtradeln.de in eingespartes CO2 umgerechnet. Bei den vielen Tonnen vermiedener Schadstoffe können wir dann den Rest des Jahres wieder guten Gewissens mit dem SUV zum Bäcker fahren.

Radler bei Hechenwang am Ammersee

Gemeinsame Radausflüge

Das ist eine nette Rechenspielerei, aber eigentlich geht es beim Stadtradeln um etwas ganz anderes, nämlich um den Spaß am Radfahren. Die Aktion soll ja vor allem ein Anstoß sein, die Freude am Fahrrad (wieder) zu entdecken.
Wie die allermeisten Dinge, macht auch das Radfahren zusammen mit anderen mehr Spaß. Deswegen freue ich mich sehr, dass unsere Schondorfer Stadtradel-Organisatoren Barbara Freier und Herbert Thalhofer heuer ein schönes Programm gemeinsamer Touren zusammengestellt haben. Hier ist wirklich für jeden etwas dabei: Von der gemütlichen Feierabendrunde nach Dießen (6. Juli) bis zur Tagestour entlang dem "Sachsenrieder Bähnle" (29. Juni).

Programm Stadtradeln 2017


25. 6. 2017 Auftaktradeln nach Thaining

Treffpunkt: Schondorf Bahnhof, 9:30 Uhr

29. 6. 2017 mit dem ADFC entlang dem "Sachsenrieder Bähnle" 

Treffpunkt: Landsberg, Parkplatz Dittl, 8:00 Uhr
Fahrgemeinschaften von Schondorf aus

1. 7. 2017 nach Grafrath ins Cafe Bella Martha

Treffpunkt: Schondorf Bahnhof, 13:00 Uhr

2. 7. 2017 Sternfahrt des Landkreis Landsberg nach Kaltenberg

Treffpunkt: Schondorf Bahnhof, 10:00 Uhr

6. 7. 2017 Feierabendfahrt nach Dießen

Treffpunkt: Schondorf Bahnhof, 18:00 Uhr

15. 7. 2017 Schlußradeln nach Egling an der Paar

Treffpunkt: Schondorf Bahnhof, 9:30 Uhr

Einfach mitmachen

Mitmachen ist ganz einfach: Auf der Seite des Stadtradelns kann man sich hier registrieren: https://www.stadtradeln.de/index.php?id=171
In der Liste der Gemeinden den eigenen Ort auswählen, und sich dann bei einem der Teams anmelden. Mein Team heißt "Velo et Vin" und jeder Schondorfer ist herzlich eingeladen, bei uns mitzufahren.

Mit Volldampf in die Vergangenheit

Auch heuer wieder verkehren im Juli und August nostalgische Dampfzüge zwischen Augsburg und Utting. Alle Termine gibt es auf der Website der Ammersee Dampfbahn. Ein besonderes Schmankerl ist dabei der Bert Brecht Badezug am 16., 23. und 30. Juli.

Historische Ansicht Schondorf am Ammersee
So sah es wohl zu Zeiten von Bert Brecht aus

Eine literarisch-musikalische Reise

Bertolt Brecht kam gerne an den Ammersee und hat in Schondorf und Utting mehrere Sommerurlaube verbracht. Die Ammersee Dampfbahn erinner mit Sonderfahrten an drei Freitagen im Juli an den Dichter. 
Der Bert Brecht Badezug fährt jeweils um 8:55 Uhr von Augsburg nach Schondorf. Hier beginnt dann eine geführte Wanderung auf den Spuren Brechts. Ich habe diese Führung schon einmal mitgemacht und kann sie nur empfehlen. Man lernt dabei wirklich viel über Brecht, seine Lebens- und Liebesfreude, und die damalige Zeit.
Die Wanderung geht entlang dem Ammersee nach Utting, wo Brecht kurze Zeit ein Haus besaß, bevor er ins Exil vertrieben wurde. Im Augsburger Segler Club ist dann der Abschluss mit Texten von Brecht und musikalischer Begleitung. Anschließend geht es mit der Dampfbahn zurück nach Augsburg.

Bert Brecht Badezug

Von Augsburg nach Schondorf
16., 23. und 30.Juli 2017
jeweils 8:55 Uhr ab Augsburg

Wer die Brecht-Orte in Schondorf ohne Bahnfahrt sehen möchte, hier ist eine Beschreibung der einzelnen Stationen: https://schondorf.blogspot.de/2015/08/der-verborgene-prominente.html

Zwei neue Einhörner am Ammersee

In Schondorf kann man mit etwas Glück zwei neue Einhörner auf der Straße sehen – und zwar an den Revers von Peter Raithel und Herbert Thalhofer. Beide erhielten die Ehrennadel der Gemeinde, die in der Form unseres Wappentiers gestaltet ist.

Einhorn, Schondorf am Ammersee

Ammersee Gemeinsam

Bei der Bürgerversammlung am 24. Mai überreichte Bürgermeister Alexander Herrmann die Anstecknadeln an Peter Raithel und Herbert Thalhofer, als Auszeichnung für ihre Verdienste um die Gemeinde Schondorf.
Peter Raithel ist die treibende Kraft hinter Ammersee Gemeinsam, einem Verein, der sich um bedürftige Menschen bei uns kümmert.

Schnelle, unbürokratische Hilfe

Die ganze Ammerseeregion wirkt ja auf den ersten Blick wie ein Muster an wohlhabender Gediegenheit. Aber auch hier leben Menschen, die durch das soziale Netz zu fallen drohen. Es reicht oft eine Krankheit, eine Trennung oder der Verlust des Arbeitsplatzes, um plötzlich vor existenziellen Nöten zu stehen. Genau hier setzt die Arbeit des Vereins an. Ammersee Gemeinsam hilft schnell und unbürokratisch.
Ich freue mich sehr, dass Peter Raithel und sein Team ausgezeichnet wurden. Wie gesagt, der Verein hilft bei uns in der Region, die Hilfe erreicht direkt die Betroffenen, und die Verwendung der Spendengelder ist völlig transparent.
Wer die Arbeit von Ammersee Gemeinsam unterstützen möchte, hier ist das Spendenkonto:

Ammersee Gemeinsam

Spendenkonto
Sparkasse Schondorf
IBAN: DE88 7005 2060 0000 2032 40
BIC: BYLADEM1LLD 

Engagement im Hintergrund

Herbert Thalhofer, den zweiten Ausgezeichneten, kenne ich vom Stadtradeln. Thalhofer ist seit vielen Jahren in einer ganzen Reihe von Schondorfer Vereinen aktiv. Meistens steht er dabei nicht im Vordergrund, sondern übernimmt die eher unpopulären Aufgaben, z. B. als Kassierer. Wenn Not am Mann ist, springt er ein.

Stadtradeln am Ammersee

So kam er wahrscheinlich auch dazu, zusammen mit Barbara Freier das Stadtradeln in Schondorf zu organisieren. Auch so eine Sache, die im Prinzip zwar jeder gut findet, bei der sich aber keiner die organisatorische Arbeit aufhalsen mag.
Das Stadtradeln ist eine bundesweite Aktion. Gemeinden kämpfen darum, wer innerhalb von drei Wochen mehr Fahrradkilometer erreicht. Dazu bilden sich in den Gemeinden Teams, deren Mitglieder die jeweils erreichte Strecke erfassen. In Schondorf findet das Stadtradeln heuer vom 25. Juni bis 15. Juli statt. Anmelden kann man sich unter https://www.stadtradeln.de/registrieren/
Wer sich noch für keine Mannschaft entscheiden kann, dem empfehle ich Velo et Vin. Das Team sieht die ganze Angelegenheit nicht zu verbissen, und verknüpft die sportliche Leistung mit Spaß am Radfahren.

Stadtradel 2017

Schondorf am Ammersee
25. Juni bis 15. Juli 2017
www.stadtradeln.de

Auf Schmusekurs

Manche der Kunstwerke am Ammersee Skulpturenweg sind darauf ausgelegt, der Witterung und der Zeit zu trotzen. Die "Schwelle" von Thomas Link in der Schondorfer Seeanlage wird in hundert Jahren vermutlich noch genauso aussehen wie heute. Andere sind von vornherein so konzipiert, dass sie sich mit der Zeit verändern.

Skulptur "Schwelle" in der Seeanlage am Ammersee

Wölfe am Ammersee

Beispielsweise führen die "Wölfe" von Katharina Ranftl durchaus ein gewisses Eigenleben. Bei der Eröffnung 2015 standen sich die zwei Raubtiere noch ziemlich aggressiv gegenüber. Mittlerweile haben sie sich wohl aneinander gewöhnt.
Im März waren sie sogar einmal ausgesprochen auf Schmusekurs, wie man auf dem Photo unten sieht. Aktuell stehen sie recht einträchtig nebeneinander.

Nicht für die Ewigkeit gemacht

Persönlich mag ich solche Kunstwerke, die sich der Umgebung und der Zeit aussetzen. Skulpturen aus Granit oder Bronze erschrecken mich ein bisschen mit ihrer Unvergänglichkeit. Das war ja auch der Sinn der alten Götter- oder Herrscherstatuen, dass die Betrachter sich daneben klein und unwichtig fühlen sollten.
Katharina Ranftl's Wölfe erscheinen mir dagegen menschlicher. Sie sind, genau wie wir, der Veränderung unterworfen. Sie beschwören keine einschüchternde Ewigkeit, sondern feiern das Hier und Jetzt, die Abwechslung und den Wandel. 
Ich schaue da immer gerne vorbei wenn ich am Ammersee entlangspaziere, und denke mir: "Na, ihr beiden, wie geht es euch heute?"



Skulptur "Wölfe" von Katharina Ranftl am Ammersee-Skulpturenweg
Herbst 2015


Skulptur "Wölfe" von Katharina Ranftl am Ammersee-Skulpturenweg
Winter 2016


Skulptur "Wölfe" von Katharina Ranftl am Ammersee-Skulpturenweg
Frühjahr 2017



Lesen, schreiben, streiten, feiern

Die Landsberger Kreiskulturtage werden im Zeitraum von drei Wochen ein ausgesprochen vielfältiges Programm bieten. Schondorf ist dabei erfreulicherweise ganz stark vertreten. Gleich fünf Veranstaltungen finden bei uns am Ammersee statt.

Kitschbild mit bayerischem Mädel und Bier
Die Kreiskulturtage haben ein anderes Heimatbild

Karl Valentin mit Musik

Das Motto der Kulturtage ist "Schnittstelle Heimat", also Heimatgefühle jenseits von Bierdunst, Trachtenmadl und Humptata. Bei so einem kritischen Blick auf unser Zuhause darf natürlich Karl Valentin nicht fehlen. Darum geht's am 28. Juni mit einer musikalischen Valentinade los.
Die Amouretten (Francesca Rappay und Gitti Vockinger) und der Dr. Windlfend (Wilfried Müller) erweisen dem großen Tragikomiker die Ehre.
Die drei spielen seine Sketches nicht einfach nur nach, sondern bieten eine eigene Interpretation. Klassiker wie "Die Orchesterprobe" kann man in neuem Gewand und mit viel Musik erleben.

Die Amouretten

Gasthof Drexl
Landsberger Straße 58
Schondorf am Ammersee
28. Juni 2017, 18:00 Uhr


Schreiben und lesen

Man wird nicht gleich das Niveau von Karl Valentin erreichen, aber am 2. Juli darf sich jeder einmal selbst als Schriftsteller versuchen. Bei der Schreibwerkstatt im Schondorfer Rathaus werden Momente des eigenen Lebens in kleine Texte verwandelt.
Jutta Beuke und Ilse Baumgarten begeben sich mit den Teilnehmern auf eine "Spurensuche Heimat". Jenseits von Daten und Fakten soll in den "Schreibräumen" ein poetischer Blick auf die innere Heimat geworfen werden.

Schreibräume

Gemeindesaal Rathaus
Schondorf am Ammersee
2. Juli 2017, 14:00 Uhr
Preis: € 58
www.schreibraeume.de

Am nächsten Tag kann man dann im Landheim Schondorf hören, wie ein Profi das Leben in Poesie verwandelt. Die Heimatdichtung des Münchner Turmschreibers Anton G. Leitner ist garantiert frei von Kitsch und Klischees, ganz im Sinne des Mottos von der "Schnittstelle Heimat".

Lesung Anton G. Leitner

Landheim Schondorf
Schondorf am Ammersee
3. Juli 2017, 19:00 Uhr
www.antonleitner.de

Streiten und feiern (und streiten)

Das Landheim ist auch der Schauplatz der nächsten Veranstaltung, einer Podiumsdiskussion über Hans Pfitzner. Er war ein geachteter Komponist, aber auch Zeit seines Lebens ein glühender Judenhasser und Hitlerverehrer. Ich habe in einem früheren Beitrag schon einmal recht ausführlich über Hans Pfitzner geschrieben (Passt das hierher?).
Ist es richtig, dass eine so umstrittene Persönlichkeit in Schondorf mit der Hans-Pfitzner-Straße geehrt wird? Es ist ein Thema, über das sich lange und ausführlich streiten lässt.
Dr. Andreas Heusler, der in München das Projekt zur Prüfung historisch belasteter Straßennamen leitet, berichtet an diesem Abend aus seinen Erfahrungen. Zu der Podiumsdiskussion sind auch Historiker, Musikwissenschaftler und Politiker geladen. Leider ist unser Bürgermeister nicht dabei. Ich hätte gerne gehört, wie das Rathaus zur Causa Pfitzner steht.

Pfitzner und andere Namen mit Geschichte

Landheim Schondorf
Schondorf am Ammersee
7. Juli 2017, 18:45 Uhr

Die Stelzer bei den Kreiskulturtagen Landsberg
Photo © Wolfgang Hauck | Die Stelzer
Am folgenden Samstag wird dann beim Schondorfer Kulturfest rund um den Bahnhof gefeiert. Es gibt Kunst und Kunsthandwerk, Musik und natürlich auch Bier. Freuen dürfen wir uns auf einen Auftritt der Stelzer aus Landsberg. Die Truppe hat das Genre "Theater auf Stelzen" als eine Darstellungsform für den öffentlichen Raum entwickelt, und ist damit international erfolgreich. 
Gestritten wird beim Kulturfest wahrscheinlich auch. Der Künstler Andreas Kloker wollte eigentlich in der Güterhalle am Bahnhof eine Performance veranstalten, was vom Gemeinderat abgelehnt wurde. Man befürchtete, das könnte dem geplanten Abriß im Wege stehen (siehe Und dann?). Auch in diesem Fall ist also für reichlich Diskussionsstoff gesorgt.
Die Stelzer werden vermutlich aus luftiger Höhe herab über die Streitigkeiten am Ammersee schmunzeln.

Schondorfer Kulturfest

Bahnhof Schondorf
8. Juli 2017, ab 12:00 Uhr

Die Null steht

Bei der Schondorfer Bürgerversammlung am 24. Mai wurden jede Menge Zahlen präsentiert. Eine der erfreulichen Nachrichten aus dem Jahresrückblick 2016 war, dass die Neuverschuldung bei genau Euro 0,00 lag.

Neuverschuldung 2017 von Schondorf am Ammersee

Spitzenstellung am Ammersee

Die Gesamtverschuldung wurde um rund € 500.000 auf € 6,5 Mio. reduziert. Das ist natürlich immer noch eine ganze Menge und bedeutet, dass der Schuldenstand pro Kopf jetzt bei etwa € 1.700 liegt. Ich hatte vor ziemlich genau einem Jahr schon einmal über das Thema Schulden geschrieben (siehe Spitzenstellung von Schondorf).
Wir sind immer noch die am höchsten verschuldete Gemeinde am Ammersee. Das liegt aber nicht daran, dass wir in den letzten Jahren in Saus und Braus gelebt hätten. Die Schulden kommen vor allem von den beiden Großprojekten Feuerwehrhaus und Prix-Gelände.

Investitionen in die Zukunft

Der Neubau des Feuerwehrhauses war sicher notwendig, wenn man sich das Wachstum von Schondorf ansieht. Jetzt haben wir ein gut ausgestattetes Gebäude, das für die nächsten Jahrzehnte ausreichen sollte.
Auch das Prix-Gelände ist eine Investition in die Zukunft. Die Gemeinde hat das ehemalige Industriegebiet 2013 gekauft, wenn ich mich richtig erinnere, für damals € 4 Mio. Dazu kamen mittlerweile noch erhebliche Kosten für den Abriß, die Entsorgung der Altlasten, diverse Gutachten, Entwürfe, usw. Zumindest auf einem Teil des Geländes soll bezahlbarer Wohnraum entstehen, um auch jungen Familien und Normalverdienern ein Leben am Ammersee zu ermöglichen. Allerdings muss dazu jetzt erst einmal ein Kriterienkatalog für den Investorenwettbewerb erstellt werden. Anschließend muss Schondorf dann einen oder mehrere Investoren finden, die auf dem Gelände entsprechend den Vorgaben bauen wollen. Ich vermute, dass das mindestens bis 2018 dauern wird.
Das investierte Geld wird am Ende wahrscheinlich wieder herein kommen. Mehr aber auch nicht, weil die Gemeinde die Grundstückspreise nicht noch mehr anheizen will, sondern lediglich eine "schwarze Null" anpeilt.

Solide gewirtschaftet

Auch wenn sich die Schuldensituation in den nächsten Jahren wieder entspannen wird, ist es trotzdem gut, vorsichtig zu wirtschaften. Ob private oder öffentliche Haushalte, Schulden sind immer eine Einschränkung des eigenen Handlungsspielraums. Außerdem schauen die bayerischen Landratsämter  den Gemeinden genau auf die Finger, ob verantwortlich gewirtschaftet wird.
Von daher freut es mich, dass Schondorf letztes Jahr keine neuen Schulden gemacht hat. Natürlich ist das auch einmaligen Effekten wie dem Verkauf des Wassernetzes zu verdanken, und natürlich wurden einige geplante Vorhaben aufgeschoben. Zum Beispiel wird die notwendige Sanierung einiger Gehwege – etwa in der Bahnhofstrasse – wohl noch etwas auf sich warten lassen (In der Bahnhofstrasse ärgert mich das, weil im Gegensatz zum holprigen Gehweg, die Fahrbahn glatt ist wie ein Babypopo. Mit dem Porsche kommt man hier bestens voran, mit einem Kinderwagen nicht).
Im Großen und Ganzen wurden die Sparziele aber erreicht, ohne dass Schondorf nun verwahllost aussieht.
Ich finde, das haben die Verwaltung und der Gemeinderat gut gemacht. 

Skulpturenpfad für Verschwörungstheoretiker

Der Ammersee-Skulpturenweg ist nicht nur Kunstfreunde ein lohnendes Ziel. Auch Freunde von Chemtrails und Roswell kommen auf ihre Kosten. Dazu muss man sich nur einmal den "Großen Fadenschein" von Thomas Lenhart und den "Durchblick"von Gerhard Gerstberger anschauen.

Dipol und Yagi-Uda

Wenn man der Beschreibung auf http://ammersee-skulpturenweg.de glauben soll, dann sind die beiden Skulpturen auf das Kloster Andechs ausgerichtet. Aber stimmt das wirklich? Und sind das tatsächlich nur harmlose Skulpturen?
47°59'35.6" Nord und 11°10'12.8" Ost
Es ist doch auffällig, dass beide Konstruktionen aus Stahl sind, und Antennen verdächtig ähnlich sehen. Der "Durchblick" ist ganz klar ein klassischer Dipol, und Thomas Lenhart hat wohl eine zikular-polarisierte Yagi-Uda aufgebaut. Sind das Teile einer geheimen Richtfunkstrecke?
Oder werden sie benutzt, um mittels HAARP-Wellen das Segelwetter am Ammersee zu beeinflussen?

Direkter Draht zum Konsulat

Man könnte jetzt mal mittels geometrischer Triangulation, Laser und GPS-Daten nachmessen, wohin die beiden Antennen wirklich zeigen. Möglicherweise würde man dann nicht auf Kloster Andechs, sondern auf einen ganz anderen Zielpunkt kommen, nämlich 47°59'35.6" Nord und 11°10'12.8" Ost. Und was ist an dieser Stelle? Genau: Die Bayerische Brandung, das offizielle Konsulat der Westküste in Herrsching. Das kann doch kein Zufall sein!
Also ich werde in Zukunft zur Sicherheit meinen Aluhut aufsetzen, wenn ich an den beiden "Skulpturen" vorbeikomme.

Skulptur von Thomas Lenhart am Ammersee-Skulpturenweg
Zikular-polarisierte Yagi-Uda Antenne


Skulptur von Gerhard Gerstberger am Ammersee-Skulpturenweg
Dipol-Antenne



Bücher verschenken

Ich hatte letzten Monat darüber geschrieben, dass der Video Blogger Smartsozial mich für die Aktion #Mein2017 nominiert hat. Dabei geht es darum, mit kleinen Gesten das Jahr 2017 insgesamt ein bisschen besser zu machen (Mehr dazu unter https://schondorf.blogspot.de/2017/04/mein2017.html). Meine Idee war, Bücher zu verschenken.

Ich verschenke Bücher am Ammersee

Die Bücherkiste

Ich habe also mein Buchregal etwas ausgeräumt. Das ist mir schwerer gefallen, als ich es erwartet hätte. Jedenfalls kam am Ende eine recht bunte Mischung von rund zwei Dutzend Büchern zusammen. Das reichte von Klassikern wie Carson McCullers zum Kochbuch einer österreichischen Obdachlosen-Initiative, und von Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch bis zu Linux-Erfinder Linus Torvalds.
Diese Kiste stellte ich an einem Samstag Mittag auf den Gartenzaun mit einem Schild, dass man sich gratis bedienen dürfe. Auf der Straße hinunter zum Ammersee sind am Wochenende viele Leute unterwegs, für Publikum war also gesorgt.
Abends dann ein Blick auf das Ergebnis und ein ziemlich langes Gesicht: Die Kiste war praktisch noch vollzählig da. Stimmt es also etwa doch, dass die Leute keine Bücher mehr lesen? Oder ist mein Buchgeschmack abseitiger, als ich gedacht hätte? Zu diesem Zeitpunkt war #Mein2017 jedenfalls ein Schlag ins Wasser.

Sonntag ist Lesetag

Neuer Versuch dann am Sonntag, die Kiste kam wieder auf den Zaun. Zur Mittagszeit wagte ich einen ersten skeptischen Blick in den Vorgarten. Meine Überraschung war groß, denn die Kiste war leer, alle Bücher hatten einen Leser gefunden. Sonntag ist offensichtlich der Tag für Literatur. Das ist ein schönes Gefühl, dass nun gut zwanzig Bücher eine neue Heimat gefunden haben. Sollte einer der neuen Besitzer das hier zufällig lesen, freue ich mich über einen Kommentar.
Es gibt zu der Aktion übrigens auch einen kleinen Film auf YouTube: https://youtu.be/h8kYvzW24QM

Wie geht es weiter?

Jetzt bin ich gespannt, was die von mir für #Mein2017 Nominierten sich einfallen lassen. Ich kenne die Damen Blaes, Foresti, Müller und Stawarz, und den Herrn Netzer als kreative Menschen. Wie wird euer Beitrag zu #Mein2017 aussehen?

Stelen im Studio

Das Studio Rose in Schondorf ist zur Zeit ausgesprochen aktiv. Eine Ausstellung folgt auf die nächste. Das ist eine prima Sache, denn damit bleibt dieser Ort das, was er schon zu Lebzeiten von Heinz Rose war: einer der Leuchttürme der Kunst am Ammersee.

Baumgedichte von Karl Witti

Der einzige Haken dabei ist, dass ich mit den Ausstellungsbesuchen kaum nachkomme, geschweige denn mit dem Schreiben darüber. Darum stand an dieser Stelle leider nichts über die sehr beeindruckenden Skizzen und Baumgedichte von Karl Witti. Wer die Ausstellung Anfang Mai nicht gesehen hat, hat wirklich etwas verpasst. Einen kleinen Eindruck bekommt man aber auf der Website des Künstlers: http://karl-witti.de/werkreihen/blattgedichte/
Mein Lieblingsmotiv war ein Bild zu dem Gedicht "Bäume" von Sarah Kirsch:
Früher sollen sie
Wälder gebildet haben und Vögel
Auch Libellen genannt kleine
Huhnähnliche Wesen die zu

Maike Orlob-Rothweiler
Stele vonMaike Orlob-Rothweiler
Photo © Studio Rose

Form & Farbe von Maike Orlob-Rothweiler

Die Ausstellung ist wie gesagt leider schon vorbei. Auch bei der Nächsten muß man sich schon wieder beeilen. Letzten Freitag war die Vernissage zu "Form & Farbe".
Maike Orlob-Rothweiler aus Türkenfeld zeigt zwei Facetten ihrer Arbeit. Zum Einen sind das mannshohe Keramikstelen, die mit Rebenasche glasiert sind. Übrigens hat Hildegard von Bingen Rebenasche als Mittel gegen Zahnfleischschwund empfohlen.
Der zweite Aspekt ihres Schaffens sind gestickte Bilder auf bedruckter Seide. Maike Orlob-Rothweiler ist ausgebildete Cellistin. Da überrascht es nicht, dass die Bilder alle etwas mit Musik, Rythmus und Harmonie zu tun haben.

Pause im Studio Rose

Danach gönnt sich das Studio Rose dann eine kleine Verschnaufpause. Eigentlich hätte es im Juli eine große Heinz-Rose-Ausstellung geben sollen. Die musste aber auf nächstes Jahr verschoben werden. Nächster Termin im Studio Rose ist deshalb erst am 18. August die Ausstellung mit Werken von Barbara und Martin Burger. 

Form & Farbe

Keramikstelen und Textilbilder von Maike Orlob-Rothweiler
20. - 28. Mai 2017, 
jeweils Samstags und Sonntags von 14:00 - 17:00 Uhr
Studio Rose
Bahnhofstrasse 35
Schondorf am Ammersee